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03 Aug 2026

Absetzung im Livestream: Verteidigungsminister Katz gegen die Armeeführung

Der Auftritt hatte Seltenheitswert. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Sonntagabend in einem Live-Interview beim rechten Sender Channel 14 den Kommandeur des Zentralkommandos, Generalmajor Avi Bluth, für abgelöst und benannte im selben Atemzug dessen Nachfolger. Wenige Stunden später widersprach die Armee öffentlich: Bluth bleibe im Amt. Generalstabschef Eyal Zamir habe nicht die Absicht, Kommandeure in Schlüsselpositionen in dieser sensiblen Phase auszutauschen; die Ankündigung sei „nicht abgestimmt“ gewesen. Die IDF stellte zudem klar, was rechtlich gilt: Der Verteidigungsminister besitzt nicht die Befugnis, einen Generalmajor eigenmächtig zu entlassen. Diese Zuständigkeit liegt beim Generalstabschef.

Der Auslöser: ein Siedler im Hungerstreik

Hinter dem Konflikt steht ein Einzelfall, der es in sich hat. Tal Yinon Dardik lebt auf einem Farmaußenposten in Zone B in Samaria, also in einem Gebiet unter palästinensischer Zivilverwaltung. Er wird verdächtigt, im März in Chirbet Humsa gemeinsam mit anderen extremistischen Siedlern einen Palästinenser entkleidet, dessen Genitalien mit Kabelbindern gefesselt und ihn durch das Dorf geführt zu haben. Dardik bestreitet die Beteiligung. Nach Verstoß gegen ein Verfügung, die ihn von seinem Außenposten fernhalten sollte, kam er in Haft, wo er seit Wochen im Hungerstreik ist. Katz besuchte ihn Ende Juli persönlich in der Zelle, ein höchst ungewöhnlicher Vorgang.

Vor einer Woche wurde die Verfügung aus formalen Gründen aufgehoben. Katz wies Bluth an, sie nicht zu erneuern. Der General und die Militärstaatsanwaltschaft legten stattdessen Beschwerde gegen Dardiks Freilassung ein. „Sie haben gegen meine Position gehandelt. Es war der falsche Schritt“, sagte Katz. Der Kommandeur müsse seine Politik berücksichtigen, „und darauf werde ich bestehen“.

Zur Begründung seiner Personalentscheidung wurde der Minister grundsätzlich: Er wolle im Zentralkommando „eine IDF, die den entscheidenden Sieg anstrebt, ihre Feinde schlägt und die Siedler schützt“. Und er fügte den Satz an, der für den größten Widerhall sorgte: „Meine Kontrolle über den Sicherheitsapparat ist absolut.“

Ein Kommandeur zwischen allen Stühlen

Zur Einordnung: Bluth führt das Zentralkommando, zuständig für Judäa und Samaria, seit Juli 2024. Üblich sind zwei bis drei Jahre in dieser Funktion. Aufschlussreich ist, dass er von beiden Seiten Kritik erntet. Die extreme Rechte wirft ihm vor, er sei nachsichtig gegenüber palästinensischem Terror und gehe unfair gegen Siedler vor; er hatte wiederholt vor Randale und „jüdischem Terror“ gewarnt. Linke Gruppen halten ihm umgekehrt vor, zu lasch auf die wachsende Siedlergewalt zu reagieren. Erst Mitte Juli sagte Bluth bei einer Konferenz des Farmverbands, die Siedlungsfarmen stärkten die Sicherheit erheblich und fügten sich in das Sicherheitskonzept ein, sofern dies auch im operativen und ethischen Verhalten sowie im Rahmen des Gesetzes geschehe.

Nach Berichten aus der Armee erfuhren weder Bluth noch sein designierter Nachfolger, Personaldirektor Generalmajor Dado Bar Kalifa, vor der Sendung von der Entscheidung.

Der Zeitpunkt: zwei Wochen vor den Likud-Vorwahlen

Katz‘ Büro stellte den Vorgang anders dar. Zamir habe Bar Kalifa Ende April für den Posten empfohlen und um ein Gespräch gebeten; Katz habe ihn im Juni interviewt und für den geeignetsten Kandidaten befunden. Die Politik des Ministers sei es, Kommandeure mit nachgewiesener Angriffslust und Erfolgsbilanz zu befördern.

Die Opposition sah es anders, und zwar parteiübergreifend. Yashar-Chef Gadi Eisenkot, selbst früherer Generalstabschef, nannte den Auftritt einen „beispiellosen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen politischer und militärischer Ebene, einen unangemessenen und rechtswidrigen Akt“. Der Staat Israel sei niemandes Privateigentum, „und die IDF ist kein Werkzeug, das Politiker, die den Weg verloren haben, in Vorwahlen benutzen“. Naftali Bennett warf der Regierung vor, nach der Zerlegung der Armee von außen durch die Massen-Wehrdienstverweigerung nun die Zerlegung von innen zu betreiben. Yoaz Hendel nannte den Vorgang eine Kompetenzüberschreitung: Die Befugnis zur Ernennung von Generalmajoren liege allein beim Generalstabschef, „die IDF ist keine PR-Bühne für einen Vorwahlkampf“.

Der Hinweis auf die Vorwahlen ist kein Zufall. Am 17. August wählen über 100.000 Likud-Mitglieder ihre Kandidatenliste, Katz bewirbt sich um einen prominenten Platz. Bei der Abgeordneten Limor Son Har-Melech von Otzma Yehudit kam die Botschaft an: Bluth habe versagt, statt den Terror zu bekämpfen, habe er die Jugend der Hügel und die Pioniere zu Feinden erklärt. Gemeint sind jene jungen Siedler, die abseits genehmigter Ortschaften auf den Hügeln Außenposten errichten.

Für Katz ist es nicht die erste Machtprobe dieser Art. Vor einem Jahr lieferte er sich mit Zamir einen offenen Streit über hochrangige Ernennungen und die Frage, wer darüber entscheidet. Damals wurde er beigelegt. Diesmal steht die Antwort noch aus.

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