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16 Jun 2026
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Die kleinen Freiwilligen in meinem Garten – oder die Ironie Gottes verstehen

Titelbild Beitrag Alexandra Funk Traum von der Selbstversorgung in Israel geplatzt?

von Alex

Ein Traum vom Wachsen

Manchmal offenbart sich Gottes Handschrift nicht in den großen Wundern des Lebens, sondern in den kleinen Dingen, die wir beinahe übersehen würden. Diese Geschichte handelt von einer Sehnsucht, von Verlust und davon, wie Gott auf eine Weise antwortete, mit der ich niemals gerechnet hätte.

 

Vor der Corona-Zeit lebten wir in einem großen Haus. Wir konnten uns sogar zwei Gästezimmer leisten, was für uns eine wichtige finanzielle Unterstützung war. Hinter dem Haus hatte ich einen kleinen Garten, in dem ich allerlei anpflanzen konnte. Außerdem gab es einen Bereich, in dem ich Hühner, Wachteln und Finken hielt.

 

Es war eine schöne Zeit, eine Zeit voller Wachstum und Hoffnung. Wir blickten voller Zuversicht in die Zukunft, die vielversprechend vor uns lag. In mir entstand ein Traum: mehr Land, mehr Tiere, mehr Zeit im Freien und vor allem die Möglichkeit, die Nahrung, die wir essen, selbst anzubauen.

 

Dann kam die Pandemie. Mit Corona kam auch unser unfreiwilliger Umzug, ein Schritt, der mit viel Herzschmerz, aber auch mit großer Freude verbunden war.

 

Wir fanden ein Haus, das zwar kleiner war, dafür aber deutlich mehr Platz im Freien bot, damit unsere Träume wachsen konnten. Wir hatten einen Garten, in dem wir alles anpflanzen konnten, was wir wollten. Es gab sogar einen eigenen Feigenbaum. Dazu kamen Schafe, Ziegen, Hühner, Truthähne und Wachteln. Unseren Träumen schienen keine Grenzen gesetzt.

 

Zumindest dachten wir das.

 

Abschied von einem Lebenstraum

 

Nach einigen Jahren mussten wir unsere Tiere und den Anbau aufgeben. Weitere zwei Jahre später fanden wir uns erneut auf der Suche nach einem neuen Zuhause wieder. Es war keine leichte Zeit. Doch im Vertrauen darauf, dass Gott etwas Gutes für uns vorbereitet hatte, wussten wir, dass wir handeln mussten.

 

Die Suche gestaltete sich schwierig. Nach dem 7. Oktober waren viele Menschen innerhalb des Landes umgezogen, auf der Suche nach mehr Sicherheit und Schutz. Entsprechend begrenzt war die Auswahl an geeigneten Häusern.
Gleichzeitig war unsere Familie gewachsen. Unsere kleinen Kinder waren nicht mehr klein, und die Jüngsten brauchten ihren eigenen Raum, um sich zu entfalten. Deshalb suchten wir nach einem größeren Haus und fanden schließlich eines.   Allerdings mussten wir einen Kompromiss eingehen: Mehr Wohnraum im Haus bedeutete weniger Land und weniger Garten. Uns war bewusst, welchen Preis wir dafür zahlten. Es war ein Kompromiss, den wir für unsere Kinder eingingen. Wir gaben ihnen mehr Platz zum Leben und Wachsen im Haus, dafür mussten wir auf einen Teil unseres Gartentraums verzichten.   Wenn ich von einem Garten spreche, meine ich nicht einfach eine Rasenfläche. Ich denke an Gemüsebeete, Salate und jeden einzelnen Fleck Erde, der genutzt werden kann, um etwas Wertvolles anzupflanzen.   So zogen wir in unser neues Zuhause ein und machten es uns so gemütlich wie möglich. Die Kinder lieben ihre neuen Spielmöglichkeiten und entfalten sich wunderbar.  

 

Eine Sehnsucht bleibt

 

Doch während der Alltag langsam Einzug hielt, war da immer wieder eine leise Stimme in mir. Eine Stimme, die anklopfte und mich fragte, was eigentlich fehlte. Es war eine Sehnsucht, die ich zunächst nicht beschreiben konnte. Als wir uns schließlich dazu entschlossen, die drei riesigen Bäume entlang unseres Zaunes zu entfernen, die eine über vier Meter hohe grüne Wand gebildet hatten, taten wir uns einen größeren Gefallen, als wir zunächst ahnten. Die entfernten Stämme und Äste ließen deutlich mehr Licht ins Haus und mehr Luft durch den Garten strömen. Dann kam der Regen. Und dieses Jahr war er reichlicher als in den Jahren zuvor. Die Erde rund um die ehemaligen Bäume wurde mit Wasser gesättigt und neu belebt. Alles, was über die Jahre als Samen im Boden geschlummert hatte, erhielt nun durch Sonne und Regen die Möglichkeit, sich zu entfalten. Und plötzlich wusste ich, was mir gefehlt hatte.   Es war die Erde an meinen Händen. Es war die Freude daran, zu beobachten, wie aus einem kleinen Samen eine Pflanze wächst, wie Leben entsteht und sich entwickelt. Es war das Wunder der Natur, dieses stille Schauspiel der Schöpfung, das Gott so wunderbar geschaffen hat. Also kaufte ich einige Pflanzen: Blumen, Rosen und Kräuter. Ich dachte, ich würde meine Möglichkeiten nutzen und mir ein kleines Stück Garten in Blumentöpfen schaffen.   Doch Gott hatte eine andere Idee.  

Die kleinen Freiwilligen

  Nach den regenreichen Tagen begannen überall kleine Setzlinge aus der Erde zu sprießen. Zunächst wirkten sie unscheinbar und unbedeutend. Doch mit jedem Tag und mit jedem neuen Blatt erkannte ich sie besser. Es waren Tomaten. Und jeden Tag entdeckte ich neue Pflanzen an einer anderen Stelle im Garten, besonders dort, wo zuvor die Baumkronen das Sonnenlicht abgehalten hatten. Die Tomaten schienen wie durch ein Wunder entstanden zu sein. Ich hatte sie nicht gepflanzt. Sie waren einfach da. Und wie durch ein Wunder hatte ich plötzlich etwa fünfzehn Tomatenpflanzen in meinem Garten. Es sind viele verschiedene Sorten, so wie es aussieht, von klein bis groß. Die Pflanzen sind kräftig und gesund. Sie wachsen einfach, ganz ohne mein Zutun.   Ich nenne sie die „kleinen Freiwilligen“ in meinem Garten.   Sie sind einfach da und tun das, wozu sie geschaffen wurden. Niemand hat sie gerufen, niemand hat sie bewusst gepflanzt, und doch wachsen sie. Sie erfreuen mein Herz und erinnern mich jeden Tag an etwas Wichtiges. Meine Sehnsucht war es, wieder einen Garten zu haben. Wieder neues Leben wachsen zu sehen. Zu beobachten, wie etwas gedeiht und Frucht bringt. Und genau diese Sehnsucht hat Gott auf eine Weise beantwortet, mit der ich niemals gerechnet hätte.    

Gottes Antwort

Wenn ich heute auf diese Tomatenpflanzen schaue, sehe ich darin Gottes Handschrift. Und die Ironie daran ist wunderschön. Ausgerechnet dort, wo ich dachte, etwas verloren zu haben, hat Gott etwas Neues entstehen lassen. Er hat meine Sehnsucht gesehen und mich nicht mit meinem Gefühl des Mangels allein gelassen.   Vielleicht habe ich heute nicht den größten, schönsten oder prächtigsten Garten. Vielleicht grasen keine Schafe oder Ziegen mehr auf unserem Grundstück. Vielleicht ist vieles kleiner geworden als früher.   Doch manchmal zeigt sich Gottes Fürsorge gerade im Kleinen.   Diese Tomatenpflanzen sind für andere vielleicht nur zufällig aufgegangene Samen. Für mich sind sie eine Erinnerung daran, dass Gott weiß, was in unserem Herzen lebt. Dass Er unsere Sehnsüchte kennt, selbst die kleinen und unausgesprochenen. Und dass Er oft auf eine Weise antwortet, die wir weder planen noch erwarten können.   So stehen sie nun in meinem Garten, meine kleinen Freiwilligen. Ein stilles Zeugnis dafür, dass Gott auch dort Neues wachsen lassen kann, wo wir glauben, etwas verloren zu haben.   Vielleicht verstehe ich heute ein wenig besser, was Gott meinte, als Er sprach:   „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11)   Damals sah ich vor allem das, was wir aufgeben mussten. Heute sehe ich das, was Gott daraus gemacht hat. Nicht größer, nicht beeindruckender und vielleicht auch nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber voller Fürsorge und voller Liebe.   Gottes Segen misst sich nicht an der Größe dessen, was wir besitzen, sondern an der Liebe, mit der Er uns begegnet. Und manchmal genügt dafür schon eine Tomatenpflanze.

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