„Israel war sehr hilfreich“: Trump spricht offen über Israels Hilfe für Saudi-Arabien

US-Präsident Donald Trump hat öffentlich ausgesprochen, worüber Jerusalem und Riad bislang schweigen: Israel unterstützt Saudi-Arabien im Kampf gegen die vom Iran gestützte Huthi-Miliz im Jemen. Zugleich stellte Trump eine Annäherung zwischen beiden Ländern in Aussicht, die nach seinen Worten „vielleicht mehr denn je“ möglich sei. Eine Reaktion aus Riad gibt es bislang nicht.

Was Trump sagte

Am Freitag wurde Trump vor dem Weißen Haus, kurz vor seiner Abreise zu einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia, gefragt, ob Saudi-Arabien israelische Hilfe gegen die Huthi annehmen sollte. „Ja, das finde ich, sicher“, antwortete er. „Israel war sehr hilfreich für Saudi-Arabien.“ Riad sei „sehr froh, die Unterstützung Israels und unsere Unterstützung zu haben“. Auf die Frage, ob ein Beitritt Saudi-Arabiens zu den Abraham-Abkommen wieder realistisch sei, sagte Trump: „Ja, ich denke schon, vielleicht mehr denn je.“ Die Abkommen nannte er „eine unserer großen Errungenschaften“.

Es ist ein seltenes öffentliches Eingeständnis einer Sicherheitszusammenarbeit zwischen zwei Staaten, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte bereits in dieser Woche in einem Interview mit Kanal 14 angedeutet, worum es geht: „Es gibt kaum einen Staat im Nahen Osten, der uns nicht um Hilfe bittet.“

Was bekannt ist

Nach Berichten von Israel Hayom vom September bat Kronprinz Mohammed bin Salman das für den Nahen Osten zuständige Zentralkommando der US-Streitkräfte (CENTCOM), israelische Hilfe zu vermitteln. Seither soll Israel über CENTCOM Geheimdienstinformationen weitergeben, etwa zu Zielen und Bewegungen der Huthi. An Kampfeinsätzen ist Israel nach diesen Berichten nicht beteiligt. Offiziell bestätigt hat das keine der beiden Regierungen. Huthi-Führer Abdul-Malik al-Huthi behauptete, Saudi-Arabien habe seine Flughäfen für israelische Aufklärungsflüge gegen den Jemen geöffnet. Belege dafür gibt es nicht.

Neu ist die Verbindung nicht. Nach Recherchen von Israel Hayom begannen die geheimen Kontakte schon 2006 unter Mossad-Chef Meir Dagan. Die Saudis seien „äußerst besorgt“ gewesen, dass die Beziehungen öffentlich werden, sagte Eyal Tzir Cohen, früherer Leiter der Nahost-Abteilung des Mossad, der Zeitung.

Ein Königreich unter Beschuss

Der Hintergrund ist eine der schwersten Bedrohungen für Saudi-Arabien seit Jahren. Bei einem Raketenangriff der Huthi auf den Flughafen von Riad wurden am 10. Oktober nach saudischen Angaben zwölf Menschen getötet und mehr als 300 verletzt, ein weiteres Opfer erlag später seinen Verletzungen. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition fängt seither fast täglich Raketen und Drohnen ab, darunter eine ballistische Rakete auf die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer. Teheran bestreitet, hinter den Angriffen zu stehen, und bietet an, bei einer Lösung zu helfen.

Auch andere Staaten rücken an Riads Seite. Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty sagte Unterstützung „jeder Art“ zu, auch militärische. Präsident Abdel Fattah al-Sisi erklärte am Samstag nach Angaben von World Israel News, es sei „undenkbar“, dass Ägypten eine Bedrohung der Sicherheit Saudi-Arabiens zulasse. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen demnach die Finanzhilfe für jemenitische Regierungstruppen wieder aufnehmen.

Normalisierung in Reichweite?

Ob aus der stillen Zusammenarbeit mehr wird, ist offen. Vor dem 7. Oktober 2023 waren die Gespräche zwischen Israel und Saudi-Arabien weit fortgeschritten, dann stoppte der Krieg sie. Riad knüpft eine Normalisierung bis heute an einen Weg zu einem palästinensischen Staat, den die Regierung Netanyahu ablehnt. Dass sich an dieser Haltung etwas geändert hat, hat Saudi-Arabien nicht erkennen lassen.

Trumps Optimismus sollte deshalb vorsichtig gelesen werden. Er äußerte sich zweieinhalb Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November, und eine Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien wäre für ihn ein außenpolitischer Erfolg. Hinzu kommt: Für das Königreich ist eine sichtbare Zusammenarbeit mit Israel innenpolitisch heikel und ein Geschenk für die iranische Propaganda. Dass Trump sie öffentlich macht, dürfte in Riad deshalb nicht nur auf Zustimmung stoßen.

Was das für Israel bedeutet

Für Israel bestätigt Trumps Aussage, dass die gemeinsame Bedrohung durch den Iran und seine Verbündeten neue Partnerschaften schafft, auch mit Staaten, die sich öffentlich noch nicht zu Israel bekennen. Israel hat mit Raketen und Drohnen aus dem Jemen jahrelange Erfahrung und hat selbst wiederholt Ziele der Huthi angegriffen. Gerade das macht es für Riad als stillen Partner wertvoll. Ob daraus eine offene Beziehung wird, hängt allerdings weniger von Washington ab als von der Frage, ob Saudi-Arabien bereit ist, den Preis eines öffentlichen Schrittes zu zahlen.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Weitere Artikel