Millionen für einen getöteten Führer: Der Iran inszeniert Khameneis Begräbnis als Machtdemonstration
Vier Monate nach seiner Tötung trägt der Iran seinen Obersten Führer Ali Khamenei zu Grabe. Das Regime plant die Trauerfeierlichkeiten als größtes Ereignis in der Geschichte der Islamischen Republik: eine Woche lang, verteilt über mehrere Städte im Iran und möglicherweise im Irak. Das berichtet der israelische Sender N12.
Khamenei war am 28. Februar am ersten Tag des Krieges bei israelischen und amerikanischen Luftangriffen in Teheran getötet worden. Die Beisetzung sollte ursprünglich im März stattfinden, wurde jedoch wegen des Krieges und aus Sicherheitsgründen verschoben.
Von Teheran über Qom bis Maschhad
Der Zeitplan liest sich wie ein Staatsakt in Etappen: Am Wochenende wird der Sarg in Teheran öffentlich aufgebahrt, am Montag folgt die zentrale Trauerprozession durch die Hauptstadt. Am Dienstag ziehen die Zeremonien in die heilige Stadt Qom weiter. Möglicherweise passiert der Sarg danach die schiitischen Heiligtümer in Nadschaf und Kerbela im Irak, bevor Khamenei am Donnerstag in seiner Geburtsstadt Maschhad beigesetzt wird.
Teherans Bürgermeister rechnet allein in der Hauptstadt mit 15 bis 20 Millionen Menschen, dazu kommen Millionen in den anderen Städten. Schulen, Moscheen, Sporthallen und Universitäten dienen als Unterkünfte, Flüge werden gestrichen. Basidsch-Milizen und Revolutionsgarden steuern die Massen. Nach iranischen Angaben haben sich Delegationen aus rund 100 Ländern angekündigt, darunter Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der zwischen Washington und Teheran vermittelt.
Drohung an Israel und die USA
Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Ali Abdollahi, Kommandeur des gemeinsamen Einsatzstabs der iranischen Streitkräfte, warnte Israel und die USA ausdrücklich vor jeder „Fehlkalkulation“ während der Trauerwoche. Eine solche werde „harte und bedauerliche Reaktionen“ nach sich ziehen. Neben einem möglichen Angriff von außen fürchtet Teheran auch Anschläge im Inneren. Man erinnert sich an das Attentat des Islamischen Staates am Jahrestag der Tötung Qassem Soleimanis vor zweieinhalb Jahren, das rund 100 Menschen das Leben kostete.
Politisch gilt die Trauerwoche als Loyalitätstest für die neue Führung. Das Regime will nach dem Krieg Stärke, Geschlossenheit und Stabilität demonstrieren. Die große offene Frage: Zeigt sich der neue Oberste Führer Mojtaba Khamenei erstmals öffentlich beim Begräbnis seines Vaters? Seit seiner Ernennung im März ist er kaum in Erscheinung getreten, über seinen Gesundheitszustand kursieren Spekulationen. Der neue Kommandeur der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, trat bei den Vorbereitungen erstmals seit seiner Ernennung öffentlich auf. Ob er auch bei den Trauerzügen erscheint, bleibt offen.
Kritiker des Regimes verspotteten die monatelange Verschiebung der Beisetzung. Die Führung in Teheran setzt dagegen auf ein anderes Signal: Die Trauerwoche solle beweisen, dass die Islamische Republik den Krieg überstanden hat.
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