Drei Flugzeugträger und neue Patriot-Batterien: Washington rüstet für einen möglichen neuen Iran-Krieg
Die USA bereiten sich sichtbar auf eine mögliche Wiederaufnahme des Kriegs gegen den Iran vor. Wie das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei ranghohe amerikanische Vertreter und eine Quelle aus der Region berichtete, hat das US-Militär in den vergangenen Wochen zwei zusätzliche Batterien des Luftabwehrsystems Patriot an den Golf verlegt, eine nach Saudi-Arabien zum Schutz einer zentralen Ölanlage, eine nach Katar zum Schutz einer Erdgasanlage. Zugleich setzen sich weitere Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Truppen in Richtung Nahost in Bewegung. Ein Sprecher des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, Tim Hawkins, wollte sich nicht äußern.
Trump: „Unterschreiben oder nicht mehr existieren“
Die Verlegungen fallen mit einer deutlich verschärften Rhetorik des Präsidenten zusammen. US-Präsident Donald Trump sagte am Donnerstag, er erwäge, den Feldzug gegen den Iran in den kommenden Wochen wieder aufzunehmen: „Jetzt muss ich eine Entscheidung treffen: Entweder unterschreibt der Iran das Abkommen, oder er wird nicht mehr existieren.“ Bereits im Interview mit dem Magazin TIME hatte er erklärt, er rechne nach den Zwischenwahlen im November mit neuen Angriffen, falls keine zufriedenstellende Einigung zustande komme, wie berichtet. Den jüngsten iranischen Siebentageplan hatte Washington zuvor abgelehnt.
Die Lehre aus dem August
Die neuen Abwehrbatterien haben eine konkrete Vorgeschichte. Anfang August erwog Trump bereits einen großangelegten Angriff, der auch Schläge gegen die iranische Energieinfrastruktur umfassen sollte. Die Führungen Saudi-Arabiens und Katars drängten ihn damals, darauf zu verzichten, aus Sorge, der Iran könnte im Gegenzug ihre eigenen Öl- und Gasanlagen angreifen. Nach Angaben amerikanischer Vertreter war das ein Hauptgrund dafür, dass Trump auf den Angriff verzichtete und stattdessen auf wirtschaftlichen Druck setzte, darunter die Seeblockade iranischer Häfen.
Die Sorge der Golfstaaten ist begründet. Schon kurz nach Kriegsbeginn, am 1. März, hatte der Iran Raketen und Drohnen auf mehrere Golfstaaten abgefeuert, darunter Saudi-Arabien und Katar. Zuletzt traf ein Drohnenangriff aus dem Irak die saudische East-West-Pipeline, und die vom Iran unterstützten Huthis greifen das Königreich fast täglich an, wie mehrfach berichtet.
Mit den neuen Batterien will Washington seine Verbündeten beruhigen und signalisieren, dass es ihre Energieanlagen im Ernstfall schützt. Das hat auch einen handfesten militärischen Grund: Für einen neuen großen Einsatz bräuchten die USA die Erlaubnis, den saudischen Luftraum zu nutzen. Riad dürfte sie kaum erteilen, solange es seine Ölanlagen nicht ausreichend geschützt sieht.
Patriots sind knapp
Die Verlegung zeigt zugleich, wie angespannt die Ressourcen sind. Patriot-Batterien und vor allem ihre Abfangraketen sind seit Kriegsbeginn äußerst gefragt. Das US-Militär hat Systeme und Munition aus anderen Regionalkommandos in den Nahen Osten verlegt, was Fragen nach der Einsatzbereitschaft in anderen Teilen der Welt aufwirft. Bereits Ende September berichteten US-Medien, Trump scheue einen neuen großen Kampfeinsatz auch wegen schwindender Munitionsbestände.
Bis zu drei Flugzeugträger in der Region
Auch auf See wächst die Präsenz. Nach Angaben eines US-Vertreters hat die USS Theodore Roosevelt mit ihrer Kampfgruppe am Sonntag „in aller Stille“ den Hafen von San Diego verlassen und soll etwa Mitte November in der Region eintreffen. Dort liegen bereits die USS George H.W. Bush, die seit März im Einsatz ist, und die USS George Washington, die im Sommer aus Japan kam und seit rund einem Monat vor Ort ist. „Das bedeutet, dass die Region womöglich bis zu drei Flugzeugträgerkampfgruppen haben könnte. Das ist deutlich mehr Feuerkraft“, sagte der Vertreter. Ob die Roosevelt einen der Träger ablöst oder zusätzlich hinzukommt, ist nach Angaben eines anderen Vertreters noch nicht entschieden.
Hinzu kommt die amphibische Einsatzgruppe um die USS Makin Island mit drei Schiffen und mehreren Tausend Marineinfanteristen der 13. Marine Expeditionary Unit. Sie lief am Montag aus und soll bis Ende November eintreffen, wo bereits eine weitere amphibische Gruppe mit Marineinfanterie stationiert ist.
Was das für Israel bedeutet
Für Israel ist vor allem der Zeitplan bemerkenswert. Die zusätzlichen Kräfte erreichen die Region Mitte bis Ende November, also nach der Knesset-Wahl am 27. Oktober und nach den amerikanischen Zwischenwahlen Anfang November. Das passt zu Trumps Andeutungen, eine Entscheidung über neue Angriffe nach der Wahl zu treffen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte erst am Dienstag gewarnt, Israels Feinde könnten vor der Wahl einen Angriff versuchen, wie berichtet. Ob es tatsächlich zu einer neuen Kriegsrunde kommt oder ob der Aufmarsch vor allem den Druck auf Teheran erhöhen soll, bleibt offen. Trumps Linie hat sich im Verlauf des Kriegs bereits mehrfach geändert.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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