Flydubai-Anschlag: Der Kopilot war in Oman längst aus dem Cockpit verbannt

Die Emirate sprechen nun offiziell von Terror. Der Angreifer auf Flug FZ1073 war ein omanischer Kopilot, den seine frühere Fluggesellschaft wegen extremistischer Ansichten nicht mehr fliegen ließ. Trotzdem saß er am Mittwoch im Cockpit einer Maschine mit 174 Passagieren, fast alle aus Israel. In Jerusalem beginnt nun die Suche nach der Lücke, durch die er schlüpfen konnte.

Drei Tage nach dem Zwischenfall haben die Vereinigten Arabischen Emirate erstmals offiziell bestätigt, was Israel von Anfang an vermutete. Generalstaatsanwalt Hamad Saif Al Shamsi erklärte am Samstag über die staatliche Nachrichtenagentur WAM, der Kopilot habe „versucht, einen Terroranschlag zu verüben“. Er habe Kapitän Smit Machchhar mit der Notfallaxt angegriffen, die in jedem Cockpit für Brände oder eine Flucht durch die Scheibe bereitliegt, und versucht, die Kontrolle über die Boeing 737 zu übernehmen. Erste Augenzeugen hatten noch von einem Messer gesprochen. Die Maschine sackte dabei in weniger als 30 Sekunden um fast 4.300 Meter ab.

Wer ist der Täter?

Nach Angaben aus regionalen Sicherheitskreisen handelt es sich um Hamam al-Hammami, einen omanischen Staatsbürger. Er wurde in den Emiraten geboren, seine Mutter stammt aus Syrien, die omanische Staatsangehörigkeit erhielt er über seinen Vater. Eine zweite Staatsangehörigkeit, wie sie das israelische Verkehrsministerium anfangs vermutete, besitzt er nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Laut dem saudischen Sender Al Arabiya verbrachte er einen Großteil seiner Zeit außerhalb Omans, vor allem in Syrien, und soll sich dort radikalisiert haben.

Das „Wall Street Journal“ und der US-Sender ABC berichten, al-Hammami sei 2024 als Nachwuchspilot bei Oman Air mit extremistischem Material aufgefallen. Die Airline nahm ihn daraufhin aus dem Flugdienst und setzte ihn in der Verwaltung ein. Die marokkanische Royal Air Maroc bestätigte, dass er 2025 eine dreimonatige theoretische Ausbildung im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens absolvierte, danach aber nicht übernommen wurde. Eine Fluggesellschaft hatte ihn also bereits aus dem Cockpit genommen, eine zweite abgelehnt, als Flydubai ihn in diesem Jahr einstellte. Eine britische Hochschule teilte zudem mit, er habe dort lediglich einen Fernkurs in Luftfahrtmanagement belegt, jedoch keine Pilotenausbildung. Sein Instagram-Konto war bis zum Tag des Fluges aktiv und wurde dann gelöscht.

Wie konnte er an Bord gelangen?

Ein Diplomat aus der Golfregion räumte ein, die Sicherheitsprüfung vor der Einstellung habe sich offenbar auf Vorstrafen beschränkt. Nach Anzeichen einer Radikalisierung sei nicht gesucht worden. Ob Oman seine Erkenntnisse an Flydubai oder andere Staaten weitergab, ist unklar. Maskat schweigt bislang zu allen Anfragen.

Ermittler aus vier Staaten der Region prüfen mit Unterstützung der USA und weiterer westlicher Regierungen die Motive. Bisher sollen sie keine Verbindung zu einer Terrororganisation gefunden haben, was eher auf einen Einzeltäter hindeutet. Berichte über Bildmaterial mit Bezug zu al-Qaida auf seinem gelöschten LinkedIn-Profil sind bislang nicht offiziell bestätigt. Ein israelisches Ermittlungsteam ist inzwischen in den Emiraten, wo al-Hammami in Haft sitzt.

Eine Lücke im israelischen System

Für Israel ist der Fall auch eine unbequeme Frage an die eigenen Behörden. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu räumte im Interview mit dem US-Sender Fox News ein, es habe eine „Lücke“ gegeben: Ein Bürger Omans, das keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält, durfte eine Maschine ins Land fliegen. Nach Regierungsangaben gibt es eigentlich Vereinbarungen mit ausländischen Airlines, solche Piloten nicht auf Israel-Strecken einzusetzen. Netanyahu sprach von einer islamistischen Radikalisierung des Täters und kündigte an, sollte jemand hinter ihm stehen, werde dieser „einen sehr hohen Preis“ zahlen.

Dabei lagen die entscheidenden Daten wohl vor. Seit 2023 müssen alle Fluggesellschaften Israel vorab die Angaben zu Passagieren und Besatzung übermitteln, darunter Identität, Staatsangehörigkeit und Reisedokument. Die Daten laufen über ein nationales Zentrum bei der Steuerbehörde und stehen dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet, dem Mossad, der Polizei und dem Verkehrsministerium zur Verfügung. Die Besatzungsliste von FZ1073 kam nach israelischen Medienberichten offenbar an und wurde freigegeben.

Wer trägt die Verantwortung?

Inzwischen zeichnet sich ein Streit um Zuständigkeiten ab. Das Verkehrsministerium betont, es führe keine nachrichtendienstlichen Hintergrundprüfungen ausländischer Piloten durch. Laut seiner eigenen Aufgabenbeschreibung ist seine Sicherheitsabteilung allerdings ausdrücklich für die sicherheitstechnische Prüfung ausländischer Flüge nach Israel zuständig. Der Schin Bet wiederum verweist darauf, nur für israelische Fluggesellschaften verantwortlich zu sein.

Brisant ist, dass Schin-Bet-Chef David Zini seit Monaten warnte, die Sicherheitsvorkehrungen bei Flügen aus den Emiraten reichten nicht aus. Israelischen Airlines untersagte der Dienst deshalb Flüge dorthin, was zu Streit mit den Gesellschaften führte. Einen Stopp ausländischer Flüge aus den Emiraten verlangte Zini jedoch nicht. Schon im Mai 2024 hatte Staatskontrolleur Matanyahu Englman empfohlen, die Zuständigkeiten für die Sicherheit ausländischer Flüge nach Israel neu zu ordnen. Manche der geltenden Regierungsbeschlüsse stammen noch aus den 1970er-Jahren. Die Abgeordneten Efrat Rayten, Ram Ben Barak, Chili Tropper und Oded Forer fordern nun eine Dringlichkeitssitzung des Ausschusses für Auswärtiges und Verteidigung unter Vorsitz von Boaz Bismuth, an der auch der Schin-Bet-Chef teilnehmen soll.

Die Helden an Bord

Dass aus der Lücke keine Katastrophe wurde, ist den Menschen an Bord zu verdanken. Der indische Kapitän öffnete trotz seiner schweren Verletzungen die Cockpittür. Israelische Passagiere, unter ihnen Zwika Manes, Yaniv Chajun, Asaf Radschwan und Schota Mussajew, stürmten hinein und überwältigten den Angreifer, mitreisende Piloten landeten die Maschine in Tabuk. Dubais Kronprinz Scheich Hamdan bin Mohammed bin Rashid Al Maktoum besuchte Machchhar am Samstag im Krankenhaus und lobte seinen „höchsten Mut“. Präsidentenberater Anwar Gargasch nannte den Anschlag eine Warnung, dass der Kampf gegen den Extremismus nicht vorbei sei. Flydubai selbst, im Besitz der Regierung von Dubai, räumte lediglich ein, es gebe „derzeit viele Fragen“.

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