USA ziehen Diplomaten aus Nahost ab: Warnung vor iranischen Mordplänen, Rätselraten über neuen Angriff
Die USA verringern ihre diplomatische Präsenz im Nahen Osten deutlich. Nach einer offiziellen Ausreiseanordnung für Saudi-Arabien wird nun auch das Personal an mehreren weiteren Botschaften in der Region reduziert. Hintergrund sind die anhaltenden Angriffe der Huthi-Miliz und eine neue Warnung der US-Geheimdienste: Iranische Pläne für Anschläge auf amerikanische Diplomaten und Regierungsvertreter haben demnach „fortgeschrittene Stadien“ erreicht. Zugleich wächst die Spannung um die Frage, wann die USA und Israel den Iran erneut angreifen könnten.
Warnung des Geheimdienstdirektors
Das Nachrichtenportal Axios berichtete in der Nacht zum Samstag über ein einseitiges, nicht als geheim eingestuftes Memo vom 23. Oktober, das ihm vorliegt. Darin warnt der Nationale Geheimdienstdirektor der USA, Jay Clayton, Außenminister Marco Rubio, der Iran habe seine Bemühungen, amerikanische Diplomaten und Regierungsvertreter im Nahen Osten und darüber hinaus ins Visier zu nehmen, erheblich verstärkt. Mögliche Ziele, betroffene Länder außerhalb der Region oder die Art der geplanten Anschläge nennt das Memo nicht. Clayton empfiehlt jedoch, die Erkenntnisse einem größeren Kreis von Regierungsmitarbeitern zugänglich zu machen und dafür so viel wie möglich herabzustufen.
Bereits in dieser Woche hatte das Außenministerium Familienangehörige und nicht dringend benötigtes Personal angewiesen, die Botschaft in Riad sowie die Konsulate in Dschidda und Dhahran zu verlassen. Am Freitag folgte die Anordnung, das Personal an den Botschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Libanon, in Katar und in Jordanien zu verringern. „Wegen der Bedrohung durch Huthi-Angriffe und iranische Terrorpläne“ habe man beschlossen, nur noch unverzichtbares Personal vor Ort zu lassen, sagte ein US-Vertreter. Nach Angaben des Senders CNN werden auch in Bahrain und Kuwait Stellen abgebaut. Diplomaten beschrieben den Ablauf gegenüber CNN als „chaotisch und frustrierend“.
Tödliche Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien
Wie ernst die Lage ist, zeigen die Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi auf Saudi-Arabien. Das Königreich wird in diesem Monat nahezu täglich mit Drohnen und Raketen angegriffen. Bei einem Treffer auf den internationalen Flughafen von Riad wurden nach Medienberichten mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt, der schwerste Angriff auf das Land seit Jahren. Auch der Flughafen von Dammam und das Ölfeld Schaiba wurden getroffen. In Washington wächst die Sorge, dass die Huthi ihre Angriffe auf weitere Golfstaaten ausweiten.
Trump: „Vielleicht noch ein kleines Epic Fury“
Parallel dazu sendet Präsident Donald Trump widersprüchliche Signale. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida sagte er am Freitag, die USA könnten „noch einmal eine kleine Operation Epic Fury“ durchführen, oder die Iraner stimmten einem Abkommen zu. So hieß die amerikanische Militäroperation gegen den Iran im Februar. Schon am Donnerstag hatte Trump gesagt: „Wir verhandeln nicht mit ihnen. Auf die eine oder andere Weise wird ziemlich bald etwas passieren.“ Die meisten Leute glaubten offenbar, dass es nach den Zwischenwahlen am 3. November geschehe, fügte er hinzu. Öffentlich hat Trump zugesagt, vorher nicht anzugreifen.
Nach einem Bericht von CNN, den das israelische Portal Ynet zitiert, drängt Israel Washington, die Angriffe vorzuziehen, bislang ohne Erfolg. Bereits am Mittwoch hatte die Financial Times unter Berufung auf drei Quellen berichtet, die israelische Armee (IDF) sei für einen Schlag am Wochenende des 10. Oktober bereit gewesen, Trump habe aber abgelehnt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wies das zurück. „Dieser Bericht ist nicht wahr“, sagte er nach Angaben von Ynet dem Sender Arutz Sheva. Auch ranghohe Offiziere betonten, Trump habe keinen Angriff gestoppt, weil keiner auf dem Tisch gelegen habe. Es habe lediglich eine erhöhte Bereitschaft gegeben, parallel zu den Amerikanern. Vor der Knesset-Wahl am 27. Oktober gebe es keinen Grund für einen Angriff, es sei denn, der Iran bereite selbst einen Angriff auf Israel vor.
Für Aufsehen sorgte zudem ein Bericht von Axios, wonach Dutzende israelische Kampfjets und Tankflugzeuge am Montag bis in die Nähe der iranischen Grenze flogen, am selben Tag, an dem sich Netanyahu mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth traf. Israel sprach von einer Übung und einer Machtdemonstration zur Abschreckung. Einige amerikanische Quellen äußerten dagegen den Verdacht, Israel habe Teheran provozieren wollen.
Iran bereitet sich auf einen „dritten Krieg“ vor
Auch in Teheran rechnet man mit einem neuen Krieg. Die der Hisbollah nahestehende libanesische Zeitung Al-Akhbar berichtet, der Iran stelle sich auf einen „dritten Krieg“ ein, aktualisiere seine Zielliste und habe seinen Einheiten für den Fall eines Angriffs mehr Handlungsfreiheit gegeben, etwa wenn Kommandeure getötet werden. Nach dem Grundsatz „Sicherheit für alle oder für niemanden“ sollen künftig nicht nur Tanker, Energieanlagen und Militärbasen am Golf ins Visier geraten, sondern auch Rechenzentren und Unterseekabel im Persischen Golf und in der Straße von Hormus. Unabhängig bestätigen lässt sich das nicht.
Für Israel ergibt sich ein ambivalentes Bild. Ein Angriff vor den Wahlen gilt weiter als unwahrscheinlich, doch die Vorbereitungen auf beiden Seiten laufen. Der Abzug amerikanischer Diplomaten ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Washington mit einer Verschärfung der Lage in den kommenden Wochen rechnet.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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