Geheimer Besuch in der Wüste: US-Kriegsminister Hegseth traf Netanyahu

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der in Washington inzwischen den Titel Kriegsminister trägt, ist am Montag unangekündigt nach Israel gereist und hat Ministerpräsident Benjamin Netanyahu getroffen. Das berichtete der Journalist Barak Ravid für den israelischen Sender N12 und das US-Portal Axios unter Berufung auf zwei mit den Details vertraute Quellen. Das Pentagon hatte die Reise nicht angekündigt. Sie fand acht Tage vor der Knesset-Wahl statt, während die USA und Israel über eine mögliche Wiederaufnahme des Krieges gegen den Iran beraten.

Treffen auf einem Luftwaffenstützpunkt

Nach Angaben von Axios fand das Treffen auf dem Luftwaffenstützpunkt Uvda in der Negev-Wüste nördlich von Eilat statt. Dort sind amerikanische Tankflugzeuge und Kampfjets stationiert. Hegseth traf auch US-Soldaten auf dem Stützpunkt. Auf der Plattform X veröffentlichte er später ein Bild und schrieb, es sei ihm „wie immer eine Ehre“ gewesen, Soldaten des US-Zentralkommandos CENTCOM zu besuchen, „auf einer historischen Mission“. Israel erwähnte er nicht. Sein Büro wollte sich nicht äußern, das Büro des Ministerpräsidenten reagierte zunächst nicht. Die Agentur Reuters konnte das Treffen nicht unabhängig bestätigen.

Einer der stärksten Befürworter neuer Angriffe

Brisant ist der Besuch vor allem wegen Hegseths Rolle in Washington. Nach Angaben eines hochrangigen US-Vertreters gegenüber N12 gehören Hegseth und die Führung von CENTCOM zu den entschiedensten Befürwortern einer Wiederaufnahme großangelegter Kampfhandlungen gegen den Iran. Die meisten Berater von Präsident Donald Trump setzen nach seinen Angaben dagegen vorerst auf Sanktionen und wirtschaftlichen Druck. „Sie sagen, die wirtschaftliche Erdrosselung wirkt immer besser. Machen wir damit weiter“, zitiert N12 den Vertreter.

Vor rund einer Woche hatte N12 berichtet, Netanyahu habe mehrfach mit Trump über neue Angriffe gesprochen und dabei auf besorgniserregende Schritte des Iran im Atombereich verwiesen. Trump habe geantwortet: „Gut, weißt du was, Bibi, mach weiter und bereite dich vor.“ Eine Zusage sei das nicht gewesen. „Das kann jetzt sein, später oder nie“, sagte ein US-Vertreter. Netanyahus Büro bestreitet, einen Krieg vor der Wahl angestrebt zu haben. Trump hat öffentlich zugesagt, den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht anzugreifen.

Auch Generalstabschef Eyal Zamir war nach N12-Berichten von amerikanischer Seite über die Vorbereitungen unterrichtet worden. Er soll gewarnt haben, ein Krieg in diesem Zeitraum könne die Wahl in Israel verschieben, weil der Iran mit Raketen auf Israel antworten würde. Die israelische Armee (IDF) wollte sich dazu nicht äußern.

Rückendeckung vor der Wahl

Der Besuch fiel einen Tag nach Trumps ausdrücklicher Wahlempfehlung für Netanyahu. Vizepräsident JD Vance hielt sich dagegen zurück und erklärte, er mische sich nicht in israelische Wahlen ein. Nach den Umfragen, auf die Reuters verweist, dürfte Netanyahus Koalition ihre Mehrheit verlieren, allerdings könnte auch die Opposition Mühe haben, eine Regierung zu bilden.

Was Hegseth und Netanyahu besprochen haben, ist nicht bekannt. Ein Beleg für einen bevorstehenden Angriff ist der Besuch nicht. Er zeigt aber, wie eng die militärische Abstimmung zwischen beiden Ländern ist und dass in Washington weiter über Optionen gegen den Iran beraten wird. Dass ausgerechnet einer der Minister, die in der US-Regierung am stärksten auf neue Angriffe drängen, unangekündigt in Israel auftaucht, dürfte auch in Teheran aufmerksam registriert werden.

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