Wenn die Oliven reif werden: Nordisrael feiert drei Wochen lang seine Ernte

Olivenernte am Tabor. Olivenfest

A. Funk bei der Olivenernte beim Berg Tabor

In Galiläa beginnt heute eines der traditionsreichsten Landwirtschaftsfeste Israels. Vom 29. Oktober bis zum 21. November öffnen Bauern, Ölmühlen und kleine Familienbetriebe ihre Türen. Das Festival zur Olivenernte findet bereits zum 31. Mal statt und verbindet jüdische, arabische und drusische Gemeinden. Für viele Betriebe ist es zugleich eine wichtige Gelegenheit, neue Kunden und Besucher zu gewinnen.

Es ist die Zeit im Jahr, in der sich das Leben auf vielen Feldern Galiläas verändert. Die Oliven sind reif, in den Hainen beginnt die Ernte, und in den Ölmühlen werden die ersten Früchte der Saison verarbeitet. Was seit Jahrtausenden zum Alltag dieser Region gehört, wird ab heute wieder zu einem großen Fest. Die „Yemei Anaf HaZayit“, die Tage der Olivenbranche, beginnen am Donnerstag im Jesreel-Tal. Bis zum 21. November finden Dutzende Veranstaltungen in Galiläa, auf dem Golan und in den nördlichen Tälern statt. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die Oliven anbauen, verarbeiten und von ihrer Landwirtschaft leben.

Auftakt am alten Bahnhof

Eröffnet wird das Festival am historischen Bahnhof der Jesreeltal-Bahn in Kfar Yehoshua, an dem früher die Züge zwischen Haifa und dem Landesinneren hielten. Für einen Abend wird der Ort zum Treffpunkt für Landwirte, Köche, Musiker und Besucher. Geplant sind Live-Musik, regionale Spezialitäten, eine Verkostungsbar und ein Markt mit Olivenölproduzenten. Sogar Cocktails mit Olivenöl stehen auf dem Programm.

Hinter der modernen Veranstaltung steht eine sehr alte Tradition. Oliven gehören seit Jahrtausenden zu den wichtigsten Erzeugnissen der Region. Ihre Früchte dienten als Nahrung, das Öl als Brennstoff für Lampen, zur Körperpflege und im religiösen Leben. Schon die Bibel beschreibt das verheißene Land als ein Land der Ölbäume (5. Mose 8,8). Bis heute prägen die oft jahrhundertealten Bäume weite Teile Galiläas.

Vom Baum direkt in die Ölmühle

Besonders interessant sind die Angebote, bei denen Besucher die Verarbeitung selbst erleben können. In zahlreichen Dörfern und Betrieben öffnen traditionelle und moderne Ölmühlen ihre Türen. Dort lässt sich beobachten, wie aus frisch geernteten Oliven Öl entsteht: Die Früchte werden von Blättern und Zweigen getrennt, gereinigt und zerkleinert, anschließend wird das Öl mechanisch aus der Masse gewonnen, je nach Verfahren mit traditionellen Pressen oder modernen Zentrifugen. Entscheidend für gutes Olivenöl ist, dass die Früchte möglichst bald nach der Ernte verarbeitet werden. Die Besucher sollen nicht nur fertige Flaschen kaufen, sondern sehen, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Begegnungen in drusischen und arabischen Dörfern

Eine Besonderheit des Festivals ist seine kulturelle Vielfalt. Die Olivenernte verbindet in Nordisrael Bevölkerungsgruppen, die zum Teil seit Generationen dieselben Traditionen pflegen. Im drusischen Yanuh-Jat werden Geländewagentouren durch Olivenhaine angeboten, Besucher können bei der Ernte mithelfen, eine Ölmühle besichtigen und die drusische Kultur kennenlernen. In Julis und Ein Qiniyye dreht sich alles um das Ernten und Pressen. In Hurfeish verbinden sich kaltgepresstes Öl und drusische Küche mit Kunsthandwerk und Musik, und im arabischen Abu Snan erwarten Besucher Ölmühle, Olivenhain und ein Markt mit Gerichten aus dem Dorf.

Auch jüdische Orte und Höfe machen mit. In Ma’ale Tzvia lernen Besucher, Körbe aus Olivenzweigen zu flechten, in Hoshaya führt ein Besuch zu einer Ölmühle mit Aussichtspunkt und antiken Funden. Der Bauernhof Rom am Berg Kamon feiert sein 40-jähriges Bestehen mit Wanderungen auf einem Olivenpfad, und in Beit Lechem HaGlilit verbindet ein Fest im Weinberg Musik, Oliven und regionale Küche. So zeigt das Festival ein Israel, das aus vielen Gemeinschaften besteht. Sprachen, Religionen und Traditionen mögen verschieden sein, die Olivenbäume gehören überall gleichermaßen zur Landschaft und zum Leben.

Neue Besucher für kleine Betriebe

Hinter dem Festival steht auch ein wirtschaftliches Ziel. Federführend ist die Behörde zur Entwicklung Galiläas, gemeinsam mit dem Ministerium für Negev, Galiläa und nationale Widerstandskraft, dem Landwirtschaftsministerium, dem Jüdischen Nationalfonds KKL und weiteren Partnern. Gerade kleinere Familienbetriebe sind auf Besucher angewiesen, nachdem der Norden in den vergangenen Jahren unter Krieg, Raketenbeschuss und Evakuierungen gelitten hat. Jeder Besuch in einer Ölmühle, einem Restaurant oder bei einem örtlichen Erzeuger stärke direkt die Wirtschaft der Region, sagt Yachin Zik, Geschäftsführer der Entwicklungsbehörde. „Die Erntezeit steht vor der Tür, und die Bauern in Galiläa warten darauf, dass ihr kommt.“

Zum Programm gehört in diesem Jahr auch eine Fachkonferenz über Olivenöl und ein langes Leben an der neuen Tel-Hai-Universität in Kiryat Shmona. Wer Olivenöl kaufen möchte, kann auf ein Gütesiegel in Form eines grünen Tropfens achten, das die Qualität israelischer Öle auszeichnet. Das vollständige Programm ist auf der Internetseite der Entwicklungsbehörde zu finden. Ob Ernteeinsatz, Mühlenbesuch oder Abend im Weinberg: Wer in diesen Wochen durch Galiläa reist, erlebt eine Region, die nach schweren Jahren zeigt, wie viel Leben in ihren alten Bäumen steckt.

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