In letzter Minute abgesagt: Trump stoppt den Großangriff, weil sich ein Abkommen abzeichnet
Es war der Angriff, über den das ganze Wochenende beraten wurde, und er wird nicht stattfinden. US-Präsident Donald Trump verkündete in der Nacht zum Sonntag auf Truth Social, er habe die geplante Bombardierung des Iran abgesagt. Der Grund: Der Iran und weitere Länder der Region hätten ihn darum gebeten, und die Umrisse eines Abkommens stünden.
Die Ankündigung selbst fiel martialisch aus. „Die USA sind geladen und entsichert und bereit, gegen die Islamische Republik Iran vorzugehen, auf einem Niveau militärischen Schreckens, militärischer Stärke und Macht, wie man es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen hat“, schrieb er. „Trotzdem sind wir gerade vom Iran und anderen Ländern des Nahen Ostens gebeten worden, jeden Angriff zurückzustellen, da die Rahmenbedingungen eines Abkommens vereinbart wurden.“
Was das Abkommen enthalten soll
Zwei Punkte nannte Trump ausdrücklich: die „sofortige, vollständige und komplette Öffnung der Straße von Hormus“ sowie ein Ende der nuklearen Bedrohung durch den Iran. Genau das sind die beiden Forderungen, an denen Washington fünf Monate lang festgehalten hat. „Auf diese Bitte hin habe ich zugestimmt, zum künftigen Wohl der WELT und ebenso zum Überleben eines erfolgreichen und wohlhabenden Iran, den Angriff abzusagen, vorbehaltlich der Möglichkeit, rasch einen DEAL zu machen.“
Und der Satz, der Israel betrifft: „Der Staat Israel schließt sich mir in dieser Verpflichtung an.“ Zum Schluss die Aufforderung an alle Beteiligten: „An die Arbeit, alle miteinander, und bringt es zu Ende.“
Details fehlen bislang. Weder zu den vereinbarten Bedingungen noch zum Zeitplan der Verhandlungen oder zu den Zugeständnissen beider Seiten wurde etwas veröffentlicht.
Der Mann im Hintergrund: Mohammed bin Salman
Eine wichtige Rolle spielte Riad. Nach übereinstimmenden Berichten sprach der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman am Samstag mit Trump und äußerte Sorge, ein amerikanischer Angriff auf iranische Energieanlagen werde Vergeltungsschläge gegen Öl- und Gasinfrastruktur in Saudi-Arabien und den übrigen Golfstaaten nach sich ziehen. Eine Quelle formulierte es gegenüber CBS knapp: Bei bin Salmans Vorstoß sei es „ausschließlich um die Ziele“ gegangen. Schon in der Woche zuvor hatte der Kronprinz seinen Bruder, Verteidigungsminister Khalid bin Salman, nach Washington entsandt.
Auch Katar, die Emirate, die Türkei und Pakistan arbeiteten in den vergangenen Tagen an einer Deeskalation, unter anderem in Gesprächen mit Trumps Gesandtem Steve Witkoff. Der Iran selbst warnte parallel unmissverständlich: Außenminister Abbas Araghchi drohte in Telefonaten mit Amtskollegen in Ankara, Islamabad und Riad, jede amerikanische oder israelische Aktion werde eine „verhältnismäßige Antwort“ nach sich ziehen. Zuvor hatte Teheran Energieanlagen in Israel, Saudi-Arabien, den Emiraten und Katar als mögliche Ziele genannt.
Die Vorgeschichte dieses Wochenendes
Wie nah die Region an einer neuen Eskalationsstufe stand, zeigt der Verlauf. Am Donnerstag meldete das US-Zentralkommando eine rund zweistündige Angriffswelle gegen Dutzende Ziele der Revolutionsgarden, darunter Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachung. Ausgelöst hatte sie der iranische Raketenbeschuss amerikanischer Kräfte in der Region. Am Freitag berichteten mehrere Quellen von Plänen für eine gemeinsame amerikanisch-israelische Kampagne gegen Irans Energieinfrastruktur, möglicherweise noch am Wochenende. Am Samstagmorgen setzte Trump auf Truth Social ein 48-Stunden-Ultimatum.
Innenpolitisch stand für ihn einiges auf dem Spiel: Der Krieg ist bei vielen Amerikanern unpopulär und hat die Weltwirtschaft erschüttert, wenige Monate vor den Zwischenwahlen im November.
Bleibt die Frage, die seit Monaten über allem steht. Die Straße von Hormus ist der Kern des Konflikts: Washington verlangt freie, gebührenfreie Durchfahrt für alle Schiffe, Teheran beansprucht Kontrolle und Aufsicht über die Meerenge. Frühere Anläufe endeten in vorläufigen Verständigungen, die zusammenbrachen, sobald wieder geschossen wurde. Ob es diesmal anders läuft, entscheidet sich nicht an einer Ankündigung, sondern daran, ob Tanker künftig ohne Erlaubnis passieren.
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