Kein Angriff vor den Zwischenwahlen: Trump bremst, doch das Militär steht bereit

Kurz nach Berichten über Vorbereitungen für eine neue Angriffswelle gegen den Iran hat US-Präsident Donald Trump einen Zeitrahmen gesetzt. Die Vereinigten Staaten würden den Iran „zu keinem Zeitpunkt vor den Zwischenwahlen angreifen“, schrieb Trump am Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social. Man führe „produktive Gespräche“ mit Teheran. Die Zwischenwahlen in den USA finden am 3. November statt. Damit schließt Trump einen amerikanischen Angriff auch vor der Knesset-Wahl am 27. Oktober aus.

Seine Zusage begründete Trump damit, dass der Iran wirtschaftlich und militärisch in „sehr schlechter Verfassung“ sei, die Seeblockade bestehen bleibe und Öl durch die Straße von Hormus fließe. Ein Waffenstillstand oder gar ein Friedensabkommen ist die Ankündigung allerdings nicht. Sie beschreibt Trumps derzeitige Absicht, mehr nicht.

Fünf Vorschläge, fünfmal Nein

Wie zurückhaltend Trump bislang war, zeigt ein Bericht der „New York Times“ vom Donnerstag. Danach haben sein Sicherheitsteam und das Pentagon ihm in den vergangenen Monaten fünf Vorschläge für größere Militäroperationen gegen den Iran oder die von Teheran unterstützten Huthi im Jemen vorgelegt. Trump lehnte alle fünf ab, ließ aber erneut Optionen für neue Angriffe ausarbeiten.

Der zentrale Plan sieht nach Angaben der Zeitung einen kurzen, intensiven Feldzug von etwa drei Tagen vor. Ziele wären Abschussrampen und Lager ballistischer Raketen, die Drohneninfrastruktur, Energieanlagen sowie Hauptquartiere und Kommandostellen der Revolutionsgarden. Besprochen wurde der Plan bereits am vergangenen Freitag bei dem Treffen von Trumps Sicherheitsteam unter Leitung von Vizepräsident JD Vance in Camp David. Nach Einschätzung amerikanischer Stellen hat der Iran große Teile seines Raketen- und Drohnenarsenals seit Beginn des Krieges wieder aufgebaut.

Drei Flugzeugträger in der Region

Unabhängig von Trumps Zusage rüsten die USA in der Region massiv auf. Der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt hat San Diego in der vergangenen Woche verlassen und soll gegen Ende Oktober zu den Trägern USS George H. W. Bush und USS George Washington stoßen. Es wäre das erste Mal seit dem Irakkrieg 2003, dass drei amerikanische Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten operieren. Bis Ende Oktober sollen mehr als 20.000 Seeleute und Marineinfanteristen sowie Hunderte Flugzeuge in der Region sein. Von Dauer ist diese Ballung nicht: Die George Washington soll nach Ankunft der Theodore Roosevelt an ihren Stützpunkt in Japan zurückkehren. Die Kommandeure seien bereit, eine große Operation binnen weniger Tage zu beginnen, sollte Trump seine Haltung ändern, berichtet die „New York Times“.

Auch die israelische Armeeführung wurde unterrichtet. Nach Angaben von Axios wurde Generalstabschef Eyal Zamir am Dienstag von hochrangigen US-Vertretern über Vorbereitungen für eine mögliche Wiederaufnahme der Kämpfe innerhalb von drei Wochen informiert. Zamir soll gewarnt haben, das könne zu einer Verschiebung der Wahl in Israel führen, weil der Iran mit Raketenangriffen auf Israel antworten würde. Die israelische Armee (IDF) wollte sich dazu nicht äußern.

Warum Washington zögert

Innerhalb der US-Regierung ist umstritten, ob ein neuer Feldzug überhaupt etwas bewirken würde. Ein Teil von Trumps Umfeld setzt darauf, dass der wirtschaftliche Druck zu wirken beginnt und Teheran ohne neue Kämpfe zu Zugeständnissen zwingt. Andere halten gerade die geschwächte iranische Wirtschaft für eine Gelegenheit, mit einem kurzen, harten Schlag die iranische Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu brechen.

Hinzu kommen militärische Sorgen. Nach Angaben der „New York Times“ müssen die USA und ihre Partner inzwischen mehr Abfangraketen pro iranischer Salve einsetzen als zu Beginn des Krieges, die Bestände sind ohnehin knapp. Zudem habe der Iran Zugang zu Satellitenbildern chinesischer Firmen erhalten, mit denen er US-Stützpunkte gezielter angreifen könne. Seit September hat der Iran nach Angaben der Beobachtungsstelle UKMTO der britischen Marine mindestens 13 Handelsschiffe angegriffen, Geheimdienstberichte gehen von fast 20 aus. Eine größere amerikanische Reaktion blieb aus, anders als im Sommer, als die USA auf solche Angriffe regelmäßig mit Gegenschlägen reagiert hatten.

Gespräche stocken an der Reihenfolge

Parallel laufen über Katar und den US-Sondergesandten Steve Witkoff indirekte Gespräche. Nach amerikanischen Angaben gibt es Fortschritte, festgefahren sind die Verhandlungen aber an der Reihenfolge. Washington will zuerst eine Einigung über das Atomprogramm, Teheran will diese Frage erst ganz am Ende verhandeln und lehnt es ab, auf die Urananreicherung zu verzichten oder seine Uranvorräte abzugeben. Am Donnerstag verhängte das US-Finanzministerium zudem Sanktionen gegen 17 Tanker der iranischen Schattenflotte. Finanzminister Scott Bessent erklärte, damit werde der Großteil des verbliebenen Netzwerks lahmgelegt.

Was das für Israel bedeutet

Für Israel bringt Trumps Ankündigung vorerst Klarheit für die letzten Wochen des Wahlkampfs. Bleibt Trump bei seiner Zusage, gibt es vor dem 27. Oktober keinen amerikanischen Angriff. Da Israel im Fall neuer Kämpfe nach Einschätzung israelischer Vertreter gemeinsam mit den USA vorgehen würde, sinkt damit auch die Wahrscheinlichkeit eines iranischen Raketenhagels auf israelische Städte vor der Wahl. Die Debatte über eine mögliche Verschiebung der Wahl, die nach den Berichten vom Mittwoch aufgekommen war, verliert vorerst an Grundlage.

Gebannt ist die Gefahr aber nicht. Amerikanische und israelische Vertreter warnen, die Führung in Teheran sei zutiefst misstrauisch gegenüber Trumps Aussagen und wolle einen dritten Überraschungsangriff um jeden Preis vermeiden. Israelische Vertreter hatten bereits zuvor erklärt, das könne den Iran dazu verleiten, selbst zuerst zuzuschlagen. Und nach den Zwischenwahlen ist die Frage wieder offen. Schon vor Trumps Festlegung hatten amerikanische Stellen damit gerechnet, dass er eine Entscheidung bis nach den Wahlen in Israel und den USA aufschiebt. Ob er dann einen Angriff anordnet, ist ungewiss. Klar ist nur, dass die Pläne dafür fertig sind.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Weitere Artikel