Teheran stellt eine Reihe von Forderungen für Verhandlungen und teilt aus: „Der US-Präsident hat Angst.“
Während die Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran weiter steigen, wirkt Teheran erstaunlich selbstbewusst. Aus dem Umfeld des Regimes heißt es inzwischen offen, Donald Trump habe „Angst vor einem großen Krieg“ und werde am Ende Benjamin Netanjahu nicht vollständig folgen. Solche Aussagen sind nicht nur Propaganda. Dahinter steckt eine strategische Einschätzung der Lage.
In israelischen Sicherheitskreisen wird seit Wochen diskutiert, dass der Iran offenbar auf Widersprüche zwischen Washington und Jerusalem setzt. Israel verfolgt langfristig das Ziel, die militärische und strategische Stärke des iranischen Regimes massiv zurückzudrängen. Trump dagegen gilt aus Sicht vieler Beobachter als jemand, der zwar harte Worte nutzt, gleichzeitig aber große, langwierige Kriege vermeiden will. Genau diese Differenz versucht Teheran auszunutzen.
Hinzu kommt, dass das iranische Regime über Jahrzehnte gelernt hat, unter massivem Druck zu überleben. Sanktionen, internationale Isolation, Cyberangriffe, Sabotageaktionen und gezielte Tötungen hochrangiger Kommandeure haben das System nicht gestürzt. Im Gegenteil: In Teheran entstand daraus die Überzeugung, dass westliche Staaten oft schärfer drohen, als sie später tatsächlich handeln.
Auch wirtschaftliche Faktoren spielen eine Rolle. Der Iran weiß, dass ein größerer Krieg die Ölpreise explodieren lassen und die weltweite Wirtschaft belasten könnte. Die Straße von Hormus bleibt dabei ein entscheidender Hebel. Schon die Angst vor einer Eskalation reicht aus, um internationalen Druck auf Washington entstehen zu lassen.
Israels Analysten sehen außerdem einen psychologischen Faktor. Für das iranische Regime wäre öffentliches Nachgeben gefährlich. Die Führung legitimiert sich seit Jahrzehnten über den Widerstand gegen die USA und Israel. Ein Einknicken könnte intern als Schwäche verstanden werden und das eigene Machtgefüge destabilisieren.
Deshalb formuliert Teheran bewusst harte Bedingungen für mögliche Verhandlungen. Das Ziel ist nicht unbedingt der Sieg über die USA oder Israel. Oft reicht es dem Regime, Zeit zu gewinnen, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und die Gegenseite politisch unter Druck zu setzen.
Foto: Rob Atherton, Istockphoto
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