Leere Depots, volle Drohungen: Warum Amerikas Munitionsbestand die Verhandlungen prägt
Es ist eine Zahl, die den Ton dieses Konflikts erklärt. Nach einem CNN-Bericht hat das US-Militär seit Kriegsbeginn im Februar knapp 80 Prozent seiner THAAD-Abfangraketen verbraucht und rund die Hälfte der Patriot-Bestände. Ranghohe Kommandeure warnen intern, die Munitionsvorräte des Pentagons seien „gefährlich niedrig“. Vor dem Krieg verfügten die USA nach Schätzung des Washingtoner Instituts CSIS über rund 2.200 Patriots der modernsten Varianten und 452 THAAD-Raketen.
Der Nachschub hält nicht Schritt. Nach den laufenden Lieferplänen erhält das Pentagon monatlich etwa 15 Tomahawks und 20 Patriot-Raketen. Um die THAAD-Bestände auf Vorkriegsniveau zu bringen, veranschlagt CSIS drei Jahre oder mehr. Auch die Vorräte an weitreichenden Präzisionsraketen sind nach dem Bericht weitgehend aufgebraucht, der Tomahawk-Bestand ist auf etwa die Hälfte geschrumpft.
Verteidigungsminister Pete Hegseth widersprach dem Bericht scharf: „Diese Einblendung ist NICHT WAHR, CNN. Schämt euch.“ Trump selbst wies die Darstellung ebenfalls zurück.
Warum die Zahlen politisch wiegen
Der Zusammenhang zur Diplomatie liegt auf der Hand, und CNN benennt ihn: Die schwindenden Bestände wurden erneut zur Sprache gebracht, bevor Trump am Wochenende die geplanten Angriffe absagte. Militärische Berater verwiesen zugleich auf die Folgen von Schlägen gegen Irans kritische Infrastruktur, während die Golf-Verbündeten iranische Vergeltung gegen ihr eigenes Gebiet fürchten. Genau diese Staaten sind auf amerikanische Luftabwehr angewiesen und haben deshalb neue Sorgen angemeldet.
Trumps Ultimatum, und was seitdem geschah
Am Dienstag gab Trump auf die Frage nach dem Stand der Iran-Sache eine knappe Antwort: „Wir werden es in 48 Stunden wissen.“ Gegenüber Fox News wurde er deutlicher: Die Meerenge werde sehr bald geöffnet, „oder sie werden sehr hart getroffen, und die Meerenge wird geöffnet“. Steige Teheran aus den Verhandlungen aus, deren Existenz es bestreitet, werde es hart getroffen, „und sie verstehen das“.
Über die iranischen Dementis zeigte sich der Präsident sichtlich verärgert: „Sie riefen mich an und sagten sehr höflich: Bitte, können wir reden? Und ich sagte: Ja, bringen wir das zu Ende.“ Und weiter: „Es ist ein bisschen peinlich. Man sagt, wir führen großartige Gespräche, und dann sagt jemand im Iran: Wir haben uns nie getroffen. Das ist eine Lüge.“
Seither hat sich der Ton gedreht. Finanzminister Scott Bessent erklärte am Dienstag gegenüber CNBC, man sei in Gesprächen mit den Iranern, möglicherweise gebe es „heute oder morgen“ ein Abkommen zur Öffnung der Meerenge. Der Ölpreis reagierte prompt und fiel um mehr als fünf Prozent, am Mittwoch stieg Brent wieder leicht auf 79,70 Dollar. Außenminister Marco Rubio sprach von Fortschritten mit Iran und Oman, ohne eine endgültige Einigung. Aus Teheran hieß es, die Gespräche mit Oman befänden sich in der Endphase.
CENTCOM meldete zugleich, die südliche Route der Straße von Hormus durch omanische Hoheitsgewässer sei „frei und offen“.
Die Rechnung, die niemand gern aufmacht
Der eigentliche Streitpunkt bleibt unverändert. Der Iran besteht darauf, die Kontrolle über die Meerenge zu behalten, Washington lehnt Gebühren für die Durchfahrt ab. Nach Angaben regionaler Vertreter würde jedes Abkommen zur Öffnung auch die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade iranischer Häfen erfordern. Verhandelt wird formell zwischen Iran und Oman, nicht zwischen Iran und den USA.
Wie hoch der Preis dieses Konflikts ist, machte Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser deutlich: Der Handelsfluss durch die Meerenge liege bei einem Zehntel des Vorkriegsniveaus, pro Woche der Schließung gingen der Welt über 100 Millionen Barrel verloren. Insgesamt seien mehr als 2,6 Milliarden Barrel ausgefallen. Selbst bei sofortiger Öffnung dauere es bis zu 18 Monate, die Lager wieder aufzufüllen.
Damit steht hinter den 48 Stunden eine nüchternere Wahrheit: Beide Seiten haben handfeste Gründe, zu einem Ergebnis zu kommen. Der Iran braucht seine Häfen, Amerika seine Depots, und die Weltwirtschaft braucht die Tanker.
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