Vance zieht im Hintergrund die Fäden: Washington setzt im Iran-Konflikt vorerst auf Diplomatie, Israel bleibt in Bereitschaft

Nach der Wahlniederlage der Republikaner übernimmt Vizepräsident JD Vance eine Schlüsselrolle in den Bemühungen um ein Ende des Iran-Krieges. Nach einem Bericht des Journalisten Barak Ravid für N12 war Vance in den vergangenen zwei Wochen persönlich an den indirekten Kontakten mit Teheran beteiligt. Ziel ist nach Angaben zweier mit den Gesprächen vertrauter Quellen eine neue Waffenruhe und die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen. Er wertet das Engagement als Zeichen, dass Vance es übernommen hat, die USA aus dem Krieg herauszuführen. Vances Büro wollte sich nicht äußern.

Fast täglich am Telefon

Nach diesen Angaben sprach Vance nahezu täglich mit dem Ministerpräsidenten von Katar, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, mit Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, und mit weiteren Vermittlern. Auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, sind eingebunden. Erörtert wurde zudem ein direktes Treffen der Unterhändler auf Arbeitsebene, das bislang aber nicht stattgefunden hat.

Vor rund zwei Wochen schrieb Vance außerdem einen Brief an Mohsen Rezaei, den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats in Teheran, und schlug darin direkte Verhandlungen vor. Rezaei gilt als enger Vertrauter des Obersten Führers Mojtaba Khamenei. Iranische Vertreter sprachen nach Ravids Angaben von einem positiven Impuls durch das Schreiben.

Der Skeptiker als Vermittler

Vor Kriegsbeginn Ende Februar galt Vance in Trumps engstem Kreis als größter Skeptiker eines Angriffs. Im April leitete er die amerikanische Delegation beim Iran-Gipfel in Islamabad, im Juni war er an der Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran beteiligt. Danach führte er die Delegation bei direkten Gesprächen in der Schweiz an, die mit der iranischen Zusage endeten, UN-Inspektoren in die Atomanlagen zu lassen. Kurz darauf griffen die Revolutionsgarden jedoch wieder Schiffe an, die Absichtserklärung brach zusammen.

Vorsichtiger Optimismus aus Doha

Quellen aus dem Umfeld der Vermittler sprechen von Fortschritten, allerdings nur sehr langsamen. Katars Ministerpräsident sagte am Freitag, man habe mit Vertretern der US-Regierung zusammengearbeitet, die „eine echte Absicht“ hätten, die Spannungen abzubauen. Dank ihnen und dank „besonnener Stimmen in Teheran“ habe man verhindert, dass die Lage außer Kontrolle gerate. Der Wille zu einer diplomatischen Lösung bestehe aber weiter, eine Einigung sei möglich. Auch Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani mahnte Trump in einem Telefonat, auf Dialog zu setzen, eine weitere Eskalation zu vermeiden und die freie Schifffahrt zu sichern.

Ganz ruhig ist es dennoch nicht. Am Freitag griff das US-Militär auf der Insel Qeshm in der Straße von Hormus einen Werfer für Flugabwehrraketen an, nachdem von dort eine Rakete auf einen amerikanischen Kampfjet abgefeuert worden war, Trump bestätigte den Angriff. Auf die Frage nach seiner Botschaft an Teheran sagte er in der Nacht zum Samstag nur: „Wir reden mit ihnen.“ Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter und Quellen in der Region ist er bereit, der Diplomatie vorerst Zeit zu geben. Sollte er seine Meinung ändern, könnte das US-Militär innerhalb kurzer Zeit wieder angreifen.

Was das für Israel bedeutet

Nach einem Ynet-Bericht stand Israel nach Angaben eines ranghohen Militärvertreters zuletzt kurz vor einer Offensive gegen Iran und bleibt einsatzbereit. Die Entscheidung über eine Rückkehr zu den Kämpfen liegt jedoch in Washington. Schon nach den Zwischenwahlen äußerte ein israelischer Regierungsvertreter gegenüber Ynet die Sorge, ein geschwächter Trump könnte sich mit einer Öffnung der Straße von Hormus zufriedengeben, ohne das Atomprogramm zu lösen. Ob Vances Diplomatie diese Sorge bestätigt oder entkräftet, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Weitere Artikel