Jahrzehntelang verborgen: In Tel Afek öffnet sich ein Stück israelischer Geschichte

Ein unterirdischer Wasserspeicher, historische Pumpanlagen und eine Leitung, die einst Jerusalem mit Wasser versorgte: Im Yarkon-Nationalpark bei Tel Afek ist nach umfangreichen Arbeiten ein ungewöhnlicher Teil israelischer Geschichte wieder für Besucher zugänglich. Gerade jetzt im Sommer ist daraus ein interessantes neues Ausflugsziel geworden.

Wer durch den Yarkon-Nationalpark bei Tel Afek spaziert, sieht zunächst viel Grün, Wasser und die alte Festung über der Landschaft. Doch ein spannender Teil der Geschichte dieses Ortes liegt unter der Erde.

Nach jahrzehntelanger Schließung wurde das historische Wasserwerk von Tel Afek für Besucher neu zugänglich gemacht. Besonders ungewöhnlich ist der große unterirdische Wasserspeicher, der nun erstmals regulär von der Öffentlichkeit betreten werden kann.

In den vergangenen zwei Jahren wurden Wege angelegt, historische Anlagen restauriert und das Gelände für Besucher erschlossen.

Als Jerusalem dringend Wasser brauchte

Die Geschichte führt zurück in die 1930er-Jahre während der britischen Mandatszeit.

Jerusalem wuchs und damit auch der Wasserbedarf der Stadt. Die Quellen des Yarkon bei Rosh HaAyin lieferten ganzjährig große Mengen Wasser. Die Briten errichteten deshalb ein System aus Sammelbecken, Filtern, Chlorierungsanlagen, Pumpstationen und einem großen unterirdischen Reservoir.

Von Tel Afek aus wurde das Wasser über eine rund 62,5 Kilometer lange Leitung nach Jerusalem gepumpt. Mehrere Pumpstationen entlang der Strecke mussten dabei den erheblichen Höhenunterschied überwinden. 1936 nahm die Anlage ihren Betrieb auf.

Was heute selbstverständlich klingt, war damals ein technisches Großprojekt.

Wasser wurde gesammelt und gereinigt, in das unterirdische Reservoir geleitet und anschließend in Richtung Jerusalemer Berge gepumpt. Teile der Gebäude blieben im Nationalpark erhalten. Viele Besucher liefen jedoch jahrzehntelang daran vorbei, ohne den gesamten Zusammenhang zu kennen.

Das soll sich nun ändern.

Hinunter in den alten Wasserspeicher

Der Höhepunkt des neuen Rundgangs liegt unter der Erde. Besucher können in den großen historischen Wasserspeicher hinabsteigen, der lange Zeit nicht öffentlich zugänglich war.

Entlang des Weges wurden Toninstallationen, Wassereffekte und Informationen in Hebräisch, Arabisch und Englisch eingerichtet. Teilweise wurden sogar historische Wasserrohre in die neue Gestaltung integriert.

Dabei wird nicht nur die technische Geschichte der Anlage erzählt. Thematisiert wird auch, welche Auswirkungen die intensive Wasserentnahme auf den Yarkon hatte und wie der Fluss später ökologisch wiederhergestellt wurde.

Damit bekommt ein Ausflug nach Tel Afek noch eine zusätzliche Ebene. Es geht nicht nur um alte Technik, sondern um eine Frage, die Israel bis heute begleitet: Wie geht ein trockenes Land mit seiner vielleicht wichtigsten Ressource um?

Viel mehr als ein altes Wasserwerk

Tel Afek ist ohnehin einer dieser Orte, an denen unterschiedliche Epochen auf erstaunlich engem Raum zusammentreffen.

Der Ort lag an einem strategisch wichtigen Durchgang entlang der alten Via Maris. Über dem heutigen Park steht die Festung von Tel Afek, die in der osmanischen Zeit im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Daneben finden sich archäologische Überreste wesentlich älterer Siedlungen.

Heute ist das Gebiet zugleich ein erstaunlich grüner Fleck mitten in einer dicht besiedelten Region Israels.

Zum Nationalpark gehören Wasserflächen, ein künstlicher See, Picknickbereiche, Spazierwege und Lebensräume für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Von der Festung blickt man über das Gebiet rund um Rosh HaAyin und die Quellen des Yarkon.

Nun kommt das historische Wasserwerk als weiteres Erlebnis hinzu.

Schon jetzt für Besucher geöffnet

Wer in den kommenden Wochen in Israel unterwegs ist, kann das neue Angebot bereits nutzen.

Für Ende August sowie im September und Oktober sind regelmäßig geführte Besichtigungen vorgesehen. Unter der Woche ist teilweise eine vorherige Anmeldung erforderlich. Für den Besuch des Wasserwerks selbst wird kein zusätzlicher Eintritt verlangt, bezahlt wird lediglich der reguläre Eintritt in den Nationalpark.

So wird aus einem Spaziergang am Wasser plötzlich eine kleine Reise in die Vergangenheit. Nur wenige Meter unter der Erde steht man in einem Reservoir, das vor rund 90 Jahren dazu beitrug, Jerusalem mit Wasser zu versorgen.

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