Kaffee am Zippori-Bach: Das unbekannte beduinische Galiläa öffnet seine Türen

Wer an Beduinen in Israel denkt, hat meist sofort den Negev vor Augen. Doch auch im grünen Galiläa leben seit Generationen große beduinische Gemeinschaften. An diesem und am kommenden Wochenende öffnen einige von ihnen ihre Häuser und Höfe für Besucher. Zwischen Kaffee, Heilpflanzen, alten Mühlen und persönlichen Geschichten entsteht dabei ein Blick auf Nordisrael, den selbst viele Israelis kaum kennen.

Eine Tasse Kaffee gehört dazu. Nicht der schnelle Kaffee unterwegs, sondern einer, für den man sich hinsetzt. Man hört zu, redet miteinander und erfährt dabei, wer die Menschen sind, die hier leben. Genau so soll ein Ausflug entlang des Zippori-Bachs in diesen Tagen beginnen. Unter dem Titel „Ba’im LaShevet“, auf Deutsch „Kommt zum Stamm“, bieten die Behörde für die Entwicklung Galiläas und die Kischon-Behörde für Entwässerung und Bäche geführte Touren durch mehrere beduinische Ortschaften an. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn, sondern die Menschen.

Beduinen gibt es nicht nur im Negev

Für viele Besucher ist das zunächst überraschend. Beduinisches Leben wird in Israel fast automatisch mit der Wüste im Süden verbunden. Tatsächlich gibt es aber auch im Norden seit langer Zeit zahlreiche beduinische Ortschaften. Allein im Einzugsgebiet des Zippori-Bachs leben nach Angaben der Veranstalter rund 36.500 Beduinen.

Ihre Dörfer liegen in einer völlig anderen Landschaft als die bekannten Siedlungen im Negev. Statt Wüste gibt es hier Olivenbäume, grüne Hügel, Quellen und Felder. Der Zippori-Bach fließt aus den Hügeln bei Nazareth nach Westen Richtung Kischon und passiert dabei jüdische, arabische und beduinische Ortschaften. Genau diese Landschaft soll nun mit den Geschichten ihrer Bewohner verbunden werden.

Kaffee, Heilpflanzen und ein Besuch zu Hause

Die Touren führen unter anderem nach Ka’abiyye und Beit Zarzir. In Ka’abiyye lernen Besucher die traditionelle Zubereitung von Kaffee kennen und erfahren mehr über Heilpflanzen, die in der örtlichen Kultur seit Generationen verwendet werden. In Beit Zarzir werden Gäste direkt in Privathäuser eingeladen. An anderer Stelle gibt es Kaffee in einem Beduinenzelt mit Blick auf die historische Mönchsmühle am Zippori-Bach. Zu den Stationen gehören außerdem eine Pferdefarm, die Pferdequelle, die alte El-Allil-Mühle und der Skulpturengarten des Künstlers Omar Tabbash.

Die Führungen dauern vier bis sechs Stunden. Geleitet werden sie von drei zertifizierten beduinischen Reiseleitern aus der Region. So sollen Besucher nicht nur über eine Gemeinschaft hören, sondern Menschen erleben, die ihre Geschichte selbst erzählen.

Auch Frauen erzählen vom Wandel

Ein besonderer Teil der Touren ist die Begegnung mit beduinischen Frauen. Sie berichten, wie sich ihr Alltag und ihre gesellschaftliche Stellung verändert haben. Gerade darin zeigt sich, dass die beduinische Kultur in Galiläa nicht einfach aus Traditionen besteht, die unverändert weitergegeben werden. Die Gemeinschaften verändern sich. Jüngere Menschen studieren, arbeiten außerhalb ihrer Dörfer oder gründen eigene Unternehmen. Frauen übernehmen neue Rollen in Beruf und Gesellschaft. Gleichzeitig bleiben Familie, Gastfreundschaft und örtliche Traditionen wichtige Bestandteile des Lebens. Für Besucher entsteht so ein deutlich differenzierteres Bild, als es ein kurzer Halt an einer touristischen „Beduinenstation“ vermitteln kann.

Ein Bach mit Geschichte

Auch die Landschaft entlang des Zippori-Bachs erzählt vom Wandel. Wie viele Bäche in Israel litt er lange unter Wasserentnahme und Verschmutzung. Die alten Wassermühlen an seinem Lauf erinnern daran, dass hier früher deutlich mehr Wasser floss. Heute ist der Bach mit seinen Wanderwegen und Picknickplätzen wieder ein beliebtes Ausflugsziel. So verbindet sich bei den Touren die Wiederentdeckung der Landschaft mit der Begegnung mit den Menschen, die dort leben.

Tourismus einmal anders

Für den Tourismus in Galiläa ist das interessant. Die Region hat zahlreiche bekannte Ziele: Nazareth, Zippori, den See Genezareth oder die Nationalparks im Norden. Häufig fahren Besucher jedoch von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, ohne viel darüber zu erfahren, wer eigentlich zwischen diesen Orten lebt. „Kommt zum Stamm“ versucht genau das zu ändern.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist allerdings erforderlich. Auf einigen längeren Routen wird zusätzlich ein Mittagessen gegen Bezahlung angeboten. Die Touren finden am Freitag und Samstag, 16. und 17. Oktober, sowie am 23. und 24. Oktober statt.

Vielleicht ist dabei gerade das Unspektakuläre das Interessante. Kein großes Besucherzentrum, keine aufwendige Show, sondern ein Bach, ein Dorf, ein Haus und eine Tasse Kaffee. Und die Gelegenheit, ein Stück Galiläa einmal nicht nur durch seine Landschaft, sondern durch die Menschen kennenzulernen, die dort zu Hause sind.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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