Weniger Wasser gegen faule Trauben? Neue Erkenntnisse aus Israels Rebanlagen
Weintrauben Jerusalem. tupungato von 123rf.com
Mehr Wasser bedeutet nicht automatisch bessere Früchte. Israelische Forscher haben drei Jahre lang untersucht, wie sich unterschiedliche Bewässerung auf Tafeltrauben auswirkt. Das überraschende Ergebnis: Werden die Reben über längere Zeit kontrolliert knapper bewässert, platzen die Beeren seltener auf und erkranken tendenziell seltener an Sauerfäule. Für Landwirte in trockenen Regionen könnte das interessant werden.
Eine pralle, feste Traube sieht für den Kunden zunächst perfekt aus. Für den Landwirt kann genau diese Festigkeit aber zum Problem werden. Steigt der Druck in einer Beere zu stark, kann die Haut aufplatzen. Hefen und Essigsäurebakterien dringen ein, Essigfliegen werden angelockt, und innerhalb kurzer Zeit beginnt die sogenannte Sauerfäule. Im schlimmsten Fall bleibt es nicht bei einer einzelnen Beere, ganze Trauben werden unverkäuflich. Forscher des Volcani-Instituts, der staatlichen Agrarforschungseinrichtung Israels, wollten deshalb wissen, welche Rolle ausgerechnet die Bewässerung dabei spielt.
Drei Jahre im Versuchsfeld
Von 2023 bis 2025 untersuchte das Forschungsteam Tafeltrauben der roten, kernlosen Sorte Scarlotta Seedless, die vom US-Züchter Sun World stammt und weltweit angebaut wird. Die Reben wurden nach vier unterschiedlichen Bewässerungsstrategien versorgt. Dabei variierten die Wissenschaftler sowohl die Wassermenge als auch den Zeitpunkt, an dem weniger bewässert wurde. Gemessen wurden unter anderem der Wasserhaushalt der Pflanzen, das Gewicht und die Festigkeit der Beeren sowie das Auftreten von Rissen und Sauerfäule.
Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang. Reben, die über einen längeren Zeitraum weniger Wasser erhielten, bildeten kleinere und weniger feste Beeren. Gleichzeitig trat bei ihnen tendenziell weniger Sauerfäule auf. Wie stark dieser Effekt ausfiel, hing allerdings von der jeweiligen Saison ab.
Warum besonders feste Trauben problematisch sein können
Das klingt zunächst widersprüchlich, denn im Supermarkt gelten große und feste Trauben als Qualitätsmerkmal. Doch eine prall gespannte Beere hat wenig Spielraum. Ihre Haut reißt leichter. Tatsächlich fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen höherer Festigkeit der Beeren und einem größeren Risiko für Sauerfäule.
Besonders aufschlussreich: Entscheidend war nicht der Wasserzustand der Rebe an einem bestimmten Tag, sondern die Wasserversorgung über die gesamte Saison. Die Entwicklung einer Traube wird offenbar über Wochen und Monate durch die Bewässerung geprägt. Wurde die Wassermenge nur vor oder nur nach Beginn der Reife verringert, ging das Aufplatzen weniger zuverlässig zurück als bei einem länger anhaltenden, kontrollierten Wassermangel. Erst kurz vor der Ernte gegenzusteuern, reicht also offenbar nicht.
Nicht einfach den Hahn zudrehen
Für Landwirte heißt das allerdings nicht, dass sie ihren Reben künftig einfach weniger Wasser geben sollten. Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass weitere Untersuchungen nötig sind. Weniger Wasser bedeutete in den Versuchen auch kleinere Beeren, und das ist wirtschaftlich relevant. Größe, Festigkeit und Aussehen entscheiden darüber, ob Tafeltrauben die Anforderungen des Handels erfüllen.
Gesucht wird deshalb nicht die trockenste Bewässerung, sondern die richtige Balance: Wie viel Wasser braucht die Pflanze, damit Ertrag und Qualität stimmen, ohne das Risiko für aufgeplatzte und faule Früchte unnötig zu erhöhen? Gerade in trockenen Anbaugebieten dürfte diese Frage an Bedeutung gewinnen.
Israel forscht seit Jahrzehnten an Tafeltrauben
Bei Tafeltrauben spielt die israelische Agrarforschung international eine wichtige Rolle. Das Züchtungsprogramm des Volcani-Instituts zählt nach eigenen Angaben zu den größten öffentlichen Programmen dieser Art weltweit. Israelische Sorten werden auf fünf Kontinenten angebaut, unter anderem für den europäischen und amerikanischen Markt. Rund ein Drittel der israelischen Anbaufläche für Tafeltrauben ist nach Angaben des Instituts mit Sorten aus diesem Programm bepflanzt.
Neben neuen Sorten beschäftigt sich die Forschung zunehmend mit der Frage, wie Landwirtschaft mit weniger Wasser auskommen kann, ohne Qualität und Ertrag zu opfern. Eine fertige Gebrauchsanweisung liefert die neue Studie noch nicht. Sie zeigt aber einen bisher wenig beachteten Zusammenhang: Die Bewässerung bestimmt nicht nur, wie groß eine Traube wird, sondern auch, ob sie später aufplatzt und verfault. Etwas weniger Wasser zur richtigen Zeit könnte also helfen, einen Teil der Ernte zu retten.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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