Älter als Hiskia und eine jahrhundertealte Rätselburg: Was Archäologen in der City of David präsentierten

Einmal im Jahr öffnet sich unter den Straßen des modernen Jerusalem ein Fenster in die biblische Vergangenheit der Stadt: Bei der jährlichen Konferenz der City of David Anfang September stellten Archäologen neue Funde und frische Analysen älterer Ausgrabungen vor, die das wissenschaftliche Bild vom antiken Jerusalem weiter schärfen. Die City of David, südlich der Altstadt und topografisch unterhalb des Tempelbergs gelegen, gilt allgemein als das eigentliche Stadtzentrum des biblischen Jerusalem. Unter den vorgestellten Funden waren königliche Tonsiegel mit biblischen hebräischen Namen, eine Zerstörungsschicht aus der Zeit der babylonischen Eroberung von 586 vor unserer Zeitrechnung, Münzen aus der Zeit des Zweiten Tempels mit der Aufschrift „Für die Freiheit Zions“ sowie Pfeilspitzen aus seleukidischen Kampfhandlungen.

Das Rätsel um die Akra

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Vortrag von Dr. Ayala Zilberstein zur Akra, jener berüchtigten seleukidischen Festung, gegen die sich die Hasmonäer jahrelang vergeblich abmühten. Ihr genauer Standort ist unter Archäologen seit Langem umstritten, antike wie moderne Quellen verorten sie an unterschiedlichen Stellen der Stadt. Zilberstein plädierte auf Grundlage der Grabungen am Givati-Parkplatz für eine Lage unterhalb des Tempelbergs mit Blick über die untere Stadt. Ihr Vortrag beleuchtete zugleich einen grundlegenden Unterschied zwischen den beiden zentralen Bereichen des antiken Jerusalem in der Zeit des Ersten und Zweiten Tempels, getrennt durch die Zerstörung des Ersten Tempels und das babylonische Exil: dem heiligen Bezirk auf dem Berg Moria, wo sich der Tempel und der religiöse Betrieb konzentrierten und sich an den drei Wallfahrtsfesten große Pilgermassen versammelten, sowie der eigentlichen Wohnstadt mit ihren Häusern, Straßen, Märkten und der alltäglichen Infrastruktur.

Ein Wassersystem, älter als gedacht

Dr. Eli Shukrun knüpfte an die überraschende Neudatierung des Teichs von Schiloach aus dem Vorjahr an und legte Hinweise darauf vor, dass Teile des jerusalemer Wassersystems bis zu einem Jahrhundert älter sein könnten als bislang angenommen, und damit älter als König Hiskia, dem der berühmte Tunnel traditionell zugeschrieben wird. Konkreten Rückenwind erhielt diese Neubewertung bereits im März, als ein gemeinsames Team der israelischen Altertümerbehörde und des Weizmann-Instituts im Fachjournal PNAS einen monumentalen, im Schiloach-Teich freigelegten Staudamm auf die Zeit der judäischen Könige Joasch oder Amazja datierte, rund 805 bis 795 vor unserer Zeitrechnung, möglicherweise als Reaktion auf eine damalige Klimakrise errichtet. Die neuen Erkenntnisse verändern das Verständnis der jerusalemer Tunnel- und Wasserwerke grundlegend, bislang wurden sie meist ausschließlich mit den Vorbereitungen auf die assyrische Bedrohung am Ende des achten vorchristlichen Jahrhunderts in Verbindung gebracht. Zugleich untersuchen Forscher nun, ob benachbarte Anlagen durch Erdbeben zerstört wurden, darunter möglicherweise jenes im biblischen Buch Amos erwähnte Beben.

Wege zum Tempel

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Südmauer des Tempelbergs, an der im vergangenen Jahr intensiv gegraben wurde. Unter Leitung von Prof. Ronny Reich, gemeinsam mit Dr. Yuval Baruch und Esther Rakov Mellet, gehen die Forscher unter anderem der Frage nach, wie dieser Bereich den enormen Pilgeransturm zu den Festen bewältigte, wo sich Geschäfte befanden und wie Opfertiere in den Tempelbezirk gelangten. Dr. Nachshon Szanton stellte gemeinsam mit Dr. Joe Uziel und Ari Levi Untersuchungen zu den Straßen vor, die vom Teich und dem unteren Tor in Richtung Stadt führten, unter dem Titel „Zwischen dem Heiligen und dem Profanen“: Eine monumentale Straße führte Pilger zu den südlichen Toren des Tempelbergkomplexes, eine zweite Route zweigte Richtung Nordwesten in die gewöhnlicheren Straßen der Oberstadt ab.

Nach den Vorträgen brachten Shuttlebusse die Teilnehmer zurück ins moderne Jerusalem, wo an diesem Abend zahlreiche Juden auf dem Weg zur Klagemauer waren, um die Selichot-Gebete vor den Hohen Feiertagen zu sprechen, ein Zusammentreffen von archäologischer Vergangenheit und gelebter Gegenwart, das die Konferenz in gewisser Weise selbst verkörpert.

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