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12 Aug 2026

Der Hebel, den niemand benutzt: Diplomaten rätseln über Washingtons Rolle in Gaza

Wenn Verbündete anfangen, laut nachzudenken, hat sich etwas verschoben. Nach der Absage Israels an den 15-Punkte-Fahrplan für Gaza äußern mehrere Diplomaten und Kenner der amerikanischen Regionalpolitik gegenüber Politico Zweifel an einer Grundannahme: dass Washington Jerusalem zu etwas bewegen kann. Ihre Einschätzung fällt in beide Richtungen aus. Entweder besitzen die USA die nötigen Druckmittel nicht, oder sie sind nicht bereit, sie einzusetzen.

Drei Stimmen, ein Befund

Ein arabischer Diplomat, der mit der amerikanischen Politik in der Region vertraut ist, formulierte es so: Die Zurückweisung des Friedensplans durch Netanyahu habe erhebliche Folgen für die langfristige regionale Stabilität und für Israels Sicherheit. „Präsident Trump ist der Einzige, der das Potenzial hat, diese Lage zu beeinflussen. Er könnte versuchen, seine politische Relevanz wiederherzustellen, indem er Druck auf Netanyahu ausübt, seine Position zu überdenken.“

Ein westlicher Diplomat sah darin ein grundsätzlicheres Problem amerikanischer Strategie: „Die jüngste Absage zeigt erneut, dass es nur zu weiteren Forderungen führt, wenn man Israel entgegenkommt.“ Der Vorgang bedeute nicht zwangsläufig das Ende des Friedensrats, zeige aber erneut, dass Israel eines der Hindernisse für eine tragfähige Zweistaatenlösung bleibe.

Robert Jordan, unter Präsident Bush amerikanischer Botschafter in Saudi-Arabien, wählte ein anderes Bild: Der Friedensrat „hinkt derzeit“. Die politische Lage in Israel erschwere die Arbeit des Gremiums zusätzlich.

Der Widerspruch, der alles erklärt

Aufschlussreich ist, was aus dem Friedensrat selbst zu hören ist, denn es passt nicht zur öffentlichen Konfrontation. Ein Vertreter des Gremiums, das künftig Gaza verwalten soll, betonte, die Arbeit gehe weiter, und zwar in Zusammenarbeit mit Israel: „Der Fahrplan besteht zwischen dem Friedensrat und der Hamas. Getrennte Gespräche mit Israel laufen weiter.“

Deutlicher wurden Vertreter des Gremiums vorgestern gegenüber N12. Trotz der öffentlichen Ablehnung setze Israel den Plan in der Praxis fort. „Es ist eine absurde Lage entstanden: Faktisch erfüllt Israel das Dokument, nach außen weist man es zurück.“

Dazu passt eine Klarstellung des Hohen Repräsentanten des Friedensrats für Gaza. Nickolay Mladenov erklärte in einem Interview, Israel werde nicht zum Rückzug gezwungen, bevor die Entmilitarisierung vorankomme: „Niemand muss irgendetwas tun, bevor die Schritte am Boden umgesetzt sind.“

Washington winkt ab

In der Trump-Regierung weist man die Darstellung zurück, Netanyahus Erklärung habe dem Verfahren geschadet. Ein Regierungsvertreter sagte Politico, im Weißen Haus betrachte man die Äußerungen als Teil des Wahlkampfs: „Grundsätzlich sehen wir darin Wahlkampfaussagen von Bibi für sein Publikum in Israel.“ Entscheidend sei etwas anderes: „Der Friedensrat erfährt am Boden echte Zusammenarbeit, darauf kommt es an.“

Trump selbst wollte sich zu der Absage nicht äußern, kündigte aber an: „Bald wird meine Antwort dazu veröffentlicht.“

Die europäische Sorge reicht weiter

In Europa fürchtet man, dass der Streit über Gaza das Vertrauen in Trumps Einfluss im gesamten Nahen Osten beschädigt, auch mit Blick auf den Iran-Krieg und die Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah. Ein europäischer Diplomat sagte: „Die Lösung ist nicht so nah, wie wir erwartet haben oder wie Trump es uns zu einem bestimmten Zeitpunkt gesagt hat. Ich glaube, Trump verliert an Glaubwürdigkeit. Alles wirkt festgefahren, mit einem hohen Maß an Ungewissheit, das uns alle betrifft.“

Netanyahu hatte am Sonntag erklärt, Israel lehne den Fahrplan ab und die IDF werde sich vor einer echten Entwaffnung der Hamas nicht zurückziehen. Zur amerikanischen Position sagte er: „Sie haben Ideen, manche davon akzeptieren wir, manche nicht, und wir wissen, wie wir diesen Dingen standhalten.“

Was in dieser Woche also entsteht, ist ein doppeltes Bild. Auf der Bühne der Streit zweier Verbündeter, dahinter eine Zusammenarbeit, die niemand offen einräumen will. Welches der beiden Bilder am 27. Oktober zählt, dürfte für Netanyahu längst feststehen.

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