Geheimbesuch in der Wüste: Was wollte der US-Verteidigungsminister in Israel?

Ein Flug im Privatjet statt im Hubschrauber, ein ungewöhnlich langes Gespräch auf einem Luftwaffenstützpunkt und ein abgesagter Stadionbesuch: Über das Treffen zwischen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Inzwischen bestätigen auch israelische Vertreter, worum es ging: um den Iran. Zeitgleich versetzt Generalstabschef Eyal Zamir die Armee in höchste Alarmbereitschaft.

Normalerweise finden Treffen dieser Größenordnung in Jerusalem oder Tel Aviv statt. Am Montagabend führte der Weg Netanyahus jedoch weit in den Süden, auf den Luftwaffenstützpunkt Uvda in der Negev-Wüste. Hegseths Besuch war nicht angekündigt, er selbst sprach auf X nur von einem Besuch bei amerikanischen Soldaten im Bereich des US-Zentralkommandos CENTCOM. Inzwischen haben drei israelische Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters das Treffen bestätigt. Nach ihren Angaben sprachen beide über den Iran und die Spannungen rund um die Straße von Hormus.

Mit dem Privatjet statt mit dem Hubschrauber

Auch auf israelischer Seite wurde offenbar alles getan, um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Nach Informationen von Ynet flog Netanyahu nicht wie bei Reisen in die Gegend von Eilat üblich mit einem Militärhubschrauber. Seine Fahrzeugkolonne fuhr stattdessen zum Flughafen Ben Gurion, von dort startete er mit einem Privatflugzeug nach Uvda. Das Gespräch mit Hegseth dauerte ungewöhnlich lange. Netanyahu verpasste deshalb sogar das Spiel von Beitar Jerusalem gegen Maccabi Tel Aviv, das er eigentlich besuchen wollte. Sein Büro äußerte sich nicht zum Inhalt.

Warum gerade Uvda

Der Ort ist kein Zufall. Uvda liegt rund 40 Kilometer nördlich von Eilat. Auf dem Stützpunkt sind nach Angaben von Axios derzeit auch amerikanische Tank- und Kampfflugzeuge stationiert, Hegseth traf dort US-Soldaten. Ein Treffen an diesem Ort, fernab der Hauptstadt und mitten im Wahlkampf, spricht dafür, dass militärische Fragen im Mittelpunkt standen. Was besprochen oder vereinbart wurde, ist allerdings nicht bekannt.

Wie bereits berichtet, gilt Hegseth in Washington als einer der stärksten Befürworter neuer Angriffe auf den Iran, während die meisten Berater von Präsident Donald Trump auf wirtschaftlichen Druck setzen. Netanyahu soll Trump auf israelische Erkenntnisse hingewiesen haben, wonach der Iran Teile seines Atomprogramms wieder aufbaut. Trump schwankte nach Angaben von Ynet zunächst, zeigte sich dann aber zurückhaltender. Öffentlich hat er zugesagt, den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht anzugreifen, Netanyahu erklärte dasselbe für die Zeit vor der Knesset-Wahl am 27. Oktober.

Höchste Alarmbereitschaft vor der Wahl

Parallel dazu hat Generalstabschef Zamir weitreichende Maßnahmen angeordnet. Ab Donnerstag gilt in allen Einheiten eine Urlaubssperre, Soldaten müssen vorbehaltlich der laufenden Lagebeurteilung in ihren Stützpunkten bleiben. Mehr hohe Offiziere sollen in den Kommandozentralen präsent sein. Die Armee befinde sich „in höchster Alarmbereitschaft“, sagte Zamir. Ihre Aufgabe sei es, die Wahl planmäßig und sicher zu ermöglichen.

Konkret verstärkt die Armee das Zentralkommando in Judäa und Samaria. Der Stab der Fallschirmjägerbrigade soll als eigene Einsatzführung zwischen den Regionalbrigaden Samaria und Binyamin dienen, weitere Kräfte werden je nach Bedarf zu Luft, zu See und zu Land an anderen Fronten eingesetzt. Zugleich beginnt die Armee, mindestens 850 Wahllokale für Soldaten einzurichten.

Wichtig ist dabei ein Punkt, den die Armee selbst betont: Eine konkrete oder unmittelbare Bedrohung nannte sie nicht. Die Maßnahmen gelten als Vorsorge für eine besonders sensible Zeit, nicht als Hinweis auf einen bevorstehenden iranischen Angriff.

Kein Countdown, aber höchste Vorsicht

Von einem laufenden Countdown zum Krieg kann deshalb nicht gesprochen werden. Das Treffen in Uvda und die Urlaubssperre zeigen aber, wie ernst Jerusalem und Washington die Lage in diesen Tagen nehmen. Zwischen zwei Wahlen und einer ungelösten Iran-Krise wollen beide Seiten auf jedes Szenario vorbereitet sein.

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