Nach 78 Jahren gefunden: Das Wrack der „Altalena“ liegt 503 Meter tief vor Israels Küste
Die Überreste der „Altalena“ wurden in der Nacht zum Montag rund 20 Kilometer vor der israelischen Küste geortet. Das Schiff des Etzel (Irgun), das im Unabhängigkeitskrieg auf Befehl von Ministerpräsident David Ben-Gurion beschossen wurde, liegt vollständig erhalten in 503 Metern Tiefe.
Die Ortung gelang um 00:30 Uhr, nach monatelanger Planung. Eingesetzt wurde ein Schiff mit Spezialsensoren und modernen Vermessungssystemen.
Die Expedition ging auf eine Initiative von Kulturerbe-Minister Amichai Eliyahu zurück. Geleitet wurde sie von Roni Sadeh, dem Leiter der Abteilung für Seekartierung im Zentrum für Landesvermessung Israel (Mapi).
„Wir konnten das Schiff in über 500 Metern Tiefe erreichen, dank fortschrittlicher Technologien und der intensiven Arbeit eines professionellen Teams auf See“, so Sadeh.
Was 1948 geschah
Die „Altalena“ erreichte Israel im Juni 1948 mit rund 930 Einwanderern an Bord, darunter Etzel-Kämpfer, dazu Waffen, militärische Ausrüstung und medizinisches Material.
Das Schiff kam etwa fünf Wochen nach der Staatsgründung an, drei Wochen nachdem der Etzel zugesagt hatte, seine Waffen abzugeben und sich in die israelische Armee (IDF) einzugliedern.
Ben-Gurion wollte eine einzige Armee unter staatlicher Kontrolle durchsetzen und ordnete die Übergabe der Waffen an. Als der Etzel sich weigerte, kam es zu Kämpfen, zuerst bei Kfar Vitkin, dann vor Tel Aviv. Eine Einheit unter dem Kommando von Jitzchak Rabin stellte sich den Etzel-Kräften entgegen, das Schiff wurde beschossen.
Menachem Begin befahl seinen Leuten, nicht zurückzuschießen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern.
Sechzehn Etzel-Angehörige und drei IDF-Soldaten kamen ums Leben. Der Beschuss erfolgte am 22. Juni 1948, mitten in der ersten Waffenruhe des Unabhängigkeitskriegs, die am 11. Juni begonnen hatte.
Reaktionen
„Die Ortung der Altalena ist ein prägender Moment für unser nationales Gedächtnis“, sagte Eliyahu. „Wir haben an dieser Operation aus einem tiefen Auftrag heraus gearbeitet, die historische Wahrheit offenzulegen und die Geschichte der Helden des Schiffes künftigen Generationen zugänglich zu machen.“
Der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, sprach von einem historischen Kreis, der sich schließe. Man habe sich viele Jahre im Verborgenen mit dem Thema befasst.
Einordnung
Die Bekanntgabe erfolgte durch Ben-Gvir und Eliyahu, beide von der Partei Otzma Jehudit. Die Befunde, auf deren Grundlage die Identifizierung als „Altalena“ erfolgte, wurden bislang nicht öffentlich vorgelegt. Eine Dokumentation des Wracks soll auf einer Pressekonferenz präsentiert werden.
Die Suche reicht Jahrzehnte zurück. Justizminister Jariv Levin, familiär mit dem Schiffskommandanten Eliyahu Lankin verbunden, hatte vor Jahren einen staatlich unterstützten Anlauf angestoßen. Das damalige Budget von rund einer Viertelmillion Schekel reichte nicht aus.
Die Affäre bleibt eine der schmerzhaftesten Episoden der Staatsgründung. Für die einen steht sie für die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols, für die anderen für vermeidbares Blutvergießen zwischen Juden mitten im Krieg.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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