Die Gäste kommen langsam zurück: Israels Tourismus zeigt neue Lebenszeichen

Mehr internationale Fluggesellschaften kehren zurück, am Flughafen Ben Gurion herrscht wieder Hochbetrieb und israelische Hotels erhalten internationale Auszeichnungen. Von den Besucherzahlen vor dem Krieg ist Israel noch weit entfernt. Doch nach schwierigen Jahren gibt es im Tourismus wieder vorsichtige Zeichen der Erholung.

Wer in diesen Tagen durch den Flughafen Ben Gurion läuft, bekommt kaum den Eindruck eines Landes ohne Reiseverkehr. Im August wurden dort rund 2,65 Millionen Passagiere gezählt, für September und die jüdischen Feiertage rechnet die Flughafenbehörde allein in Ben Gurion mit etwa 2,5 Millionen Reisenden, an besonders starken Tagen werden rund 100.000 Menschen innerhalb von 24 Stunden erwartet. Dabei muss man unterscheiden: Ein großer Teil dieser Passagiere sind Israelis, die ins Ausland fliegen oder zurückkehren. Die Zahlen bedeuten deshalb nicht automatisch, dass auch der internationale Tourismus wieder auf früherem Niveau angekommen ist. Doch auch dort bewegt sich etwas.

Wieder mehr ausländische Besucher

Im Juli wurden rund 109.000 Touristenankünfte in Israel registriert, im gleichen Monat des Vorjahres waren es etwa 85.000 gewesen. Das ist noch weit entfernt von den Jahren vor dem 7. Oktober, als Israel jährlich mehrere Millionen ausländische Gäste empfing, dennoch zeigt die Entwicklung, dass wieder mehr Menschen bereit sind, das Land zu besuchen. Besonders deutlich wird die vorsichtige Normalisierung bei den Fluggesellschaften: Anfang September nahm Delta Air Lines die tägliche Verbindung zwischen New York und Tel Aviv wieder auf, nur wenige Tage später landete auch wieder eine Maschine von United Airlines aus Newark am Ben-Gurion-Flughafen, United bedient die Strecke nun erneut mit Langstreckenflugzeugen. Weitere internationale Airlines haben ihre Israel-Verbindungen bereits wieder aufgenommen oder planen ihre Rückkehr in den kommenden Monaten. Für den Tourismus ist das entscheidend, ohne regelmäßige Direktverbindungen aus Europa und Nordamerika bleiben Gruppenreisen, Pilgerreisen und Individualtourismus schwierig und teuer.

Hotels erhalten internationale Auszeichnungen

Auch aus der israelischen Hotellerie kommen positive Nachrichten. Bei den World Travel Awards 2026 wurden drei Häuser in Israel ausgezeichnet, die Gala fand am 13. September in Dubai statt. Das Carlton Tel Aviv erhielt den Titel als führendes Hotel des Landes, das American Colony Hotel in Jerusalem wurde zum zehnten Mal als bestes Boutiquehotel ausgezeichnet, das InterContinental David Tel Aviv zum fünften Mal als führendes Konferenzhotel. Das Six Senses Shaharut in der Arava-Wüste war in der Kategorie der führenden Retreat-Resorts des Nahen Ostens nominiert, ging bei der Preisverleihung selbst aber leer aus. Solche Preise sagen wenig darüber aus, wie voll die Zimmer tatsächlich sind, sie zeigen aber, dass israelische Hotels auch international weiterhin wahrgenommen werden. Gerade die Branche hat schwierige Jahre hinter sich, viele Hotels verloren ausländische Gäste fast vollständig, gleichzeitig wurden Häuser zeitweise für evakuierte israelische Familien genutzt.

Israelis hielten die Hotels am Leben

Interessant ist deshalb ein Blick auf die Übernachtungszahlen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in israelischen Hotels rund 10,6 Millionen Übernachtungen registriert, rund neun Millionen davon entfielen auf Israelis. Damit waren etwa 84 Prozent aller Hotelübernachtungen Inlandstourismus. Für viele Hotels in Eilat, am Toten Meer, in Jerusalem, Tel Aviv oder Galiläa waren israelische Gäste während der vergangenen Jahre entscheidend, der heimische Tourismus konnte den Einbruch bei internationalen Besuchern zumindest teilweise auffangen. Doch dauerhaft ist die Branche auf Gäste aus dem Ausland angewiesen.

Noch kein Comeback, aber eine Richtung

Von einem vollständigen Comeback des israelischen Tourismus zu sprechen, wäre zu früh. 2019, im letzten vollständigen Jahr vor der Corona-Pandemie, kamen rund 4,5 Millionen Touristen nach Israel, von solchen Zahlen ist das Land derzeit weit entfernt. Auch Reiseveranstalter müssen weiterhin mit kurzfristigen Veränderungen rechnen, Fluggesellschaften beobachten die Lage genau und haben in den vergangenen Jahren mehrfach Verbindungen aufgenommen und später wieder ausgesetzt. Trotzdem hat sich das Bild verändert: Internationale Airlines landen wieder in Tel Aviv, mehr ausländische Besucher kommen ins Land, die Flughäfen sind voll, Hotels investieren weiter und israelische Häuser werden international ausgezeichnet. Wer durch Jerusalem, Nazareth, Galiläa oder die Altstadt von Akko läuft, trifft wieder häufiger auf Besucher aus dem Ausland.

Es ist noch kein Tourismusboom. Aber nach Jahren, in denen die Branche von einer Krise in die nächste geriet, sind es kleine Zeichen dafür, dass die Gäste langsam zurückkommen.

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