Gedenken in Little Rock: US-Botschafter Huckabee weist Völkermord-Vorwurf gegen Israel zurück

Mit deutlichen Worten hat der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, den Vorwurf eines Völkermords im Gazastreifen zurückgewiesen. „Wenn Israel einen Völkermord hätte begehen wollen, hätte es das in zweieinhalb Stunden tun können“, sagte Huckabee am Mittwoch bei einer Gedenkfeier zum dritten Jahrestag des 7. Oktober im Kapitol des US-Bundesstaats Arkansas in Little Rock. „Sie haben die militärischen Fähigkeiten. Der Gazastreifen ist so groß wie Las Vegas. Sie haben es bewusst nicht getan.“

Organisiert hatte die Feier unter dem Motto „7. Oktober: Erinnern, Beten, an der Seite Israels stehen“ die National Association of Christian Lawmakers, ein 2020 gegründeter Verband christlicher Abgeordneter, der sich nach eigenen Angaben für biblische Grundsätze in der Politik einsetzt und in 43 Bundesstaaten vertreten ist. Gekommen waren Abgeordnete, Vertreter Israels sowie jüdische und christliche Geistliche.

Ein Heimspiel für Huckabee

Für Huckabee war es ein Auftritt in der eigenen Heimat. Der frühere Gouverneur von Arkansas sprach in Anwesenheit seiner Tochter, der heutigen Gouverneurin Sarah Huckabee Sanders. „In Arkansas entschuldigen wir uns nicht dafür, an der Seite Israels zu stehen“, sagte Sanders nach einem Bericht des Portals Matzav. Der Tag sei für sie besonders, weil ihre eigenen Eltern zu denen gehörten, die der Raketenabwehrschirm Iron Dome schütze. Huckabee und seine Frau leben in Israel und mussten während der iranischen Raketenangriffe Schutz im Bunker suchen. In derselben Woche feierte Sanders mit Senator Tom Cotton die erste Auslieferung von Tamir-Abfangraketen für Iron Dome, die in einem Werk in East Camden in Arkansas gefertigt werden.

„Wir werden die Schrecken des 7. Oktober niemals vergessen“, sagte Generalstaatsanwalt Tim Griffin. Cole Jester, als Secretary of State des Bundesstaats unter anderem für die Wahlen zuständig, lobte Sanders als eine der entschiedensten Fürsprecherinnen Israels unter den amerikanischen Gouverneuren. Gastgeber Jason Rapert, Gründer und Präsident des Abgeordnetenverbands, erinnerte an den biblischen Auftrag, für den Frieden Jerusalems zu beten (Psalm 122,6). Israel zu unterstützen heiße auch, dem Antisemitismus entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass die Gräueltaten des 7. Oktober weder vergessen noch verfälscht würden.

„Manche versuchen, die Geschichte umzuschreiben“

Ein Leitmotiv der Feier war die Sorge, die Erinnerung an das Massaker könne verdreht werden. Adi Farjon Israel, israelische Generalkonsulin für den Südwesten der USA, erinnerte daran, dass 2024 mehr als 100 Abgeordnete aus Arkansas im Kapitol Aufnahmen gesehen hatten, die die Terroristen am 7. Oktober selbst gefilmt hatten. „Das ist wichtig, denn drei Jahre später versuchen manche, umzuschreiben, was am 7. Oktober geschah“, sagte sie. Zugleich lobte sie das Parlament von Arkansas, das 2025 die Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) gesetzlich verankert hat. Albert Veksler, einer der Leiter des Jerusalem Prayer Breakfast, beklagte, während das jüdische Volk leide, feiere die Welt und rufe „From the river to the sea“, eine Parole, die Israel das Existenzrecht abspricht.

Huckabees Argument: Israel unter Sonderbeobachtung

Seine Haltung hatte Huckabee bereits vor dem Jahrestag in einem Interview mit dem baptistischen Nachrichtendienst Baptist Press erläutert. „Israel wird an einem Maßstab gemessen, an dem noch nie jemand gemessen wurde“, sagte er. Die Völkermord-Vorwürfe gegen Netanyahu und andere israelische Politiker wies er als Unsinn zurück. Das Leid der Zivilisten im Gazastreifen bestritt er nicht: „Es ist entsetzlich. Ich glaube, man kann es nicht anders beschreiben.“ Die Tragödie liege aber darin, dass die Hamas den Krieg verlängert habe. „Die ganze Sache wäre am 8. Oktober vorbei gewesen, wenn die Hamas die Geiseln freigelassen hätte.“ Huckabee, nach eigenen Worten der erste evangelikale Botschafter der USA in Israel, betonte zugleich, wie wohl er sich als Christ im Land fühle. „Jesus, mein Erlöser, war Jude.“

Der Hintergrund: Ein Vorwurf mit neuer Wucht

Huckabees Worte fallen in eine Woche, in der die Völkermord-Debatte neue Nahrung erhalten hat. Am Freitag erhielt die südafrikanische Juristin Navi Pillay den Friedensnobelpreis. Pillay hatte die Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats zu Israel und den palästinensischen Gebieten geleitet, die im September 2025 zu dem Schluss kam, Israel begehe im Gazastreifen einen Völkermord. Die Kommission warf auch Präsident Isaac Herzog, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und dem früheren Verteidigungsminister Yoav Gallant vor, zum Völkermord aufgestachelt zu haben. Israel weist das entschieden zurück und hält der Kommission Voreingenommenheit vor.

Entsprechend scharf fiel die Reaktion auf die Preisvergabe aus. Von israelischer Seite war von einer „grotesken Instrumentalisierung“ des Friedensnobelpreises die Rede. US-Präsident Donald Trump verbreitete auf seiner Plattform Truth Social einen Beitrag, in dem Pillay als „unverhohlene Hasserin Amerikas und Israels“ bezeichnet wurde. Das Nobelkomitee habe sich „unwiderruflich blamiert“.

Wie aufgeladen die Debatte ist, zeigen auch die Zahlen. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium in Gaza spricht von mehr als 74.000 Toten, unterscheidet dabei aber nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Israel verweist darauf, dass die Hamas aus Wohngebieten heraus kämpfte und Zivilisten als Schutzschilde missbrauchte. Für Huckabee und die Gastgeber in Little Rock steht fest: Der Krieg begann mit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober, und diese Erinnerung darf nicht verdreht werden.

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