Eine Königin aus Gold: Jerusalem zeigt jahrtausendealte Schätze und zeitgenössische Kunst

Eine mehr als 2.200 Jahre alte Goldmünze mit dem Bild einer ägyptischen Königin, antiker Schmuck und ein vergessener Münzschatz: Im Museum im Davidsturm in Jerusalem ist eine außergewöhnliche Ausstellung eröffnet worden. Die meisten der archäologischen Funde sind zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Gemeinsam mit Werken von 16 israelischen Künstlern erzählen sie von Macht, Glauben und einer Stadt, in der Gold seit Jahrtausenden eine besondere Rolle spielt.

Eine Frau blickt von einer kleinen Goldmünze. Sie trägt ein Diadem, einen Schleier und eine Halskette. Es ist Berenike II., Königin des ägyptischen Ptolemäerreichs im dritten Jahrhundert vor Christus. Mehr als 2.200 Jahre später gehört die Münze zu den bemerkenswertesten Stücken der Ausstellung „Gold: Touches of Gold in Contemporary Israeli Art“, die Ende Oktober eröffnet wurde und bis März 2027 zu sehen ist.

Gefunden wurde die Münze bei Ausgrabungen der israelischen Altertumsbehörde auf dem Givati-Parkplatz in der Davidsstadt, beim Sieben der Erde. Vorgestellt wurde sie im August 2025. Weltweit sind nur rund 20 Exemplare dieser Prägung bekannt, dieses ist das erste, das bei einer kontrollierten Grabung zutage kam.

Als Gold die Macht der Herrscher zeigte

Die Münze erzählt von einer Zeit, in der das Land Israel unter dem Einfluss großer hellenistischer Reiche stand. Nach dem Tod Alexanders des Großen kämpften seine Nachfolger um die Herrschaft im Nahen Osten, zeitweise gehörte das Gebiet zum Reich der ägyptischen Ptolemäer. Berenike II. war die Ehefrau von Ptolemaios III. Die Viertel-Drachme aus nahezu reinem Gold wurde zwischen 246 und 241 vor Christus wohl in Alexandria geprägt, womöglich als Prämie für Soldaten, die aus dem Dritten Syrischen Krieg heimkehrten. Auf der Rückseite trägt sie ein Füllhorn und die griechische Inschrift „der Königin Berenike“. Diese ungewöhnliche Formulierung deutet nach Ansicht von Forschern darauf hin, dass Berenike womöglich eigene Herrschaftsrechte besaß.

Solche Münzen waren mehr als Zahlungsmittel. Sie verbreiteten die Botschaft, wer herrschte und welche Dynastie Macht beanspruchte. Für Archäologen sind sie deshalb wichtige historische Dokumente. Ebenfalls zu sehen ist eine noch ältere Goldmünze von Ptolemaios I. vom Berg Garizim aus dem frühen dritten Jahrhundert vor Christus.

Ein kleiner Schatz, der nie abgeholt wurde

Auch andere Stücke erzählen ungewöhnliche Geschichten. Nahe dem Platz vor der Klagemauer entdeckten Archäologen vier Goldmünzen in einem kleinen Krug. Zwei stammen aus der späten Abbasidenzeit (946 bis 957), zwei aus der frühen Fatimidenzeit (971 bis 980). Warum sie versteckt wurden, ist unbekannt. Möglicherweise wollte jemand sein Erspartes in unsicheren Zeiten schützen und später zurückholen. Dazu kam es offenbar nie. Hinter einem solchen Fund steht nicht nur die Geschichte großer Reiche, sondern womöglich auch die Sorge eines einzelnen Menschen um seinen Besitz.

Schmuck aus römischer und byzantinischer Zeit

Daneben zeigt das Museum Schmuck aus römischen und byzantinischen Gräbern des zweiten bis sechsten Jahrhunderts nach Christus: Ringe, Ohrringe, Amulette und dünne Goldbleche. Die Stücke stammen aus der Sammlung von Frances Emily Newton, einer britischen Missionarin, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert im Land lebte. Manche Stücke waren Ausdruck von Reichtum, andere hatten wohl religiöse oder schützende Bedeutung. Die archäologischen Leihgaben stammen von der israelischen Altertumsbehörde und vom Stabsoffizier für Archäologie in Judäa und Samaria.

Warum Jerusalem eine Stadt des Goldes ist

Der Ausstellungsort könnte kaum passender sein. Die Zitadelle am Jaffator blickt auf eine Geschichte zurück, die bis in die Zeit der Hasmonäer und des Herodes reicht. Auch in der Bibel spielt Gold eine bedeutende Rolle. Für die Stiftshütte und später den Tempel werden goldene Geräte und Verzierungen beschrieben, etwa die mit reinem Gold überzogene Bundeslade (2. Mose 25,11). Bis heute ist Gold eng mit den Vorstellungen von Jerusalem verbunden, nicht zuletzt durch das Lied „Jerusalem aus Gold“, das Naomi Shemer 1967 schrieb.

Sechzehn Künstler und das Gold von heute

Die Ausstellung bleibt aber nicht bei der Vergangenheit. Sechzehn israelische Künstler aus mehreren Generationen fragen, was Gold heute bedeutet. Sie arbeiten mit Blattgold, Goldpulver, Goldfäden oder Farben, die den Glanz des Edelmetalls nur nachahmen. Mosh Kashi zeigt eine Porzellankugel mit einer Oberfläche aus 24-karätigem Gold. Leor Grady nimmt in einem Werk von 2024 einen Psalmvers auf: „Dankt dem Herrn, denn er ist gut“ (Psalm 136,1). Die aus dem Iran stammende Künstlerin Elham Rokni zeigt einen vergoldeten Wiedehopf, den Nationalvogel Israels. Drei Generationen einer Familie sind vertreten: der Maler Moshe Gershuni, sein Sohn Aram Gershuni und dessen Tochter Alma mit einem Relief nach Rembrandts „Mann mit dem Goldhelm“. Joshua Borkovsky steuert ein Werk aus Blattgold mit dem Titel „Pilgerfahrt“ von 1986 bei.

Geschichte hinter den Mauern der Altstadt

Kuratiert wurde die Ausstellung von Marie Shek, für die es nach eigenen Angaben die 50. Ausstellung seit 1996 ist. Die Vorbereitung dauerte vier Jahre, auch wegen des Krieges. „Für mich ist Jerusalem ein Schuss Gold“, sagt sie. Die archäologischen Funde stellte Ravit Nenner-Soriano zusammen. Zwischen jahrtausendealten Mauern liegen kleine Münzen, die einst durch die Hände von Händlern und Soldaten gingen, daneben Kunstwerke, die erst in diesem Jahr entstanden sind. Gold hat über die Jahrtausende seinen Glanz behalten, was Menschen darin sehen, hat sich dagegen immer wieder verändert. Vielleicht ist genau das die spannendste Entdeckung dieser Ausstellung: Ein winziges Stück Gold kann mehr über die Geschichte Jerusalems erzählen, als seine Größe vermuten lässt.

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