Drei Unbekannte vor den Feiertagen: Warum Israel seine Wachsamkeit gerade jetzt erhöht

Israels Sicherheitsapparat hat seine Bereitschaft angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran in den vergangenen Tagen noch einmal spürbar verschärft. Bereits in den vergangenen Wochen war die Wachsamkeit hoch, im Vorfeld der jüdischen Feiertage wurde sie nun zusätzlich angehoben, wie N12 am Donnerstagabend berichtete.

In sicherheitspolitischen Beratungen der vergangenen 24 Stunden wurden konkrete Szenarien benannt, die zu einer Eskalation führen könnten. An erster Stelle steht die Sorge, iranische Raketenangriffe auf Ziele in Jordanien könnten die USA und die Region in einen sich verschärfenden Schlagabtausch hineinziehen, bei dem auch Streufeuer nach Israel gelangen könnte. Als weitere mögliche Auslöser wurden die schwere wirtschaftliche Lage im Iran infolge der amerikanischen Blockade sowie die israelische Operation am Ali-Taher-Grat im Libanon genannt, über die bereits berichtet wurde.

Die erhöhte Bereitschaft gilt jeder denkbaren Entwicklung. Zu den Sorgen zählen sowohl mögliche Raketenangriffe auf israelisches Gebiet als auch Anschlagsversuche gegen israelische oder jüdische Ziele im Ausland. Im Sicherheitsapparat wurde nach eigenen Angaben derzeit jedoch keine konkrete, unmittelbare Bedrohung für Israel identifiziert, die Öffentlichkeit solle bei jeder Änderung der Lage informiert werden.

Iran soll Raketenproduktion wieder aufgenommen haben

Bereits am Donnerstagmorgen hatten hochrangige amerikanische und nahöstliche Vertreter berichtet, der Iran habe die Produktion ballistischer Raketen in unterirdischen Anlagen unter Nutzung vorhandener Bauteillager wieder aufgenommen, wie zunächst das Wall Street Journal berichtete. Geheimdienstinformationen deuteten auf Aktivität an mehreren unterirdischen Standorten hin, darunter die Raketenanlage Chojir im Südosten des Landes. Allerdings montiere der Iran die neuen Raketen überwiegend aus bereits vorhandenen Komponenten, in geringeren Stückzahlen als vor dem Krieg.

Ein Vertreter des Weißen Hauses ging nicht direkt auf die Frage ein, ob Teheran die Produktion ballistischer Raketen wieder aufgenommen habe, erklärte jedoch, Irans Nuklearanlagen seien zerstört und seine Streitkräfte schwer getroffen worden. „Der Iran ist derzeit schwächer als je zuvor, und Präsident Trump wird niemals zulassen, dass der Iran Atomwaffen besitzt“, sagte er.

Bauaktivität am „Spitzhacken-Berg“

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte zudem mit, sie habe Bautätigkeit am Berg Kuh-e Kolang Gaz La festgestellt, im Englischen meist „Pickaxe Mountain“ genannt, einer unterirdischen Tunnelanlage rund zwei Kilometer südlich der Urananreicherungsanlage Natanz. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi sagte dazu in einem Interview mit Bloomberg, es gebe „Anzeichen für Bewegung rund um diese Baustelle“, fügte jedoch hinzu: „Wir haben keine konkreten Informationen darüber, welche Aktivitäten dort stattfinden könnten.“ Die Anlage wurde nach IAEA-Angaben trotz wiederholter Anfragen nie von Inspektoren betreten, sämtliche Einschätzungen stützen sich ausschließlich auf Satellitenbilder.

Nach einem Bericht von CNN vom Vortag zeigen Satellitenaufnahmen, die über die vergangenen sechs Jahre ausgewertet wurden, im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Bautätigkeit am Berg. Die Aufnahmen stammen vom Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) in Washington, das die Entwicklung nach eigener Einschätzung als Verschiebung von aktiven Ausschachtungsarbeiten hin zu vermutlich innerem Ausbau und fortgesetzter äußerer Befestigung des in Granit gehauenen, besonders schwer angreifbaren Komplexes beschreibt. Offen bleibt weiterhin der Verbleib von rund 440,9 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran, das seit den Angriffen im vergangenen Jahr als unauffindbar gilt.

Die Anlage gilt als besonders heikel, weil ihre massive Felsüberdeckung sie selbst für die stärksten konventionellen amerikanischen bunkerbrechenden Waffen kaum erreichbar macht, ein Umstand, der die Anlage von Beginn an zum zentralen Streitpunkt zwischen Teheran und den westlichen Verhandlungspartnern gemacht hat. Der Iran bestreitet, dort nukleare Aktivitäten zu betreiben, und wirft Washington vor, das Bauwerk als Vorwand für weitere militärische Schritte zu instrumentalisieren.

Für Israel fügen sich die drei Entwicklungen dieser Woche, die erhöhte Wachsamkeit vor den Feiertagen, die Berichte über eine iranische Wiederaufnahme der Raketenproduktion und die neue Bautätigkeit am Pickaxe Mountain, zu einem Gesamtbild zusammen, das trotz fehlender akuter Bedrohung wenig Anlass zur Entspannung bietet.

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