Blog

25 Jul 2026

Die Nacht, in der nichts geschah: Wie Trump den Angriff stoppte und Israel fünf Stunden im Ungewissen saß

Es war der erste stille Abend seit zwei Wochen, und er war kein Zufall. Präsident Donald Trump wies das US-Militär am Freitag an, keine neuen Angriffe im Iran zu fliegen. Das berichtet N12 unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute amerikanische Quellen. In den 13 Tagen zuvor hatte Trump jeden Nachmittag die vorgelegten Angriffspläne gebilligt, ausgeführt wurden sie wenige Stunden später. Am Freitag lagen ähnliche Pläne auf dem Tisch. Er billigte sie nicht und ordnete an, gar nicht anzugreifen.

Ob es sich um eine einmalige Entscheidung handelt oder um eine längere Pause, ist offen. Das Militär arbeitet nach Angaben der Quellen weiter an Plänen für eine mögliche Rückkehr zu einer groß angelegten Operation, doch einen Befehl dazu gab es nicht. Sollte Trump die Angriffe wieder aufnehmen wollen, könnte das Militär binnen kurzer Frist handeln. Das Weiße Haus äußerte sich nicht.

Fünf Stunden Kabinett, und niemand wusste, was kommt

Für Israel waren es angespannte Stunden. In Jerusalem ging man davon aus, jener „massive Angriff“, den Trump öffentlich erwogen hatte, werde in der Nacht zum Samstag erfolgen. Das engere Sicherheitskabinett tagte fünf Stunden und wurde entsprechend unterrichtet, ohne dass das Lagebild klar gewesen wäre. Über den Kanal zwischen Jerusalem und Washington herrschte spürbare Unsicherheit.

„Wir wussten nicht genau, was Trump plant und ob das die große Sache ist oder ein weiterer Angriff wie in jeder Nacht der vergangenen zwei Wochen“, zitiert der Bericht einen ranghohen israelischen Vertreter. „Aber die Vorbereitung galt einem breiten Angriff, der auch Israel hätte betreffen können.“ Im Lauf des Freitags verdichtete sich in Jerusalem die Erkenntnis, dass Trump nicht angreifen und den Iranern eine weitere Gelegenheit geben werde. Am späten Abend, als feststand, dass die Nacht ruhig bleiben würde, ging die Anweisung an alle Beteiligten, die Bereitschaft herunterzufahren.

Trump zwischen Vernichtungsdrohung und Verhandlungsangebot

Der Präsident selbst ließ beide Türen offen. Kurz nach seiner Anweisung sagte er bei einem Termin im Weißen Haus, er habe nach wie vor die Möglichkeit, die Angriffe fortzusetzen und bis zur Zerstörung von allem, was der Iran besitze, zu eskalieren. Im selben Atemzug erklärte er, die „klügere Strategie“ sei ein Abkommen. „Wir sprechen gerade jetzt mit ihnen. Ich glaube, sie werden mit jedem Tag ernsthafter. Wir sind vollständig bereit zu handeln, aber wir reden mit ihnen.“ Am Abend, beim Dinner der Korrespondenten des Weißen Hauses, sagte er, er halte die Iraner zum jetzigen Zeitpunkt nicht für abschlussbereit, „aber ich bin bereit zuzuhören“.

Der Zeitpunkt der Anweisung erklärt vieles. Sie erging wenige Stunden, nachdem eine omanische Delegation in Teheran eingetroffen war, um über eine neue Regelung für die Öffnung der Straße von Hormus zu verhandeln. Zwei mit den Gesprächen vertraute regionale Quellen berichten von Fortschritten; eine Einigung zwischen Oman und dem Iran könnte noch am Wochenende zustande kommen. Danach müsste Trump entscheiden, ob ihm das Ergebnis genügt. Irans Außenminister Abbas Araghchi telefonierte am Freitag mit seinem omanischen Kollegen Badr Albusaidi, der anschließend erklärte, lebenswichtige Wasserwege müssten offen und für die Schifffahrt zugänglich bleiben.

„Aufschub des Endes“

Die Alarmbereitschaft in Israel bleibt hoch, trotz der ausgebliebenen Angriffe. Ein ranghoher israelischer Vertreter fasste die Stimmung so zusammen: „Das nennt man Aufschub des Endes. Es ist wie eine Beziehung, in der die eine Seite versteht, dass man Schluss machen muss, während die andere sie überredet, noch eine Chance zu geben, obwohl es längst vorbei ist. Die Chance auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran ist gleich null.“

Am Dienstag trifft Ministerpräsident Netanyahu in Washington auf Trump. Im Gepäck hat er Geheimdienstmaterial, das zeigen soll, wie der Iran erneut auf die Atomwaffe zusteuert und sein Tempo dabei erhöht.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Related Posts