Nach dem Wetterumschwung: Fast alle Entsalzungsanlagen Israels stehen still
Der ungewöhnliche Wetterumschwung der vergangenen Tage hat unerwartete Folgen für Israels Wasserversorgung: Die meisten privat betriebenen Meerwasser-Entsalzungsanlagen des Landes wurden vorübergehend abgeschaltet, weil starke Trübung des Meerwassers die Filteranlagen beeinträchtigt. Das teilte die Wasserbehörde am Montag mit. Die Abschaltungen begannen bereits am Samstag, öffentlich gemacht wurden sie jedoch erst zwei Tage später.
Als Folge wurde die Frischwasserversorgung für die Landwirtschaft im Süden Israels eingeschränkt, im Regionalverband Ramat Negev wurde die landwirtschaftliche Wasserzufuhr vollständig gestoppt. In Betrieb blieben lediglich die Anlagen in Hadera und Eilat sowie 20 kleinere Anlagen der staatlichen Wassergesellschaft Mekorot. Die Wasserbehörde betonte, das nationale Versorgungssystem bleibe unter Kontrolle, Mekorot habe die Produktion aus allen verfügbaren Quellen hochgefahren.
Nur eine von sechs Großanlagen läuft noch
Starke Trübung verhindert den Betrieb von Entsalzungsanlagen, weil Schwebstoffe die Membranen verstopfen und den Filterprozess stören können. Am Montagnachmittag war Hadera die einzige der sechs großen israelischen Entsalzungsanlagen, die noch in Betrieb war. Die Anlagen in Ashkelon und Ashdod wurden bereits am Samstag abgeschaltet, Sorek und Palmachim folgten am Sonntagnachmittag beziehungsweise in der Nacht darauf.
„Es besteht Hoffnung, dass Sorek B bald wieder anläuft, die dortigen Proben sehen gut aus“, sagte der Generaldirektor der Wasserbehörde, Jecheskel Lifschitz. Die Anlage in Hadera produziert jährlich rund 120 bis 130 Millionen Kubikmeter Wasser. Die derzeit abgeschalteten Anlagen kommen zusammen auf eine jährliche Produktionskapazität von rund 750 Millionen Kubikmetern, ohne Sorek B bei voller Leistung eingerechnet. Damit läuft aktuell nur zwischen 15 und 17 Prozent der üblichen jährlichen Entsalzungskapazität.
Die Anlagen sollen wieder anlaufen, sobald die Wassertrübung auf ein akzeptables Niveau sinkt. Da sich Wasserentnahmetiefe und -lage von Anlage zu Anlage unterscheiden, könnten selbst geografisch nahe beieinanderliegende Werke zu unterschiedlichen Zeitpunkten wieder ans Netz gehen. „Nach aktuellen Einschätzungen werden einige Anlagen bald wieder in Betrieb gehen. Fachteams überwachen die Wasserqualität engmaschig und sind auf jedes Szenario vorbereitet, mit dem Ziel, alle Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen, sobald sich das Meerwasser klärt“, erklärte die Wasserbehörde.
Süden besonders betroffen
Am stärksten spürbar ist die Lage im Süden Israels, wo das Wassernetz über begrenztere Kapazitäten verfügt, Versorgung aus anderen Landesteilen heranzuführen. Die Behörden priorisieren derzeit den häuslichen Trinkwasserbedarf gegenüber Landwirtschaft und Grünflächenbewässerung, parallel wird die Förderung aus dem See Genezareth und aus Grundwasserbrunnen erhöht. Der Norden ist deutlich weniger betroffen, da er stärker auf den See Genezareth und Grundwasser setzt. Landwirte, die aufbereitetes Abwasser nutzen, sind von den Einschränkungen weitgehend nicht betroffen, sie treffen vor allem südliche Betriebe, die auf Frischwasser einschließlich entsalztem Wasser angewiesen sind.
Der Regionalverband Eshkol schickte Landwirten eine Warnung mit der dringenden Aufforderung, den Frischwasserverbrauch für Bewässerung und Grünflächen sofort zu reduzieren: „Infolge der durch den Regen verursachten Störungen an den nationalen Entsalzungsanlagen kommt es zu Beeinträchtigungen der landesweiten Wasserversorgung. Landwirte und für Grünflächen Verantwortliche werden gebeten, jede Nutzung von Frischwasser für Landwirtschaft und Gartenbau umgehend zu reduzieren. Aufbereitetes Abwasser darf weiterhin genutzt werden.“ Der Verband warnte, eine fortgesetzte landwirtschaftliche Nutzung von Frischwasser könne die Versorgung der Haushalte mit Trinkwasser gefährden.
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