Abgebrochenes Wochenende: Nach Huthi-Angriff auf Riad erwägt Trump einen Militärschlag
US-Präsident Trump hat seinen Aufenthalt in Camp David am Samstagabend abrupt beendet und ist ins Weiße Haus zurückgekehrt. Zeitgleich verließ Verteidigungsminister Pete Hegseth ein Football-Spiel der Texas A&M University und kehrte eilig in die Hauptstadt zurück, während eine offizielle Delegation in Kopenhagen direkt zurückbeordert wurde. Die USA erwägen einem CNN-Bericht des nationalen Sicherheitsanalysten Alex Plitsas zufolge weitreichende Militäroperationen gegen die vom Iran unterstützten Huthis, als Vergeltung für einen Angriff der Rebellen auf die saudische Hauptstadt Riad. Plitsas schrieb auf X, ihm sei bestätigt worden, dass das Treffen in Camp David dazu gedient habe, Optionen für Schläge gegen den Jemen zu beraten und zu prüfen, kurz darauf hätten mehrere amerikanische Botschaften in der Region bereits Warnungen herausgegeben.
Auslöser war nach übereinstimmenden Berichten der erste direkte Angriffsversuch der Huthis auf Riad selbst, seit sich die Kämpfe im Juli verschärft hatten, und zugleich der erste Luftalarm in der saudischen Hauptstadt seither. Drohnen trafen die Treibstofftanks des internationalen Flughafens König Khalid, es kam zu Flammen und einer großen schwarzen Rauchsäule, eine zusätzlich abgefeuerte Rakete wurde von der saudischen Luftabwehr abgefangen. Weitere, nach Angaben der saudisch geführten Koalition gescheiterte Angriffe richteten sich gegen die Hafenstadt Yanbu sowie gegen Taif, Baysh und Farasan.
Weltweite Reisewarnung
Das amerikanische Außenministerium reagierte mit einer seltenen weltweiten Reisewarnung: „Aufgrund der Spannungen im Nahen Osten bleibt das Sicherheitsumfeld komplex, mit dem Potenzial für eine unvorhergesehene Eskalation“, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Vom Iran unterstützte Rebellen hätten Ziele in Saudi-Arabien angegriffen, darunter zivile Flughäfen, „dieser militärische Konflikt hat das Potenzial, sich rasch auszuweiten“. Amerikanische Staatsbürger in der Region wurden aufgefordert, besonders wachsam zu bleiben, Flugpläne im Blick zu behalten und sich auf plötzliche Annullierungen oder Luftraumsperrungen vorzubereiten, Reisenden außerhalb der Region wurde geraten, Reisen in die Region zu überdenken. Amerikanische Vertreter warnten zudem, iranische Stellvertreter könnten versuchen, auch amerikanische diplomatische Einrichtungen, Unternehmen und Interessen weltweit anzugreifen, wie es in der Vergangenheit bereits geschehen sei.
Auch in Israel wurde die Alarmstufe erhöht. Die US-Botschaft in Jerusalem erklärte, die konsularischen Dienste in der Hauptstadt und in der Außenstelle Tel Aviv liefen normal weiter, rief amerikanische Bürger jedoch dazu auf, Flugstatus an den Flughäfen Ben Gurion und Haifa zu überprüfen, den nächstgelegenen Schutzraum zu kennen, die App des Heimatfrontkommandos für Echtzeitwarnungen herunterzuladen, Wasser, Lebensmittel und wichtige Medikamente vorrätig zu haben und Demonstrationen sowie große Menschenansammlungen zu meiden.
Warum Riad auf Israel angewiesen ist
Der Angriff auf Riad selbst markiert eine neue Eskalationsstufe in einem Konflikt, der Saudi-Arabien zunehmend überfordert, wie mehrfach berichtet: Das Königreich verfügt zwar über moderne Luftabwehrsysteme, F-15-Kampfjets und umfangreiche Patriot-Batterien, wie der erfolgreiche Abschuss am Samstag zeigte, doch fehlt ihm nach Einschätzung von Beobachtern das einheitliche Kommando, die ausgereifte gemeinsame Einsatzdoktrin, ein professionelles Unteroffizierskorps sowie eigene Aufklärungs- und Zielerfassungskapazitäten und logistische Fähigkeiten, um Operationen fernab der eigenen Grenzen über längere Zeit aufrechtzuerhalten, wie sie das amerikanische Militär besitzt. Genau diese Lücke hatte Riad in den vergangenen Wochen dazu bewogen, sich über das amerikanische Zentralkommando auch an Israel um nachrichtendienstliche Unterstützung zu wenden.
Ein zweiter Unruheherd in Europa
Parallel zur Zuspitzung im Nahen Osten schlugen in derselben Woche mehrere europäische Regierungschefs Alarm wegen möglicher russischer Vorbereitungen für einen weiteren Vorstoß gegen Europa. Finnlands Präsident Alexander Stubb rief seine Landsleute auf, sich „mental darauf vorzubereiten, dass etwas passieren könnte“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte nach einem Krisentreffen mit den Parteichefs im Élyséepalast, die Bedrohung, insbesondere die russische hybride Bedrohung für Europa und Frankreich, habe sich in den vergangenen Wochen verschärft. Die deutlichsten Warnungen kamen aus Polen: Ministerpräsident Donald Tusk erklärte in einer Sonderansprache vor dem Sejm, dem polnischen Unterhaus, anlässlich des 87. Jahrestags des sowjetischen Überfalls auf Polen, geheimdienstlichen Einschätzungen zufolge sehe der russische Plan auch hybride Angriffe mit Drohnen und Raketen gegen die Ukraine unterstützende Staaten vor, Polen eingeschlossen.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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