Zwischen den Fronten: Warum die Golfstaaten mit Washington hadern
Es ist die unbequeme Kehrseite dieses Krieges. Während in Washington über Angriffe und Absagen entschieden wird, liegt die Region dazwischen unter Beschuss, und ihre Regierungen verlieren die Geduld. Nach einem Bericht des Wall Street Journal äußern die Golfstaaten hinter den Kulissen wachsenden Frust über das, was sie als Fehlen einer klaren amerikanischen Strategie wahrnehmen, während der Krieg andauert und ihre Gebiete iranischen Angriffen ausgesetzt bleiben.
Konkret verlangten die Verbündeten in den vergangenen Wochen zweierlei aus Washington: zusätzliche Abfangraketen für ihre Luftverteidigung und fortdauernde Garantien, dass das amerikanische Militär sie im Fall weiterer Kämpfe verteidigt.
Warum die Forderung nach Abfangraketen so dringlich ist
Die Bilanz der zurückliegenden Kriegsmonate erklärt den Ton. Kuwait meldete seit Kriegsbeginn 97 abgefangene ballistische Raketen und 283 Drohnen. Die Emirate registrierten in der ersten Kriegsphase 174 ballistische Raketen und 689 Drohnen, von denen 44 auf ihrem Staatsgebiet niedergingen; nach einer Bloomberg-Bilanz summieren sich die gegen das Land gerichteten Geschosse insgesamt auf annähernd 3.000. In Dubai heulten Sirenen über den Glastürmen, Abfangraketen zogen ihre Bahnen in Sichtweite des Burj Khalifa, Rauch stand über dem Flughafen. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben, Häfen, Hotels und Energieanlagen erlitten Schäden in Milliardenhöhe.
Ein Vertreter eines Golfstaates formulierte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, was viele denken: In der Region herrsche der Eindruck, die Operation konzentriere sich auf den Schutz Israels und amerikanischer Truppen, während die Golfstaaten sich selbst überlassen blieben. Der Bestand seines Landes an Abfangraketen sei „rapide erschöpft“.
Ein Lager will Ruhe, das andere Härte
Aufhorchen lässt, dass die Region keineswegs mit einer Stimme spricht. Die Emirate und Kuwait drängten Trump nach Angaben hochrangiger Beteiligter zu einem härteren Vorgehen gegen den Iran. Ihr Argument: Die Revolutionsgarden würden ohne verschärfte amerikanische Beteiligung, Kontrolle über die Straße von Hormus und die Option einer Bodenoperation keine Kompromisse eingehen.
Saudi-Arabien vertritt die Gegenposition und wirbt für Deeskalation, wie zuletzt im Telefonat des Kronprinzen mit Trump.
Der Riss hat eine Vorgeschichte, die den Streit erklärt. Die Emirate wurden nach Volumen aggressiver angegriffen als jedes andere Land der Region, Israel eingeschlossen. Zugleich beteiligten sie sich nach Berichten des Wall Street Journal seit den ersten Kriegstagen an verdeckten Luftangriffen gegen den Iran. Der Politikanalyst Zaabi formuliert den Unterschied so: Abu Dhabi verfüge über mehrere Häfen, Energiequellen und Pipelines und halte deshalb mehr iranischen Druck aus als etwa Katar. Wer aber, wie Saudi-Arabien, offensiv auf Deeskalation setze, werde erfahrungsgemäß eher Ziel iranischer Drohnen und Raketen. Denn Teherans Strategie sei genau das: so viel Unsicherheit erzeugen, dass die Golfstaaten Washington zu Zugeständnissen drängen.
Teheran kennt Trumps Schwachstelle
Wie genau man das in Teheran beobachtet, zeigt eine Aussage, die N12 zitiert. Ein iranischer Diplomat erklärte, man sei sich der politischen Verwundbarkeit Trumps bewusst und wolle sie bei Bedarf nutzen. Scheiterten die diplomatischen Bemühungen, könnten die Revolutionsgarden Präventivangriffe ausführen, auch ohne dass die USA zuerst angreifen.
Damit steht die eigentliche Rechnung dieses Krieges im Raum. Die Golfstaaten wollten ihn verhindern, tragen aber einen erheblichen Teil seiner Kosten. Sie sitzen zwischen einer Supermacht, die entscheidet, und einem Nachbarn, der zurückschlägt. Und je länger die Sache dauert, desto schwerer fällt ihnen die Zurückhaltung, in beide Richtungen.
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