Trumps Abkehr von Israel — warum sie kein Zufall war
Der Iran-Deal hat das Verhältnis zwischen Trump und Netanyahu beschädigt. Ein Artikel auf eine israelische Doktrin, die Bedrohungen verwaltet, statt sie zu beenden.
Mit dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran verliert Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Rückhalt von US-Präsident Donald Trump. Israelische Vertreter beschreiben gegenüber Ynet einen Bruch, der sich über Wochen aufgebaut hat, und einen Regierungschef ohne Ersatzplan.
Vor Kriegsbeginn habe Trump mit einem schnellen Sieg gerechnet, vermittelt von Netanyahu und Mossad-Chef David Barnea. Der Iran kapitulierte nicht, sperrte zeitweise die Straße von Hormus und erschütterte die Weltwirtschaft. Trump entschied, den Verlust zu begrenzen. Den Wendepunkt setzte ein israelischer Angriff in Beirut: In Washington galt er als Affront, als Sabotage der Verhandlungen hinter dem Rücken des Partners. Trump unterstütze Israel, habe den Schlag aber als Undankbarkeit gewertet. Seither wolle er Netanyahu politisch schwächen; zugleich erklärte er, einen Sturz des Regimes in Teheran nie angestrebt zu haben, und bot Syrien an, sich der Hisbollah anzunehmen.
Warum es so weit kam, verfolgt ein Kommentar von Ezra Taylor in der Jerusalem Post bis zu einer Strategie zurück, die in Israel einen festen Namen hat: „den Rasen mähen“. Seit Jahren werde die Bedrohung aus Gaza und dem Libanon zurückgeschnitten und wachse wieder nach. Die Wiederholung sei kein Versagen, argumentiert Taylor, sondern das Programm. Eine Doktrin des Verwaltens, kein Ende.
Genau das habe Trump nicht mehr mitgetragen. Selbst Israels engster Verbündeter habe einen endlosen, wirtschaftlich ruinösen Krieg nicht ertragen. Das sei keine Schwäche, so Taylor, sondern der eine Partner, auf den sich Israel stützt, der eine Doktrin für untragbar erklärt, die der Rest der Welt für irr hält.
Israel habe stets nur die Hälfte des Problems bearbeitet. Tiefe Pläne, den Extremismus in der palästinensischen Gesellschaft auszutrocknen oder den Terror aus Judäa und Samaria politisch zu lösen, habe es nie gegeben. Pflaster auf Wunden, nie ein Mittel gegen die Infektion darunter. Das militärische Instrument sei jahrzehntelang gefüttert, das diplomatische ausgehungert worden, bis das Außenministerium zeitweise nicht einmal Geld für Stifte gehabt habe.
Auf den Iran übertragen heißt das: Ein Atomprogramm setze man mit ein paar Schlägen nicht außer Kraft, es wachse nach. Nötig sei echte Diplomatie, und das Werkzeug habe bereitgelegen. Das Regime in Teheran habe sich über Jahrzehnte überall Feinde gemacht, mit Terror, Drogenhandel und Stellvertretern. Aus eigenem Interesse hätten viele dieser Staaten ein Ende gewollt. Daraus, so Taylor, hätte sich eine Koalition bauen lassen. Doch dafür müsste Israel auf Länder zugehen, die es als dauerhafte Gegner behandelt, und sie um Mithilfe bitten. Genau das tue es nicht.
Netanyahu werde auf die Abraham-Abkommen verweisen. Doch unterschrieben hätten Staaten, die den Extremismus im Innern ohnehin unterdrücken, die Willigen. Gegen die Unwilligen hätten die Abkommen nichts ausgerichtet, und auf Gaza oder Judäa und Samaria seien sie nie gerichtet gewesen. Eben dort hätten dieselben Länder Garanten und Geldgeber einer neu geordneten palästinensischen Wirklichkeit sein können, Zugeständnisse gegen überprüfbaren Wandel. Der Einwand laute stets, Israel könne ohne Sicherheitsgarantie nichts abgeben. Das stimme, nur habe nie jemand die Struktur gebaut, die eine solche Garantie erzeugen würde.
Taylor nimmt Israel nicht allein in die Pflicht. Die Prämien der Autonomiebehörde für Attentäter, die Hetze, das katarische Geld, die Waffen, die immer wieder Gaza und Judäa und Samaria erreichten, all das hielten viele Akteure am Laufen. Nichts davon aber, weder Israels Anteil noch der der anderen, sei je Ziel einer echten Strategie mit echten Partnern gewesen.
Die Doktrin habe Netanyahu nicht erfunden, sie ist älter. Aber er sei ihr dienstältester Verwalter und habe nach dem schlimmsten Tag der Landesgeschichte das größte politische Kapital erhalten, um den Kreislauf zu durchbrechen. Stattdessen habe er den größeren Rasen gewählt. Er habe die Falle nicht gebaut, aber jeden Ausweg ausgehungert, bis nur die Gewalt blieb. „Es gibt keinen Partner“, habe er jahrelang gesagt. Diesen Partner aber finde man nicht, indem man auf ihn warte; man schaffe die Bedingungen, die ihn hervorbringen. Die Abwesenheit, die Netanyahu beschrieb, habe er selbst aufrechterhalten.
Damit schließt sich der Kreis zum Bruch mit Trump. Wer „den Job zu Ende bringen“ ruft, müsse sich fragen, womit das je geschehen sollte. Israel müsse sich verteidigen, daran lässt Taylor keinen Zweifel. Doch sich dauerhaft zu verteidigen, sei nie allein eine militärische Aufgabe gewesen, und für den nichtmilitärischen Teil zeige der Regierungschef bis heute wenig Interesse. Trump hat daraus seine Konsequenz gezogen. Netanyahu, ohne Hausmacht in den USA, kann das Seil nicht kappen und muss sich bald entscheiden: Konfrontation oder Rückgewinnung.
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