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21 Jul 2026

70.000 bewaffnete Männer, 14 Kilometer bis zur Küste: Neue Studie warnt vor der Armee der Autonomiebehörde

Eine neue Studie des Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs (JCFA) warnt vor einer Bedrohung, die nach Einschätzung des Autors bislang zu wenig Beachtung findet: die bewaffnete Sicherheitstruppe der Palästinensischen Autonomiebehörde in Judäa und Samaria. Verfasst hat sie Oberstleutnant a.D. Maurice Hirsch, früherer Leiter der Militärstaatsanwaltschaft für Judäa und Samaria. Sein zentraler Befund: Die Truppe ist heute mehr als zehnmal so groß wie die Zahl der Terroristen, die am 7. Oktober aus Gaza nach Israel eindrangen, nach seinen Worten eine Kraft, die „schlicht auf den Befehl zum Angriff wartet“. Das berichten Jerusalem Post und Israel National News.

Von 12.000 Polizisten zur 70.000-Mann-Truppe

Die Zahlen, die Hirsch zusammenträgt, zeichnen eine deutliche Entwicklung. Die Osloer Abkommen erlaubten der Autonomiebehörde ursprünglich eine Polizeitruppe von 12.000 Mann in Judäa und Samaria, ausgerüstet mit 4.000 Gewehren, 4.000 Pistolen, 120 Maschinengewehren und 15 gepanzerten Fahrzeugen, zuständig für lokale Ordnung und den Kampf gegen Hamas und Islamischen Dschihad. Schon 1995, vor der vollständigen Gründung der Behörde, habe die Truppe laut einem Bericht des US-Außenministeriums 18.000 Mann gezählt, doppelt so viele wie erlaubt. 2001 waren es rund 40.000, 2014 mehr als 65.000. Heute beziffert Hirsch die Stärke auf etwa 70.000 bewaffnete Kräfte, ausgerüstet mit zehntausenden Schusswaffen, gepanzerten Fahrzeugen und einer militärischen Ausbildung, die weit über Polizeiarbeit hinausgeht: Artillerie, Scharfschützentraining, schwere Maschinengewehre, Fallschirmsprünge.

Gerade diese Ausbildung hält Hirsch für den eigentlichen Alarmpunkt, nicht allein die Zahlen. Eine zivile Polizeitruppe mit Kriegsausbildung sei historisch die Ausnahme, nicht die Regel. Die Kriminalitätsstatistik der Autonomiebehörde selbst, die für 2024 rund 1.336 Straftaten pro 100.000 Einwohner auswies, liefere jedenfalls keine Begründung für einen Apparat dieser Größenordnung.

Die geografische Rechnung: Kalkilja liegt 14 Kilometer vom Meer

Der Kern der Studie ist eine geografische Warnung. Von Kalkilja in Samaria bis zur Mittelmeerküste sind es nur 14 Kilometer, dazwischen liegen Städte wie Kfar Saba, Ra’anana, Hod Hasharon und Herzliya, dichtbesiedeltes Kernland Israels. Zum Vergleich: Am 7. Oktober drangen Terroristen 22 Kilometer tief nach Israel ein, bis nach Ofakim. Ein Vorstoß über 14 Kilometer sei demnach kein Sonderfall, sondern eine Distanz, die bereits einmal überboten wurde, und auf die Israel nach Hirschs Einschätzung aktuell nicht vorbereitet sei.

Ideologisch sieht der Autor die Fatah-nahe Sicherheitstruppe der Hamas näher, als es das internationale Bild suggeriert. Er verweist auf das gescheiterte „Wanted Terrorists Agreement“ von 2007, bei dem gesuchte Fatah-Terroristen im Austausch für Waffenabgabe in die Sicherheitskräfte integriert wurden, ebenso auf die 2020 aufgedeckte Praxis, Hamas-Operative mit Militärsold in den eigenen Reihen zu verstecken, um internationalen Druck wegen der Zahlungen an inhaftierte Terroristen zu umgehen. Nach einem Medienbericht von 2024 ließen sich palästinensische Kräfte in Pakistan an Panzerabwehrwaffen, Artillerie und Schultermunition ausbilden, unter ihnen laut der Organisation Regavim ein Mann mit eigener Terror-Vergangenheit.

Ein unbequemer Befund: Die Waffen kamen teils aus Israel

Bemerkenswert ehrlich benennt die Studie auch israelische Verantwortung: Mehrere israelische Regierungen genehmigten laut dem Bericht Waffenlieferungen an die Autonomiebehörde, zuletzt die Regierung Netanyahu nur wenige Wochen vor dem Massaker vom 7. Oktober 2023. Anfragen zum genauen Umfang dieser Transfers blieben nach Hirschs Angaben unbeantwortet, ohne dass sich Behörden je auf Geheimhaltung beriefen. Er nennt das Schweigen „ohrenbetäubend“.

Seine Schlussfolgerung fällt dramatisch aus: Die von der Autonomiebehörde aufgebaute Truppe werde sich, wie schon in der Vergangenheit, gegen israelische Zivilisten richten, mit einem Zerstörungspotenzial, das die Gräuel des 7. Oktober übertreffen könne. Als Sofortmaßnahmen fordert er einen Stopp aller Waffenfreigaben, die Kopplung von Hilfszahlungen an eine Truppenreduzierung auf das vereinbarte Maß, unabhängige Aufsicht, die Schließung militärischer Ausbildungslager und eine diplomatische Forderung an die USA und die EU, ihre Finanzierung der Ausbildung einzustellen.

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