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24 May 2026

Während alle auf Iran schauen – wächst Israels Sorge im Norden

Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf die Gespräche zwischen den USA und Iran richtet, verschiebt sich der Fokus in Jerusalem auf eine andere Front: den Norden.

Nach einer nächtlichen Sitzung des inneren Sicherheitskabinetts wurde deutlich, dass die Sorge über die Lage im Libanon derzeit größer ist als die unmittelbare Angst vor einer neuen amerikanischen Militäraktion gegen Iran.

Israels Sicherheitskreise gehen davon aus, dass Iran durch die Angriffe der vergangenen Wochen militärisch und wirtschaftlich schwer getroffen wurde. Teheran sei „deutlich geschwächt“ worden, sowohl beim Raketenprogramm als auch bei den nuklearen Fähigkeiten. Gleichzeitig wächst die Einschätzung, dass Trump keinen schnellen neuen Schlag gegen Iran plant, solange Teheran keine massive Provokation auslöst.

Hinter verschlossenen Türen fällt ein bemerkenswerter Satz: „Iran gehört jetzt Trump.“ Gemeint ist, dass Washington die Richtung vorgibt und Israel nur begrenzten Einfluss auf die weiteren Entscheidungen hat. Genau das sorgt in Jerusalem für Unruhe.

Denn während die Iran-Front eingefroren wirkt, verschlechtert sich die Lage an der Grenze zum Libanon. Nach israelischer Einschätzung hält sich die Hisbollah faktisch nicht mehr an die Waffenruhe von Ende 2024. Immer wieder reagiert die Terrororganisation auf israelische Einsätze gegen Waffenlieferungen oder neue Infrastruktur im Süden des Libanon.

Gleichzeitig fühlt sich Israel zunehmend eingeschränkt. Washington lehne größere Angriffe auf Beirut derzeit klar ab. Dadurch entsteht ein Zustand, den ein ranghoher israelischer Vertreter ungewöhnlich offen als „schreckliche neue Realität“ bezeichnete.

In Israel wächst die Sorge vor einem langen Abnutzungskonflikt im Norden. Kein großer Krieg, aber auch keine echte Ruhe. Während weltweit über Iran verhandelt wird, richtet sich der Blick der israelischen Sicherheitsführung auf die Hisbollah und die Frage, wie lange dieser Zustand noch tragbar ist.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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