Neues Leben am Gazastreifen: In Eshkol kamen seit dem 7. Oktober 752 Babys zur Welt

Drei Jahre nach dem 7. Oktober wird in Israel heute erinnert und getrauert. Doch aus einer der am schwersten getroffenen Regionen kommt auch eine andere Zahl: Seit dem Angriff wurden im Regionalrat Eshkol 752 Babys geboren. Zugleich kehren Gemeinschaften zurück, neue Familien ziehen in die Region, und auf den Feldern wird weiter gearbeitet.

Zunächst ist es nur eine Zahl. Doch an diesem 7. Oktober bekommt sie eine besondere Bedeutung. Die Vorsitzende des Regionalrats Eshkol im westlichen Negev, Michal Uziyahu, nannte sie bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung der Region. Eshkol gehörte vor drei Jahren zu den am schwersten getroffenen Gebieten. Orte wie Nir Oz, Be’eri, Kissufim, Nirim oder Ein HaShlosha sind weltweit zu Namen geworden, die untrennbar mit dem 7. Oktober verbunden sind. Heute geht es dort noch immer um Erinnerung und Verlust, zunehmend aber auch um die Frage, wie eine Region weiterlebt.

Gemeinschaften kehren zurück

Die Antwort fällt von Ort zu Ort unterschiedlich aus. Einige Gemeinden sind längst wieder weitgehend bewohnt. Nach Kissufim sind inzwischen mehr als 96 Prozent der früheren Bewohner zurückgekehrt. Auch in Holit hat die Rückkehr begonnen, ebenso im benachbarten Kfar Aza, das zum Regionalrat Sha’ar HaNegev gehört. Andere Orte brauchen wesentlich länger. Nach Be’eri sollen die Bewohner ab Ende dieses Jahres schrittweise zurückkehren. In Nir Oz laufen weiterhin umfangreiche Bau- und Sanierungsarbeiten, dort wird die Rückkehr erst im Laufe des kommenden Jahres erwartet. Drei Jahre nach dem 7. Oktober ist der Wiederaufbau also nicht abgeschlossen.

Und doch hat sich das Bild bereits deutlich verändert. In der gesamten sogenannten Tkuma-Region rund um den Gazastreifen leben heute etwa 66.000 Menschen, rund 5.000 mehr als unmittelbar vor dem 7. Oktober. Mehr als 90 Prozent der evakuierten Bewohner sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt, und zugleich sind Tausende neue Bewohner hinzugekommen.

Neue Familien statt schrumpfender Orte

Gerade diese Entwicklung ist bemerkenswert. Nach dem 7. Oktober war lange offen, ob manche Orte überhaupt wieder aufgebaut würden und ob Familien bereit wären, an die Grenze zum Gazastreifen zurückzukehren. Heute lautet die Frage vielerorts nicht mehr nur, wer zurückkommt, sondern auch, wie neue Familien aufgenommen werden können. Die staatliche Wiederaufbaubehörde Tkuma hat sich sogar das Ziel gesetzt, die Einwohnerzahl der Region bis 2033 zu verdoppeln.

Dafür reicht es nicht, beschädigte Häuser zu reparieren. Schulen, Kindergärten, medizinische Versorgung, Arbeitsplätze und Infrastruktur gehören ebenso dazu wie Freizeitangebote und Räume für gemeinschaftliches Leben. Denn eine Region wächst nicht durch Baupläne, sondern dadurch, dass Menschen sich entscheiden, dort ihre Zukunft aufzubauen.

Landwirtschaft bleibt ein wichtiger Anker

Besonders sichtbar wird das auf den Feldern. Die Landwirtschaft gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen Eshkols und des westlichen Negev. Gemüse, Kartoffeln, Milchprodukte und weitere Erzeugnisse aus der Region versorgen große Teile Israels. Der 7. Oktober traf deshalb nicht nur Wohnhäuser und Gemeinschaften, sondern auch Höfe, Gewächshäuser und die landwirtschaftliche Infrastruktur.

Inzwischen wurden Hunderte Millionen Schekel in den Wiederaufbau und die Modernisierung der Landwirtschaft investiert. Rund 450 Betriebe erhielten Unterstützung für Maschinen, Gewächshäuser, Ställe, Bewässerung und neue Anpflanzungen. Auch junge Menschen sollen wieder stärker für die Landwirtschaft der Region gewonnen werden, etwa durch ein Dorf für Jungbauern im Moschaw Yevul. Michal Uziyahu fasste es bei der Gedenkveranstaltung schlicht zusammen: Die Bauern bestellen weiter ihre Felder.

Erinnerung und Zukunft nebeneinander

Natürlich erzählt die Zahl der Neugeborenen nicht die ganze Geschichte. Sie kann die Menschen nicht ersetzen, die am 7. Oktober ermordet wurden. Sie nimmt Familien nicht ihre Trauer und macht die Erfahrungen der vergangenen drei Jahre nicht ungeschehen. Auch deshalb wäre es falsch, daraus eine einfache Erfolgsgeschichte zu machen.

Doch vielleicht zeigt die Zahl etwas anderes. Während heute in Eshkol der Toten gedacht wird, gibt es dort zugleich Familien, die nachts wegen eines neugeborenen Kindes kaum schlafen. Kindergärten werden voller, neue Familien ziehen ein, und Menschen kehren in Häuser zurück, die sie lange nicht betreten konnten. Drei Jahre nach dem 7. Oktober liegen Erinnerung und Zukunft in dieser Region ungewöhnlich dicht beieinander.

Seit jenem Morgen wurden in Eshkol 752 Kinder geboren. Nicht als Ersatz für das, was verloren ging, sondern als Teil dessen, was dort weitergeht.

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