26,5 Millionen Kilo statt Müll: Wie Israel Lebensmittel rettet
Kurz vor Rosch Haschana zieht die israelische Organisation Leket Israel Bilanz. Mehr als 26,5 Millionen Kilogramm frisches Obst und Gemüse wurden innerhalb eines Jahres vor der Verschwendung bewahrt. Dazu kommen mehr als zwei Millionen gekochte Mahlzeiten. Hinter den großen Zahlen stehen Bauern, freiwillige Helfer und ein erstaunlich einfaches Prinzip: Lebensmittel, die noch gut sind, sollen auf dem Teller landen und nicht im Müll.
Tomaten, Melonen oder Auberginen, die nicht verkauft werden. Obst, das auf einem Feld übrig bleibt. Fertig gekochte Mahlzeiten aus Großküchen, für die es am Ende eines Tages keine Abnehmer mehr gibt.
Ein großer Teil dieser Lebensmittel wäre normalerweise verloren.
Leket Israel versucht, genau an dieser Stelle einzugreifen. Zum Beginn des neuen jüdischen Jahres hat die Organisation nun Zahlen für den Zeitraum von Rosch Haschana bis Rosch Haschana veröffentlicht.
Demnach wurden innerhalb eines Jahres 26.538.332 Kilogramm frische landwirtschaftliche Erzeugnisse gerettet. Hinzu kamen 2.095.067 bereits gekochte Mahlzeiten.
Lebensmittel sind da, erreichen aber nicht jeden
Das Problem ist nicht, dass in Israel grundsätzlich zu wenig Nahrung vorhanden wäre. Gleichzeitig werden jedoch jedes Jahr enorme Mengen weggeworfen oder gar nicht erst geerntet.
Nach Untersuchungen zur Lebensmittelverschwendung gingen allein 2024 in Israel rund 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren. Der geschätzte Wert lag bei mehr als 26 Milliarden Schekel. Ein erheblicher Teil davon wäre noch für den menschlichen Verzehr geeignet gewesen.
Genau darin liegt das Prinzip der Lebensmittelrettung.
Überschüsse von Bauernhöfen und Packstationen werden eingesammelt. Gekochte Mahlzeiten kommen unter anderem aus Hotels, Großküchen und anderen Einrichtungen. Anschließend werden die Lebensmittel über soziale Einrichtungen an Menschen weitergegeben, die Unterstützung benötigen.
So verbindet sich ein ökologisches Problem mit einem gesellschaftlichen.
Fast 96.000 Menschen helfen mit
Bemerkenswert ist dabei eine weitere Zahl: 95.851 freiwillige Helfer beteiligten sich im vergangenen Jahr an den Aktivitäten von Leket Israel.
Einige helfen bei der Ernte auf Feldern. Andere sortieren Obst und Gemüse in Logistikzentren oder unterstützen bei der Verteilung.
Gerade für Israels Landwirtschaft ist diese Hilfe in den vergangenen Jahren wichtiger geworden. Seit Oktober 2023 unterstützen Freiwillige regelmäßig Betriebe, denen zeitweise Arbeitskräfte fehlten. Allein 2025 halfen nach Angaben von Leket Israel rund 74.000 Freiwillige direkt israelischen Bauern.
Was auf einem Feld beginnt, kann so wenige Tage später bei einer Familie, einem älteren Menschen oder einem Kind auf dem Teller liegen.
Wenn aus Überschuss eine Mahlzeit wird
Die Lebensmittel werden nicht direkt von Leket Israel an einzelne Haushalte verteilt. Die Organisation arbeitet mit Hunderten sozialen Einrichtungen und Hilfsorganisationen im ganzen Land zusammen.
Auch im Norden wurde das Netzwerk zuletzt ausgebaut. Ein neues Verteilzentrum in der Region Karmiel versorgt unter anderem ältere Menschen in Karmiel, Akko und den Krayot mit warmen Mahlzeiten und anderen Lebensmitteln.
Insgesamt erreicht das Netzwerk nach Angaben der Organisation jede Woche Hunderttausende Menschen.
Dabei geht es nicht darum, irgendwelche Lebensmittel weiterzugeben. Der Schwerpunkt liegt bewusst auf frischem Obst, Gemüse und vollwertigen Mahlzeiten.
Ein passendes Bild zum neuen Jahr
Rosch Haschana ist auch die Zeit voller Festtagstische. Äpfel mit Honig, Granatäpfel, Brot und gemeinsame Mahlzeiten gehören fest zum jüdischen Neujahrsfest.
Die Zahlen von Leket Israel zeigen jedoch auch eine andere Seite des Essens: Während an einem Ort etwas übrig bleibt, fehlt es an einem anderen.
Mehr als 26,5 Millionen Kilogramm Obst und Gemüse haben im vergangenen Jahr deshalb ihren Weg nicht in die Entsorgung, sondern weiter auf einen Teller gefunden.
Vielleicht ist das eine der ganz praktischen Formen eines guten neuen Jahres: Nicht mehr produzieren, sondern mit dem, was bereits vorhanden ist, verantwortungsvoller umgehen.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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