Blog

08 Aug 2026

„Islamische NATO“? Drei sunnitische Schwergewichte schließen ein Verteidigungsbündnis

In Dschidda entsteht an diesem Freitag eine Konstellation, die die Kräfteverhältnisse in der Region verschieben könnte. Die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan unterzeichnen ein gemeinsames Verteidigungsabkommen. Das berichten Reuters und AFP unter Berufung auf regionale Quellen mit direkter Kenntnis des Vorgangs; ein türkischer Regierungsvertreter bestätigte die Unterzeichnung.

Zusammen kommen dort drei Staaten, deren Gewicht sich kaum überschätzen lässt: die Türkei als NATO-Mitglied, Saudi-Arabien als einer der größten Ölexporteure der Welt und stärkster Golfstaat, und Pakistan als einziges muslimisches Land mit Atomwaffen. Kronprinz Mohammed bin Salman empfängt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie Pakistans Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif, begleitet von Armeechef Asim Munir. Sharif und Munir reisten am Donnerstag an.

Was den Zeitpunkt erklärt

Verhandelt wurde fast ein Jahr lang, doch der Anlass für die Eile liegt auf der Hand. „Es stand lange zur Diskussion, aber die jüngsten Entwicklungen in der Region haben es beschleunigt“, sagte eine Quelle aus dem saudischen Regierungsumfeld gegenüber AFP.

Gemeint ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran, der die Golfstaaten in seinen Sog gezogen und ihre sicherheitspolitische Verwundbarkeit offengelegt hat. Kuwait, Bahrain, Katar und die Emirate stehen seit Monaten unter iranischem Beschuss, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und das Rote Meer ist gestört. Riad warnt zugleich vor einer wachsenden Bedrohung durch vom Iran unterstützte Gruppen.

Grundlage ist ein bestehendes Abkommen: Im September 2025 unterzeichneten Saudi-Arabien und Pakistan einen Vertrag über gegenseitige Verteidigung, der einen Angriff auf einen der beiden als Angriff auf beide behandelt, ähnlich dem Artikel 5 der NATO, und ausdrücklich „alle militärischen Mittel“ umfasst. Nach Angaben von N12 wollte die Türkei Anfang 2026 beitreten, Riad lehnte damals ab und bestand darauf, dass das Abkommen bilateral bleibe. Nun kommt sie doch dazu.

Über die konkreten Verpflichtungen der einzelnen Staaten ist bislang nichts bekannt. In strategischen Kreisen kursiert das Schlagwort einer „islamischen NATO“. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif hatte im Mai angedeutet, das Bündnis könne künftig auch Katar umfassen, mit dem erklärten Ziel, „die Abhängigkeit von außerhalb der Region zu verringern“.

Was das für Israel bedeutet

Für Jerusalem ergibt sich ein zwiespältiges Bild, und beide Seiten wiegen schwer.

Einerseits kann ein starker sunnitischer Block, der der iranischen Aggression entschlossen entgegentritt, dem gemeinsamen Interesse dienen, Teheran und seine Stellvertreter einzudämmen. Zwei der drei Staaten agieren derzeit als Vermittler: Pakistan zwischen Washington und Teheran, die Türkei in der Gaza-Frage.

Andererseits sitzt mit der Türkei ein Land in diesem Bündnis, dessen Präsident einen offen feindseligen Kurs gegenüber Israel fährt. Erst vor Wochen forderte Jerusalem die NATO-Staaten auf, Äußerungen des türkischen Außenministers über Israel zu verurteilen. Zusammen mit einer Atommacht wie Pakistan entsteht ein regionaler Machtblock, der Israels militärischen und diplomatischen Handlungsspielraum einengen, regionale Initiativen erschweren und neuen strategischen Druck aufbauen könnte.

Bemerkenswert ist auch, was diese Entwicklung über die amerikanische Rolle sagt. Als Saudi-Arabien und Pakistan im vergangenen September ihr Abkommen schlossen, geschah das vor dem Hintergrund wachsender Zweifel der Golfstaaten an den Sicherheitsgarantien Washingtons. Diese Zweifel sind seither nicht kleiner geworden. Wer sich absichert, tut das üblicherweise, weil er dem bisherigen Schutz nicht mehr vollständig traut.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Related Posts