Rekordregen im Scharon: 117 Millimeter in nur 75 Minuten
Der Winter ist mit voller Wucht in Israel angekommen. Nur wenige Tage nach einer Hitzewelle zu Wochenbeginn brachte ein kräftiges Regensystem in der Nacht zum Samstag Gewitter, Starkregen und Überschwemmungen in weiten Teilen des Nordens und der Mitte des Landes. Den spektakulärsten Wert meldete der israelische Wetterdienst aus der Scharon-Ebene: An der Messstation in Kadima-Zoran fielen am Samstagmittag 117 Millimeter Regen in nur einer Stunde und einer Viertelstunde.
Historischer Rekord im Scharon
Nach Angaben des Wetterdienstes ist das ein neuer Stundenrekord für den Scharon. Der Samstag war zugleich der extremste Regentag seit mindestens sechs Jahren, also seit November 2020. Die Wassermassen ließen Bäche wie den Nahal Kadima innerhalb kurzer Zeit anschwellen, Straßen und Höfe standen unter Wasser. Die Bewohner von Kadima-Zoran wurden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen, bis das Wasser abgepumpt ist. In Even Yehuda versanken Autos in den Fluten. Die Entwässerungsbehörde für den Scharon rief dazu auf, sich von Bachbetten, überfluteten Flächen und Furten fernzuhalten.
Auch andernorts hinterließ das Unwetter Spuren. In Nazareth lief eine Grundschule voll, die Kinder mussten ihre Klassenzimmer verlassen. In Kfar Saba beschädigte Hagel eine Ampel, an der Grenze zwischen Ramat Gan und Bnei Brak trat ein Bach über die Ufer. Auf der Ayalon-Autobahn in Tel Aviv wurden nahe der Ausfahrt La Guardia zwei Fahrspuren gesperrt, nachdem sich ein Riss in der Fahrbahn gebildet hatte. In Gan Yavne rissen Stromleitungen, auch umliegende Orte waren ohne Strom, in einem Viertel von Aschdod fiel er zeitweise aus.
Große Unterschiede zwischen den Regionen
Die Messwerte zeigen, wie ungleich der Regen verteilt war. Nach den Messwerten des Wetterdienstes kamen seit Beginn des Unwetters am Donnerstag bis Samstagnachmittag im Hafen von Aschdod 89 Millimeter zusammen, in Binyamina 72, in Kvutzat Yavne 68 und in Nahariya 60. Tel Aviv meldete an der Küste 42 Millimeter, Jerusalem nur rund 30. Im oberen Galiläa, wo die Quellen des Jordan liegen, fiel deutlich weniger: In Kfar Giladi waren es 23 Millimeter, im Kibbuz Dafna 17. Für den ausgetrockneten Kinneret ist das erst ein Anfang.
Das Gesundheitsministerium warnte wegen des in die Küstengewässer fließenden Regenwassers bis auf Weiteres vor dem Baden im Mittelmeer. Im Gazastreifen setzte der Regen nach Angaben der Hamas rund 70.000 Zelte von Vertriebenen unter Wasser, vor allem in Deir al-Balah und Nuseirat. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Zahl nicht.
Wie es weitergeht
Spürbar ist der Wetterwechsel auch bei den Temperaturen, die im Vergleich zu den Vortagen um fünf bis sieben Grad gesunken sind. Am Sonntag bleibt es kühl, vor allem am Morgen sind im Norden und in der Mitte noch Schauer möglich, im Lauf des Tages schwächt sich das System ab. In den Bachbetten der Judäischen Wüste und am Toten Meer besteht noch die Gefahr von Sturzfluten. Ab Montag wird es trockener und ruhiger, die Temperaturen bleiben aber unter den für die Jahreszeit üblichen Werten.
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