Tödliches Erbe des Krieges: Schüler stirbt bei Explosion auf Klassenfahrt in Obergaliläa
Ein Jugendlicher ist am Montag bei der Explosion eines Blindgängers auf dem Rechess Ramim in Obergaliläa nahe der libanesischen Grenze ums Leben gekommen. Mehr als 20 weitere Menschen wurden verletzt, nach den jüngsten Angaben der Polizei 24, darunter mehrere schwer. Die Opfer sind Schüler und Lehrer der Mittelstufe der religiösen Jeschiwa-Oberschule ORT Ma’alot, die auf ihrer jährlichen Klassenfahrt unterwegs waren. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um eine Streumunition der Hisbollah, die während des Krieges auf das Gebiet abgefeuert worden und nicht detoniert war.
Im Rucksack explodiert
Nach den bisherigen Ermittlungen entdeckte ein Schüler während einer Pause nahe dem Aussichtspunkt Mizpe Pe’er ein Munitionsteil auf dem Boden, hob es auf und steckte es in seinen Rucksack. Wenige Minuten später explodierte der Sprengkörper. Die israelische Armee (IDF) erklärte, nach einer ersten Untersuchung handle es sich „wahrscheinlich um eine Streubombe der Terrororganisation Hisbollah, die im Gelände zurückgeblieben und explodiert ist“. Nach Angaben der Times of Israel soll es sich um eine Submunition einer Hisbollah-Rakete gehandelt haben.
Rettungskräfte konnten für den Jugendlichen nichts mehr tun. Nach Angaben von N12 war er 14 Jahre alt, Ynet berichtet von 15 Jahren. Sein Name wurde zunächst nicht veröffentlicht. Die Armee löste Großalarm wegen eines Massenanfalls von Verletzten aus. Drei Hubschrauber der Luftwaffe mit der Rettungseinheit 669 flogen Verletzte aus, Sprengstoffexperten der Pioniereinheit Yahalom durchsuchten das Gelände. Die Verletzten wurden in die Krankenhäuser Ziv in Safed, Rambam in Haifa und das Galiläa-Krankenhaus in Naharija gebracht. Die übrigen Schülergruppen wurden vorsichtig aus dem Gebiet geführt, die Zugänge gesperrt.
„Ich sah eine Explosion und viele Kinder, die am Boden lagen“, schilderte Osama Masoud, Rettungssanitäter des Magen David Adom, der als Erster am Ort war. „Wir haben sie nach Schwere der Verletzungen eingeteilt und so schnell wie möglich abtransportiert.“
Das Gebiet galt als geräumt
Besonders bitter ist, dass die Gruppe sich offenbar an alle Vorgaben hielt. Die Wanderung begann am Denkmal des „Brüllenden Löwen“ bei Tel Chai und führte über einen der nördlichsten Abschnitte des Israel-Wanderwegs. Nach ersten Ermittlungen der Polizei verließen die Schüler den markierten Weg nicht. Das Gelände war vorab von den Sicherheitskräften überprüft worden, die Fahrt hatte alle nötigen Genehmigungen. Dennoch blieb der Sprengkörper unentdeckt.
Der Generalinspekteur der Polizei, Danny Levy, kündigte an, Wanderungen in dem Gebiet einzuschränken, bis die Route als sicher bestätigt ist. Womöglich würden Schulausflüge in den kommenden Tagen ganz ausgesetzt. „Wir müssen prüfen, ob wir die Schüler gefährden, wenn wir sie hinausgehen lassen.“ Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte seine weiteren Termine für den Tag ab, darunter einen Besuch in Judäa und Samaria. Politiker aus Regierung und Opposition sprachen den Familien ihr Mitgefühl aus.
Die Gefahr bleibt im Boden
Das Unglück zeigt, wie lange der Krieg im Norden nachwirkt. Die Hisbollah hat in den vergangenen Jahren Tausende Raketen auf Galiläa abgefeuert, auch solche mit Streumunition. Deren kleine Sprengkörper verteilen sich über große Flächen, ein Teil explodiert nicht und bleibt im Gelände liegen. Wanderwege, Felder und Wälder im Grenzgebiet können deshalb noch auf Jahre gefährlich sein.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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