Grabhöhle aus der Zeit des Zweiten Tempels bei Polizeieinsatz in Silwan entdeckt

Bei einem Einsatz der Grenzpolizei im Jerusalemer Stadtteil Silwan ist am Montag unter einem Gebäude eine antike Grabhöhle entdeckt worden. Eine erste Untersuchung der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) ergab, dass die Gräber aus der Zeit des Zweiten Tempels stammen, aus der Zeit zwischen dem späten sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und dem Jahr 70 nach unserer Zeitrechnung.

Beamte der Jerusalemer Grenzpolizei durchsuchten im Rahmen einer Operation einen Gebäudekomplex in Silwan, um Wohnungen von Personen zu erreichen, die mit einem gewaltsamen Konflikt zwischen zwei verfeindeten Familien in Verbindung stehen. Bei den Durchsuchungen bemerkten die Beamten eine unterirdische Struktur unter einem der Gebäude. Daraufhin wurden Fachleute der Altertumsbehörde hinzugezogen, die eine erste Untersuchung vor Ort vornahmen.

Neben der Grabhöhle wurden weitere archäologische Funde entdeckt. Welche genau, ist bislang nicht bekannt, die Fundstücke wurden noch nicht katalogisiert. Nach Einschätzung der Altertumsbehörde könnte die Höhle angesichts ihres geschätzten Alters und ihrer Lage aus der Regierungszeit von König Herodes stammen.

Mehrere israelische Medien beschrieben den Fund als ungewöhnlich, da er nicht im Rahmen einer archäologischen Grabung, sondern während eines Polizeieinsatzes zutage kam.

Hintergrund des Einsatzes

Die Entdeckung erfolgte im Zuge laufender polizeilicher Ermittlungen zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Familien in Silwan, bei der am Wochenende drei Menschen getötet wurden. Die Angreifer sollen dabei stumpfe Gegenstände, Klingenwaffen und einen Molotow-Cocktail eingesetzt haben. Die Grenzpolizei war im Rahmen der Ermittlungen im Jerusalemer Bezirk im Einsatz, um Wohnorte von Personen zu erreichen, die mit dem Konflikt in Verbindung gebracht werden.

Grenzpolizei und Polizei sichern das Gelände seither gemeinsam mit Vertretern der Altertumsbehörde, um eine geordnete weitere Untersuchung der Funde zu ermöglichen. Der vollständige Umfang und die Bedeutung der entdeckten Artefakte stehen nach Angaben der Behörden noch nicht fest.

Silwan gilt seit Langem als politisch und gesellschaftlich sensibles Gebiet. Archäologische Grabungen der israelischen Behörden im angrenzenden Nationalpark Davidsstadt stoßen bei einem Teil der palästinensischen Bewohner regelmäßig auf Kritik, während israelische Archäologen betonen, sämtliche Arbeiten fänden nach etablierten fachlichen Standards und in Abstimmung mit Sicherheitsauflagen statt.

Reiches archäologisches Erbe

Silwan, auf Hebräisch Kfar HaSchiloach genannt, liegt südöstlich der Altstadt Jerusalems, der hebräische Name lebt bis heute im arabischen Namen Silwan fort. Das Gebiet gehört zu den archäologisch bedeutendsten Regionen der Stadt. In der Nachbarschaft befinden sich unter anderem die Davidsstadt, der Hiskia-Tunnel, der Teich Siloah sowie weitere antike Grabanlagen.

Während der Zeit des Zweiten Tempels war Jerusalem ein wichtiges religiöses und administratives Zentrum. Das Gebiet südlich des Tempelbergs gehörte damals zur Stadt und zu den Zugangswegen dorthin.

Archäologische Funde aus dem antiken Jerusalem werden in Silwan und der Davidsstadt bis heute regelmäßig gemacht, darunter in der Vergangenheit auch weitere Grabsysteme und Siedlungsreste aus verschiedenen Epochen. Der jetzige Fund reiht sich in diese lange Serie von Entdeckungen ein und zeigt erneut, wie eng bewohntes Gebiet und jahrtausendealtes Erbe in diesem Teil Jerusalems ineinandergreifen.

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