Nach tödlichem Anschlag auf Soldaten: Großeinsatz in Hebron, Netanyahu kündigt harte Schritte an
Nach dem Anschlag auf einen Kontrollpunkt bei Hebron, bei dem am Freitagmorgen zwei israelische Soldaten getötet wurden, hat die israelische Armee (IDF) am späten Freitagabend einen groß angelegten Antiterroreinsatz in der Stadt begonnen. Gemeinsam mit dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet, der Grenzpolizei und der Zivilverwaltung durchsuchen die Truppen das Viertel, aus dem die Attentäter kamen. Der Einsatz soll mehrere Tage dauern. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte an, das gesamte Wohnviertel der Täter zerstören zu lassen.
Zwei junge Soldaten getötet
Der Angriff ereignete sich am Freitag gegen 7.30 Uhr an einem vorübergehend eingerichteten Kontrollpunkt an der Judäa-Kreuzung am Ausgang von Hebron. Zwei bewaffnete Palästinenser kamen mit dem Auto, stiegen in einer Seitenstraße aus und eröffneten aus der Deckung von Gebäuden mit einem Sturmgewehr und einer Pistole das Feuer. Das Gefecht dauerte mehr als 20 Minuten. Getötet wurden Stabsfeldwebel Ron Yonatan Roytman, 23 Jahre alt, Gruppenführer aus Aschkelon, und Feldwebel Yuval Shai Svilem, 20 Jahre alt, aus Hod Hasharon. Beide dienten im Bataillon Ari, einer Einheit der Such- und Rettungsbrigade des Heimatfrontkommandos. Drei weitere Soldaten wurden leicht bis mittelschwer verletzt und in Jerusalemer Krankenhäuser gebracht.
Der stellvertretende Bataillonskommandeur, ein Kompaniechef und ein Offizier der Fallschirmjäger, der in der Nähe stationiert war, töteten die beiden Angreifer. Nach Angaben der Times of Israel handelt es sich um Mohammad und Firas Jaaba, beide 27 Jahre alt, aus Hebron und Angehörige derselben Familie. Die Terrororganisation Hamas, die in Hebron stark vertreten ist, nannte den Anschlag „heldenhaft“, bekannte sich aber nicht dazu. Armee und Schin Bet prüfen, ob die Männer allein handelten oder Teil eines größeren Netzwerks waren.
Offenbar ein größerer Anschlag geplant
Nach ersten Erkenntnissen der Armee wollten die Täter eigentlich israelische Zivilisten auf der Straße 35 angreifen. Weil sie die Kreuzung nicht passieren konnten, schossen sie stattdessen auf die Soldaten am Kontrollpunkt. Im Fahrzeug fanden die Ermittler große Mengen Munition. „Ein schwerer Anschlag“, sagte Generalstabschef Eyal Zamir am Tatort. Das schnelle Eingreifen der Soldaten habe Schlimmeres verhindert. Eine konkrete Vorwarnung hatte es nach der ersten Untersuchung nicht gegeben. Zamir kündigte an, alle Beteiligten zu verfolgen.
Abriegelung und Abrisse
Noch am Freitag wurden Hebron, das benachbarte Halhul und weitere palästinensische Orte der Umgebung vollständig abgeriegelt. Die Häuser der beiden Täter wurden für einen möglichen Abriss vermessen. Bewohner des Einsatzgebiets können das Viertel nur über drei Ausgänge verlassen, nach Befragung und Sicherheitskontrolle. Wer dabei verdächtig erscheint, wird zur Vernehmung mitgenommen, erklärte die Armee. Zudem begannen Truppen im Gebiet des Anschlags, „illegale Bauten, die ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten“, abzureißen. Aufnahmen aus dem Ortsteil Farsh al-Hawa zeigen, wie Bewohner ihre Häuser räumen mussten und Bulldozer Gebäude einrissen.
Netanyahu erklärte, die Armee werde in die Viertel einrücken, aus denen die Terroristen kamen, die Bewohner evakuieren und Haus für Haus nach Waffen durchsuchen. „Unser erster Schritt wird sein, diesen Ort abzureißen und vollständig zu verändern.“ Er ordnete zudem Vorbereitungen für eine vollständige Abriegelung von ganz Judäa und Samaria an. Nach Angaben der Times of Israel sprach er von einem bevorstehenden Großeinsatz, dem größten seit 1967, dessen Zeitpunkt noch offen sei. Den Anschlag wertete Netanyahu als Versuch, die Wahl am Dienstag zu beeinflussen. Für Montag und Dienstag war wegen der Wahl ohnehin eine Abriegelung der Gebiete geplant.
Finanzminister Bezalel Smotrich besuchte ebenfalls den Tatort und ordnete nach eigenen Worten eine Reihe von Abrissen illegaler Bauten an, um „Abschreckung zu schaffen“. Die Botschaft an die Feinde Israels sei eindeutig: „Wer sich mit uns anlegt, zahlt einen sehr, sehr schmerzhaften Preis.“
Kritik an Kollektivstrafen
Die Palästinensische Autonomiebehörde sprach von einer Kollektivstrafe. Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem warf der Regierung vor, öffentlich Maßnahmen anzukündigen, die Kriegsverbrechen darstellen könnten, und rief die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf. Die Armee betont dagegen, der Einsatz sei „gezielt und auf das Gebiet beschränkt, aus dem die Terroristen operierten“.
Die Region Hebron mit mehr als einer Million Palästinensern ist bereits wirtschaftlich stark angeschlagen, weil die Armee fünf ihrer sieben Zufahrten geschlossen hat. Zugleich bleibt die Lage in Judäa und Samaria angespannt. Seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 wurden dort und in Israel 60 Zivilisten und Sicherheitskräfte bei Terroranschlägen getötet, weitere acht Angehörige der Sicherheitskräfte kamen bei Einsätzen in palästinensischen Städten ums Leben. Drei Tage vor der Knesset-Wahl rückt die Sicherheit damit erneut ins Zentrum des Wahlkampfs.
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