Drei Zündschnüre: Was Israel doch noch in den Hormus-Krieg ziehen könnte
Israel schaut dem Krieg an der Straße von Hormus von der Seitenlinie zu, in höchster Alarmbereitschaft. Dass das so bleibt, ist keineswegs ausgemacht. Eine bemerkenswerte Analyse aus israelischer Feder, verfasst vom früheren Kommandeur der israelischen Luftverteidigung, Generalmajor a.D. Zvika Haimovich, benennt nüchtern die Szenarien, die das ändern würden. Sie verdient Beachtung, gerade weil sie ohne Alarmismus auskommt.
Der Krieg mit den ungeschriebenen Regeln
Ausgangspunkt ist ein Konstruktionsfehler des Rahmenabkommens, das nach dem Frühjahrskrieg 60 Tage Verhandlungszeit schaffen sollte. Das Papier regelt vor allem Praktisches: die Öffnung der Meerenge, freie Schifffahrt, eingefrorene Gelder, Ölexporte. Zu Irans Nuklearprogramm, seinen ballistischen Raketen und seinen Terror-Stellvertretern wie der Hisbollah schweigt es vollständig. Die Saat des jetzigen „Ersten Hormus-Krieges“ lag also im Abkommen selbst.
Seither halten sich beide Seiten an Grenzen, die nirgends niedergeschrieben sind: Die USA greifen vor allem Ziele mit direktem Bezug zur Meerenge an, mit gelegentlichen Warnschüssen gegen „weiche“ Infrastruktur wie Brücken und Bahnlinien. Der Iran beschießt amerikanische Basen von Jordanien bis Saudi-Arabien, spart aber israelisches Gebiet konsequent aus. Wie lange dieser Schlagabtausch in dieser Form weitergehen kann, weiß niemand.
Wo die Stolperdrähte liegen
Drei Szenarien könnten Israel in die Kämpfe ziehen. Erstens: Die USA verlassen den ungeschriebenen Rahmen und greifen ein Ausnahmeziel an, etwa eine große Nuklearanlage wie den „Pickaxe Mountain“, der in keiner bisherigen Kampfphase berührt wurde. Ein solcher Schlag könnte Teheran zwingen, seine Antwort auszuweiten, und ihm zugleich den Vorwand liefern, Israel einzubeziehen. Zweitens: eine Fehlkalkulation. Israel oder der Iran deuten die Handlungen der Gegenseite falsch und schlagen präventiv zu, um den Überraschungsvorteil nicht zu verlieren. Drittens, und das ist das bemerkenswerteste Szenario: Israel erkennt selbst eine operative Gelegenheit, die militärischen Erfolge des Frühjahrs zu vollenden, aus eigener Initiative, abgestimmt mit Washington, gerichtet auf Nuklear- und Raketenziele.
Warum Teheran Israel (noch) meidet
Dass der Iran Israel bislang verschont, ist keine Schwäche der Aufklärung. Die Standorte der US-Kräfte in Israel sind bekannt und vielfach berichtet, von den Tankflugzeugen auf Ben Gurion bis zum Ramon-Flughafen. Teheran meidet Israel, weil es die offensiven Konsequenzen kennt. Das deckt sich mit der Haltung in Jerusalem: Man sei „im Moment draußen, aber das kann sich ändern“.
Die Empfehlung des Generals an sein eigenes Land hat dabei fast schon sprichwörtlichen Charakter: Bereitschaft hochhalten, Abstimmung mit dem US-Zentralkommando pflegen, und die kriegerischen öffentlichen Erklärungen dämpfen. Der Iran kenne die Stärke der israelischen Luftwaffe auch ohne Ansagen. Taten sprechen lauter als Worte.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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