Tote am Flughafen Riad: Trump erwägt Eingreifen gegen die Huthi

Ein Raketenangriff auf den internationalen Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad hat am Samstag mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Nach Angaben der saudischen Zivilluftfahrtbehörde starben vier Saudis, zwei Bangladescher sowie je ein Amerikaner, Jordanier, Palästinenser, Syrer, Sudanese und Ägypter. Einige der Verletzten schweben in Lebensgefahr. Getroffen wurden unter anderem die Terminals 3 und 4 des King Khalid International Airport. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition macht die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen verantwortlich. Nach Medienberichten ist es der bislang tödlichste Angriff auf einen arabischen Golfstaat seit Beginn des Iran-Krieges.

Es war bereits der dritte Angriff auf den Flughafen innerhalb einer Woche. Am Donnerstag hatten zwei Raketeneinschläge drei Saudis getötet, darunter den Kapitän der Fluggesellschaft Saudia, Hamoud Ali Alkalthami. Die Huthi hatten diese Angriffe für sich reklamiert. Zum jüngsten Angriff äußerten sie sich zunächst nicht ausdrücklich. Der Leiter ihres Medienbüros schrieb lediglich auf X, man habe den Flughafen Riad „geschlossen“. Nach einer ersten Einschätzung des Analysten Nawaf Obaid vom King’s College London handelte es sich um eine ballistische Rakete.

„Wir werden sehen“

US-Präsident Donald Trump nannte den Angriff „schrecklich“ und ließ offen, ob die USA in die Kämpfe eingreifen. „Vielleicht. Wir werden es uns ansehen“, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur AP. „Wir werden eine Entscheidung treffen. Wir handeln sehr schnell.“ Was in Saudi-Arabien geschehen sei, sei „nicht hinnehmbar“. Er wolle mit Kronprinz Mohammed bin Salman telefonieren. Auf die Frage nach einer amerikanischen Beteiligung antwortete er: „Wir werden sehen.“ Außenminister Marco Rubio bestätigte den Tod eines US-Bürgers. „Diese verwerflichen Angriffe zeigen eine eklatante Missachtung unschuldigen zivilen Lebens. Sie müssen jetzt aufhören.“

Ein Eingreifen wäre eine Kehrtwende. Nach einem Bericht von Axios hatte der Kronprinz Trump bereits im September zweimal gebeten, sich mit Luftangriffen an der saudischen Offensive gegen die Huthi zu beteiligen. Trump lehnte damals ab. Unterstützung gibt es dennoch: Nach Angaben von AP helfen die USA der saudischen Offensive mit Geheimdienstinformationen und Zieldaten, der Sender CNN berichtete von mehr als 100 amerikanischen Militärberatern im Land. Laut einem Bericht der „New York Times“ von Donnerstag gehörten auch Operationen gegen die Huthi zu den fünf Vorschlägen für größere Militäreinsätze, die Trump in den vergangenen Monaten abgelehnt hat.

„Ein Kriegsverbrechen“

Der Sprecher der Koalition, Generalmajor Turki al-Malki, sprach von einem „regelrechten Kriegsverbrechen“, da der Flughafen keinerlei militärische Funktion habe, und kündigte eine „entschlossene“ Antwort an. Zugleich bestätigte er, dass ein weiteres Geschoss in der Nähe des Flughafens von Dammam im Osten des Landes eingeschlagen sei. Katar nannte den Angriff eine „direkte Bedrohung für die Sicherheit der Region“, Ägypten, Jordanien und Oman erklärten ihre Solidarität. Die Außenminister Saudi-Arabiens und Omans berieten nach saudischen Angaben über diplomatische Wege zur Deeskalation.

Der Flugbetrieb in Riad wurde vorübergehend eingestellt. Die USA, Großbritannien, Deutschland, Australien und Kanada warnten ihre Bürger, den Flughafen zu meiden. Die Huthi hatten den saudischen Luftraum zuvor zum Kampfgebiet erklärt und gedroht, jedes Flugzeug außer über Mekka und Medina sei ein Ziel. Fluggesellschaften warnten sie nun „zum letzten Mal“. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA warnte, die Angriffe erhöhten das Risiko, dass zivile Flugzeuge verwechselt werden.

Ein Krieg, der sich ausweitet

Der Krieg zwischen Saudi-Arabien und den Huthi reicht bis 2015 zurück. Eine seit 2022 geltende Waffenruhe brach im Juli zusammen. Auslöser war ein Flug der iranischen Fluggesellschaft Mahan Air, der nach Berichten Kommandeure der Revolutionsgarden und Waffen nach Sanaa bringen sollte. Jemenitische Regierungstruppen und Saudi-Arabien bombardierten daraufhin die Landebahn. Die Umstände dieser Angriffe sind umstritten, die Huthi erklärten die Waffenruhe jedenfalls für beendet. Seither greifen sie saudische Ölanlagen, Tanker und Städte an. Im Jemen selbst liefern sich Huthi und Regierungstruppen schwere Kämpfe, vor allem an der Küste des Roten Meeres nahe der Meerenge Bab al-Mandab. Nach UN-Angaben wurden seit Juli mehr als 200.000 Menschen vertrieben.

Saudi-Arabien gehen nach Angaben von AP die Abfangraketen aus. Das Königreich habe Frankreich, Großbritannien, Pakistan und Ägypten um Hilfe bei der Luftabwehr gebeten, während auch die amerikanischen Bestände durch den Iran-Krieg schrumpfen. Pakistan bestätigte inzwischen, Truppen in Saudi-Arabien stationiert zu haben.

Teherans verlängerter Arm

Die Huthi hatten sich anfangs aus dem Iran-Krieg herausgehalten und griffen erst Ende März ein. Inzwischen verschaffen sie Teheran ein Druckmittel gegen einen der wichtigsten Verbündeten der USA, und das zu einem Zeitpunkt, an dem Trump einen direkten Angriff auf den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November ausgeschlossen hat. Berichten zufolge sollen Offiziere der iranischen Revolutionsgarden die Offensive der Huthi im Jemen anleiten und ausrüsten. Unabhängig bestätigt ist das nicht.

Parallel setzen die USA ihre Blockade iranischer Häfen fort. Nach Angaben des US-Zentralkommandos CENTCOM machte ein amerikanischer Kampfjet im Golf von Oman das unter panamaischer Flagge fahrende Schiff „Ocean Molica“ manövrierunfähig, nachdem es Warnungen ignoriert hatte. Die Besatzung blieb unverletzt.

Für Israel ist die Entwicklung ein Warnsignal. Die Huthi haben in den vergangenen Jahren immer wieder Raketen und Drohnen auf israelische Städte abgefeuert. Der Angriff auf Riad zeigt, wie gefährlich ihr Arsenal geworden ist und wie sehr sie trotz des Krieges gegen den Iran weiterhin handlungsfähig sind.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Weitere Artikel