Eine Woche, mehr als 1.500 Patienten: Israelische Augenärztin auf Rettungsmission in Äthiopien
Manche Zahlen erzählen eine ganze Geschichte. Diese lautet: mehr als 1.500 Menschen in einer einzigen Woche. Dr. Nayrouz Badir, Assistenzärztin in der Augenabteilung des Bnai-Zion-Medizinzentrums in Haifa, hat an einer humanitären Delegation nach Äthiopien teilgenommen und dort gemeinsam mit einem israelischen Ärzteteam Untersuchungen, Diagnosen und Behandlungen geleistet, in Regionen, in denen der Zugang zu moderner Augenheilkunde nahezu nicht existiert.
Wo es keinen Augenarzt gibt
Die Delegation reiste im Rahmen der Organisation Operation Ethiopia unter Leitung von Professor Morris Hartstein, begleitet von weiteren israelischen Augenärzten und Freiwilligen. Gearbeitet wurde an zwei zentralen Standorten in Äthiopien, wo die örtliche Bevölkerung keine augenmedizinische Versorgung erreichen kann.
Das Team führte umfassende Untersuchungen durch und behandelte Hunderte Kinder und Erwachsene. Unter den schwerwiegendsten Befunden waren komplexe Augeninfektionen und weit fortgeschrittener Grauer Star, der ohne Behandlung zu erheblicher Sehbeeinträchtigung führt.
Der Einsatz endete nicht mit der Abreise. Die Ärzte nahmen eine medizinische Sichtung der diagnostizierten Patienten vor. In den kommenden Monaten soll eine eigene Folgedelegation nachkommen und bei jenen operieren, die dafür in Frage kommen.
„Behandlung, Hoffnung, eine Möglichkeit“
Dr. Badir beschreibt den Einsatz als prägend, beruflich wie menschlich: „Wir trafen Patienten, die bis heute keinen grundlegenden Zugang zur Augenheilkunde hatten, und wir hatten die Gelegenheit, ihnen Behandlung, Hoffnung und die Möglichkeit einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität zu geben. Das ist eine Erinnerung daran, wie wichtig die Medizin ist, und daran, dass sie Grenzen überschreiten und überall dorthin gelangen kann, wo sie gebraucht wird.“
Professor Nitza Goldenberg-Cohen, Leiterin der Augenabteilung am Bnai-Zion-Medizinzentrum, ordnet die Reise in das Selbstverständnis des Hauses ein: „Die Tätigkeit von Dr. Nayrouz Badir im Rahmen der humanitären Delegation drückt die Werte aus, die unsere Augenabteilung und das Medizinzentrum leiten: medizinische Exzellenz, Verpflichtung und gesellschaftliche Verantwortung. Die Fähigkeit, medizinische Versorgung für Bevölkerungsgruppen zu leisten, die keinen Zugang zu lebenswichtigen Diensten haben, ist untrennbarer Teil unseres Auftrags als Ärzte. Wir sind stolz auf Dr. Badir, auf ihr eindrucksvolles Wirken und auf die würdige Vertretung unseres Hauses.“
Ein Familienprojekt, das zur Organisation wurde
Hinter Operation Ethiopia steht eine Geschichte, die vor über einem Jahrzehnt begann. Professor Hartstein, leitender Spezialist für Okuloplastik am Schamir-Medizinzentrum, also für die plastische und rekonstruktive Chirurgie an Lidern und Augenhöhle, reist seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau Elisa nach Äthiopien. Was als Familienprojekt anfing, wurde zu einer tätigen Organisation.
Wie diese Einsätze aussehen, zeigt die Delegation vom Sommer 2025: 1.653 Patienten in sechs Tagen, darunter 500 Kinder, dazu 440 ausgegebene Brillen und mobile Augenkliniken an vier Standorten. Behandelt wurden auch Flüchtlinge und Mitglieder der jüdischen Gemeinde. In einem der Lager stand ein älterer Mann nach seiner Behandlung vor dem Team, der jahrelang schlecht gesehen hatte. Er segnete die Ärzte auf Amharisch, und trotz aller Sprachbarrieren verstand jeder, was er sagen wollte. In der jüdischen Gemeinde, wo rund 200 Augenuntersuchungen anstanden, fiel mitten am Tag der Strom aus. Das Team arbeitete bei Taschenlampenlicht weiter, Patient für Patient, bis zum Abend.
Das Bnai-Zion-Medizinzentrum kündigte an, hochwertige und fortschrittliche Medizin auch künftig mit gesellschaftlichem und humanitärem Wirken zu verbinden, im eigenen Land und in der Welt.
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