„Zehnmal mehr als in Harvard“: Warum ein US-Milliardär 250 Millionen Dollar nach Jerusalem gibt
Eine Viertelmilliarde Dollar für eine Universität in Jerusalem: Der amerikanische Investor John Paulson hat die größte Spende in der Geschichte der Hebräischen Universität angekündigt. Das Geld soll in Ingenieurwissenschaften, Medizin und die Erforschung von Trauma und posttraumatischen Belastungen fließen. Paulson selbst begründet seine Entscheidung mit einem ungewöhnlichen Vergleich: Ein Dollar bewirke an der Hebräischen Universität seiner Ansicht nach zehnmal so viel wie in Harvard.
John Paulson kennt beide Universitäten gut. Im Jahr 2015 spendete der Investor, der mit Wetten gegen den amerikanischen Immobilienmarkt vor der Finanzkrise ein Milliardenvermögen gemacht hatte, 400 Millionen Dollar an die Harvard University. Damals war es die größte Einzelspende in der Geschichte der Universität, ihre School of Engineering and Applied Sciences trägt seither seinen Namen. Elf Jahre später richtet Paulson den Blick nach Jerusalem. Bei der Gala des Kuratoriums der Hebräischen Universität am Samstagabend gab er eine Spende von 250 Millionen Dollar bekannt. Für die Universität ist das ein Rekord in ihrer gut hundertjährigen Geschichte. Unter den Einzelspenden an israelische Hochschulen ist es nach Angaben von eJewishPhilanthropy die drittgrößte, nach einem Vermächtnis von 400 Millionen Dollar an die Ben-Gurion-Universität und einer anonymen Spende von 260 Millionen Dollar an die Bar-Ilan-Universität.
„Zehnmal mehr als in Harvard“
Warum Jerusalem? Im Interview mit der Wirtschaftszeitung „Calcalist“ sagte Paulson, ein an der Hebräischen Universität investierter Dollar habe nach seiner Einschätzung etwa zehnmal so viel Wirkung wie ein Dollar in Harvard. Das ist keine berechnete Kennzahl, sondern Paulsons persönliche Bewertung. Seine Begründung: Forschung und Lehre seien in Israel deutlich günstiger, die wissenschaftliche Qualität zugleich sehr hoch. Ganz neu ist der Gedanke nicht. Schon im Januar hatte Paulson erklärt, die Kosten pro Student lägen in Jerusalem bei etwa zehn Prozent dessen, was vergleichbare amerikanische Spitzenuniversitäten aufwenden.
Für einen Investor ist das eine vertraute Denkweise. Paulson schaut nicht nur auf die Größe einer Spende, sondern darauf, was mit dem eingesetzten Geld erreicht werden kann. Die Universität verweist selbst auf ihre Bilanz: zehn Nobelpreise, zwei Turing-Preise, eine Fields-Medaille und mehr als 10.750 angemeldete Patente.
Eine neue Fakultät für Ingenieurwissenschaften
Ein großer Teil des Geldes soll in den Aufbau einer neuen Fakultät für Ingenieurwissenschaften fließen. Die Hebräische Universität ist international vor allem für Medizin, Naturwissenschaften, Mathematik und Geisteswissenschaften bekannt. In Informatik und Elektrotechnik gibt es bereits starke Forschungsbereiche. Die neue Fakultät soll Ingenieurwissenschaften, Informatik, Medizin und Lebenswissenschaften enger verbinden. Das entspricht einer weltweiten Entwicklung: Viele Fortschritte in der Medizin hängen inzwischen unmittelbar mit Technik zusammen, von künstlicher Intelligenz über die medizinische Bildgebung bis zu neuen Diagnoseverfahren. Universitätspräsident Tamir Sheafer kündigte an, mit dem Geld Spitzenforscher zu gewinnen, Studenten zu fördern und Labore auszustatten.
Medizin und Traumaforschung
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Medizin und Biomedizin. Die Spende soll Forschung und die medizinische Ausbildung stärken, unter anderem mit neuen, auf künstlicher Intelligenz gestützten Lehrmodellen. Besondere Aufmerksamkeit erhält die Forschung zu Trauma und posttraumatischen Belastungen. Israel hat in diesem Bereich aufgrund seiner Geschichte große Erfahrung, und der Bedarf an psychologischer und medizinischer Hilfe ist seit dem 7. Oktober 2023 stark gestiegen. Hinzu kommt eine neue Denkfabrik, die das Wissen der Universität mit konkreten gesellschaftlichen Aufgaben in Israel und im Ausland verbinden soll.
Nicht Paulsons erste Spende nach Jerusalem
Paulson unterstützt die Hebräische Universität schon länger. Mit insgesamt 46 Millionen Dollar finanzierte seine Familienstiftung zuvor Gebäude für Informatik und Elektrotechnik auf dem Edmond-J.-Safra-Campus in Givat Ram. Mit der neuen Spende steigt sein Engagement auf fast 300 Millionen Dollar.
Als Anerkennung soll der historische Campus auf dem Skopusberg künftig „Alina and John Paulson Campus“ heißen. Der Ort hat für die Universität besondere Bedeutung. Dort wurde 1918 der Grundstein gelegt, sieben Jahre später wurde die Universität eröffnet, mehr als zwei Jahrzehnte vor der Gründung des Staates Israel. Zu ihren frühen Förderern gehörten Albert Einstein, Chaim Weizmann und Sigmund Freud.
Ein bewusstes Signal für Israel
Paulson macht keinen Hehl daraus, dass seine Entscheidung nicht nur akademische Gründe hat. Er habe seine Spenden zunehmend auf jüdische Anliegen und Israel ausgerichtet, angesichts der Sicherheitslage, der Stimmung gegen Israel und des wachsenden Antisemitismus. „Diese Spende soll auch Unterstützung und internationale Solidarität mit Israel zeigen“, sagte er. „Wenn es je eine Zeit gab, das Land und seine Institutionen zu unterstützen, dann jetzt.“ Die Spende ist damit wissenschaftliche Förderung und politisches Signal zugleich. Im diesjährigen Shanghai-Ranking belegt die Hebräische Universität Platz 89 und gehört damit zu den 100 besten Universitäten der Welt.
Eine Investition mit langer Wirkung
Eine Viertelmilliarde Dollar klingt zunächst abstrakt. An einer Universität bedeutet eine solche Summe jedoch neue Gebäude, Labore, Professuren, Stipendien und Forschungsprojekte, die über Jahrzehnte wirken können. Vor elf Jahren gab Paulson Harvard 400 Millionen Dollar, nun investiert er 250 Millionen in Jerusalem. Und ausgerechnet der Mann, dessen Name eine Fakultät in Harvard trägt, ist überzeugt, dass hier jeder Dollar deutlich mehr bewirken kann.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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