Ein König, ein messianischer Anwärter und ein auffälliger Frauenmangel: Israels 38 Parteien vor der Wahl

Mit der Einreichungsfrist am Dienstagabend steht das Feld für die Knesset-Wahl am 27. Oktober endgültig fest: 38 Parteien haben ihre Kandidatenlisten eingereicht. Zu den letzten Einreichungen zählten neben der Regierungspartei Likud auch die beiden ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Thora-Judentum, die rechtsextreme Partei Religiöser Zionismus sowie die wiedervereinigte, überwiegend arabische Gemeinsame Liste. Trotz wochenlanger Spekulation über mögliche Fusionen blieb das politische Bild am Ende weitgehend unverändert, weiterhin gleichauf zwischen den Lagern für und gegen Ministerpräsident Netanyahu.

Auffällig ist, wer auf den Listen fehlt: Beim Likud finden sich unter den ersten 30 Kandidaten nur vier Frauen, Schas und das Vereinigte Thora-Judentum stellen wie bei jeder Wahl überhaupt keine Kandidatinnen, bei Religiöser Zionismus steht unter den ersten sechs Plätzen nur eine Frau, bei der Gemeinsamen Liste erst auf Platz acht. Ganz anders bei den größten Oppositionsparteien: Yashar, B’Yachad und die Demokraten haben jeweils fünf Frauen unter ihren ersten zehn Kandidaten, auch die Netanyahu-nahe neue Partei „Volk Israel“ von Ofer Winter platziert drei Frauen unter den ersten fünf.

Neben den aussichtsreichen Parteien reichten auch zahlreiche chancenlose Kleingruppierungen Listen ein, darunter die Partei „Garten Eden“, angeführt offenbar von einem messianischen Juden namens Yeshua Ben David, sowie die Partei Scharschar, deren Vorsitzender mit Krone und Robe zur Anmeldung erschien und sich selbst als König vorstellte.

Umbruch bei den ultraorthodoxen Parteien

Bei Schas behielt Parteichef Aryeh Deri den Spitzenplatz, bemerkenswert ist jedoch die Aufnahme von Reserve-Major Dror Amos, Vorsitzender des religiösen Rats von Haifa, auf Platz sechs, ein erkennbarer Versuch der Partei, ihr Image nach dem entschiedenen Widerstand gegen die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe durch einen aktiven Reservisten zu moderieren. Abgeordneter Yinon Azoulay rückte von Platz sieben auf Platz zwei vor. Schas wird in Umfragen mit sieben bis acht Sitzen gehandelt, weniger als die aktuellen elf.

Noch dramatischer war der Umbruch beim Vereinigten Thora-Judentum: Die langjährigen Abgeordneten Moshe Gafni und Uri Maklev flogen beide von der Liste, nachdem es der Partei nicht gelungen war, eine weitreichende Befreiung ultraorthodoxer Männer vom Wehrdienst gesetzlich durchzusetzen. Abgeordneter Yaakov Asher übernahm von Gafni den Vorsitz der Fraktion Degel HaTora und führt nun die gemeinsame Liste an. Die Partei wird mit rund acht Sitzen erwartet.

Sukkot fällt zurück, Feiglin steigt auf

Bei Religiöser Zionismus führt weiterhin Finanzminister Bezalel Smotrich die Liste an, gefolgt von Siedlungsministerin Orit Strock und Verfassungsausschussvorsitzendem Simcha Rothman. Auf Platz sechs und damit auf einem kaum aussichtsreichen Platz landete der bisherige Abgeordnete Zvi Sukkot, dessen faktische Abschiebung nach hinten mit mehreren jüngeren Kontroversen in Verbindung gebracht wird, darunter, wie bereits berichtet, seine eigenmächtige Zerstörung eines palästinensischen Denkmals im Dorf Madama während eines von der Armee begleiteten Besuchs. Die Liste enthielt zunächst nur Kandidaten von Religiösem Zionismus, laut der vereinbarten Fusion soll der frühere Abgeordnete Moshe Feiglin auf der gemeinsamen Liste den zweiten Platz erhalten.

Blau-Weiß kämpft ums Überleben, die Gemeinsame Liste kehrt zurück

Benny Gantz‘ Partei Blau-Weiß reichte nach einer Serie von Parteiaustritten eine stark veränderte Liste ein, angeführt weiterhin von Gantz selbst, gefolgt unter anderem von der früheren Bürgermeisterin von Beit Schemesch, Aliza Bloch, die erst am Montag zur Partei gestoßen war. Die Fraktion ist binnen eines Jahres von acht auf drei Abgeordnete geschrumpft, mehrere frühere Mitglieder wechselten zu Gadi Eisenkots Yashar. In Umfragen verfehlt Blau-Weiß durchgehend deutlich die Sperrklausel, andere Oppositionsparteien hatten Gantz wiederholt gebeten, gar nicht erst anzutreten, um keine Stimmen zu verschwenden.

Nach Jahren der Spaltung kehrte zudem die Gemeinsame Liste zurück, ein Zusammenschluss der überwiegend arabischen Parteien Hadasch, Ta’al und Balad, angeführt von Hadasch-Chef Yousef Jabareen, gefolgt vom langjährigen Ta’al-Vorsitzenden Ahmad Tibi und Balad-Chef Sami Abou Shahadeh. Die islamistische Partei Ra’am, die auch den jüdischen Kandidaten Yoav Segalovitz aufstellte, bleibt außerhalb des Bündnisses. Umfragen sehen die Gemeinsame Liste bei sieben bis neun Sitzen.

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