Achtzehn Weingüter und ein internationaler Preis: Das Jesreel-Tal wird zur Weinregion

Weinberge in Israel. Rund um den Berg Meron

Foto: Weingebiet Meron. erostunova @ 123rf.com

Das Jesreel-Tal ist vor allem für Landwirtschaft, weite Felder und seine biblische Geschichte bekannt. Doch inzwischen wächst zwischen den Hügeln und Dörfern auch eine eigene Weinkultur. Das gemeinsame Tourismusprojekt „Emek Yayin“ verbindet mittlerweile 18 Weingüter. Jetzt wurde die Initiative international ausgezeichnet.

Wer durch das Jesreel-Tal fährt, denkt zunächst wahrscheinlich nicht an eine klassische Weinregion. Weite Felder, kleine Ortschaften und die Berge des Gilboa und um Nazareth bestimmen das Landschaftsbild. Dabei gehört Wein seit Jahrtausenden zur Geschichte der Region. Schon die Bibel erzählt vom Weinberg Nabot
s in Jesreel, den König Ahab begehrte (1. Könige 21). Als touristisches Reiseziel standen die Weinberge des Tals aber lange im Schatten bekannterer israelischer Anbaugebiete. Das beginnt sich zu ändern.

Das Projekt „Emek Yayin“, auf Deutsch „Weintal“, wurde am 9. Oktober bei den Iter Vitis Awards im kroatischen Ilok ausgezeichnet. Es gewann in der Kategorie „Best Resilient Practice in Wine Tourism“, also für besonders widerstandsfähigen Weintourismus. Gewürdigt wurde, dass die Region ihr Angebot trotz der Corona-Pandemie und trotz des Krieges weiter ausgebaut und die Zusammenarbeit der örtlichen Betriebe gestärkt hat. „Trotz der Herausforderungen der vergangenen Jahre hat sich die Region weiterentwickelt und ihren Weintourismus ausgebaut“, sagte Michael Izhakov, Generaldirektor des israelischen Tourismusministeriums. Für eine Initiative, die erst vor sechs Jahren begann, ist das bemerkenswert.

Aus zwölf Weingütern wurden 18

Als die Tourismusabteilung des Regionalrats Jesreel-Tal das Projekt 2020 gemeinsam mit örtlichen Winzern aufbaute, schlossen sich zunächst zwölf Weingüter zusammen. Die Idee war einfach: Statt dass jedes kleine Weingut allein um Besucher wirbt, sollte die ganze Region gemeinsam als Reiseziel auftreten. Heute gehören 18 Weingüter zur Initiative.

Dabei versteht sich „Emek Yayin“ nicht als bloßes Verzeichnis von Orten, an denen man Wein verkosten kann. Die Verantwortlichen wollen Wein mit Landwirtschaft, regionalem Essen, Landschaft, Geschichte und ländlichem Tourismus verbinden. Eine digitale Plattform, der „Jezreel Valley Taste Pass“, verknüpft mit QR-Codes und interaktiven Karten Weingüter, Bauernhöfe, Restaurants, Cafés, Gästezimmer und historische Stätten. So werden auch kleinere Betriebe neben den bekannten sichtbar.

Das passt zum Jesreel-Tal. Viele Weingüter sind eng mit landwirtschaftlichen Betrieben verbunden. Besucher stehen nicht in einem anonymen Industriegebiet vor einem Verkostungsraum, sondern häufig mitten zwischen Feldern, Weinbergen und Dörfern. So entsteht langsam eine Form von Tourismus, die in europäischen Weinregionen längst selbstverständlich ist: Man fährt nicht nur wegen einer Flasche Wein in die Gegend, sondern wegen der ganzen Region.

Neue Weinberge und eine Schule für Wein

Seit dem Start der Initiative hat sich einiges verändert. Nach Angaben des Regionalrats wurden Tausende Dunam neuer Weinberge angelegt, ein Dunam entspricht 1.000 Quadratmetern. Weitere Weingüter kamen hinzu, Veranstaltungen und Weinfeste wurden aufgebaut, und in Zippori in Untergaliläa entstand eine eigene Weinschule. Dort sollen nicht nur Weinliebhaber mehr über Rebsorten und Verkostung lernen. Ziel ist auch, eine neue Generation kleiner Produzenten auszubilden. Aus dem ersten Kurs sind bereits Teilnehmer hervorgegangen, die eigene kleine Weinprojekte aufgebaut haben.

Wein wird damit auch zu einem Instrument ländlicher Entwicklung. Ein kleiner Betrieb braucht keine riesigen Produktionsmengen, um Besucher anzuziehen. Ein Weinberg, ein Verkostungsraum und eine gute Geschichte können genügen, um zusätzliche Einnahmen zu schaffen und zugleich andere Betriebe in der Region zu stärken. Denn wer zum Wein kommt, braucht vielleicht auch ein Gästezimmer, ein Restaurant oder ein Café.

Internationale Anerkennung aus Kroatien

Die Preise wurden zum elften Mal vergeben, im historischen Herrenhaus Principovac während des Donau-Weinfestivals in Ilok. Vertreter aus 16 Ländern nahmen an der Veranstaltung teil. Das Netzwerk Iter Vitis ist seit 2009 als Kulturroute des Europarates anerkannt. Im Mittelpunkt steht nicht Wein als alkoholisches Getränk, sondern die Kultur, die sich über Jahrhunderte rund um die Weinberge entwickelt hat: Landwirtschaft, Landschaft, Architektur, Geschichte und regionale Identität. Genau deshalb passt das Jesreel-Tal in das Konzept.

Wichtig ist dabei eine Unterscheidung: „Emek Yayin“ ist keine offiziell geschützte Weinregion oder Herkunftsbezeichnung, sondern eine touristische Marke des Regionalrats. Die gemeinsame Identität entsteht also nicht durch eine staatliche Klassifizierung, sondern durch Zusammenarbeit.

Mehr als nur Cabernet Sauvignon

Auch beim Wein selbst versucht die Region zunehmend, einen eigenen Charakter zu entwickeln. Das Jesreel-Tal liegt vergleichsweise niedrig und ist wärmer als viele Weinlagen auf dem Golan oder in Obergaliläa. Deshalb setzen Produzenten verstärkt auf Rebsorten, die mit viel Sonne und mediterranem Klima gut zurechtkommen, etwa Carignan, Syrah oder die in Israel gezüchtete Sorte Argaman.

Das ist auch für die Zukunft interessant. Weinbau hängt stark vom Klima ab. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge zwingen Produzenten weltweit, darüber nachzudenken, welche Rebsorten an einem Standort langfristig funktionieren. Eine Region, die ohnehin unter heißen mediterranen Bedingungen arbeitet, kann dabei wertvolle Erfahrungen sammeln.

Vom Agrartal zum Reiseziel

Für das Jesreel-Tal ist die Auszeichnung deshalb mehr als eine Urkunde für die Vitrine. Der Regionalrat versucht seit Jahren, Besucher länger in der Gegend zu halten. Viele Reisende kennen Megiddo, Nazareth oder die Landschaft rund um den Gilboa, fahren danach aber weiter. Wein könnte diese Aufenthalte verlängern. Ein Besuch im Weinberg am Nachmittag, eine Übernachtung in der Region und am nächsten Morgen ein Ausflug zu einem historischen Ort machen aus einer Durchfahrt eine kleine Reise.

Das Jesreel-Tal wird dadurch nicht zur israelischen Toskana. Das muss es auch nicht. Seine Stärke liegt gerade darin, dass der Wein hier aus Feldern, Dörfern und einer langen Geschichte gewachsen ist und nicht für Touristen inszeniert wird.

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