Vom Papier auf den Boden: Libanesische Armee übernimmt die ersten drei Dörfer im Süden
Das Rahmenabkommen zwischen Israel und dem Libanon hat seinen ersten Praxistest erreicht. Das US-Außenministerium erklärte am Montag, die Operationen in den ersten Pilotzonen hätten begonnen: In den drei Dörfern Froun, Srifa und Zawtar al-Gharbiya im Südlibanon übernimmt die libanesische Armee die Sicherheitsverantwortung, im Rahmen des trilateralen Abkommens und unter Aufsicht der eigens geschaffenen Militärischen Koordinierungsgruppe für den Libanon. Washington sprach von einem „Meilenstein“ als Frucht der Gespräche von Rom und sagte zu, den Prozess bis zum Abschluss eng zu begleiten.
Am Boden wurde die Ankündigung sichtbar: Libanesische Soldaten patrouillieren in den Dörfern, errichten Kontrollpunkte und Beobachtungsposten, räumen Blindgänger und nahmen nach Armeeangaben bewaffnete Personen fest. Genau das ist der Mechanismus, den das Abkommen vom 26. Juni vorsieht: Die Armee des libanesischen Staates tritt an die Stelle bewaffneter Milizen, verifiziert, Zone für Zone, und im Gegenzug zieht sich die IDF schrittweise zurück.
Der echte Test heißt Zawtar
Ein Detail verdient Beachtung, das in manchen Meldungen untergeht: In zwei der drei Dörfer, Froun und Srifa, stehen gar keine israelischen Truppen. Sie liegen außerhalb der israelischen Pufferzone; Srifa ist von der nächsten IDF-Stellung rund fünf Kilometer entfernt. Im Libanon sorgte die Auswahl deshalb für Kritik, die Armee hätte lieber größere Zonen mit tatsächlicher israelischer Präsenz übernommen. Der eigentliche Prüfstein ist das dritte Dorf: Zawtar al-Gharbiya liegt innerhalb der israelischen Pufferzone. Hier muss die IDF tatsächlich weichen, hier zeigt sich, ob der Mechanismus aus Verifikation und Rückzug funktioniert. Die Gegend hat es in sich: In den tiefen Tälern nahe dem Litani vermutet die israelische Armee Raketenabschussstellen der Hisbollah, entsprechend intensiv waren dort die Angriffe im Krieg.
Der Zeitpunkt der Ankündigung spricht für sich: Sie kam einen Tag, bevor Präsident Joseph Aoun im Weißen Haus von Trump amerikanischen Druck auf Israel fordern will. Mit den laufenden Pilotzonen kann Beirut in Washington Vollzug vorweisen, und Washington kann den Erfolg seiner Vermittlung präsentieren.
Die Hisbollah lehnt das gesamte Verfahren ab und denkt nicht an Entwaffnung. Zwischen Israel und dem Libanon bleiben die Kernfragen strittig: Umfang des Rückzugs, Abbau der Terror-Infrastruktur, die künftige Sicherheitsarchitektur an der Grenze. Doch zum ersten Mal seit Kriegsbeginn wird das Abkommen nicht verhandelt, sondern umgesetzt. Gelingen die ersten drei Dörfer, sollen weitere folgen. Der Norden Israels schaut genau hin.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal
Related Posts
Türkischer Forscher: Türkische Armee kann Tel Aviv innerhalb von 72 Stunden einnehmen
Ob er daraufhin einen direkten Angriff auf Israel verüben wird, ist unwahrscheinlich, aber Israel steht…
Gespräche mit dem Iran zum Scheitern verurteilt?
Irans Atomchef Islami: „Wir werden weiterhin Uran anreichern – und dem Westen die Augen ausstechen“…
Netanjahu versichert Eltern von Geiseln: Israel arbeitet an Abkommen zur Freilassung von zehn Geiseln
Geiselforum und Tikva-Forum fordern: Alle Geiseln müssen auf einmal freikommen; Ägyptische Quelle: Hamas bittet um…
Verwirrung um Verhandlungsort – Iran lehnt Uran-Transfer ab
Die jüngsten diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran stehen auf wackligen Füßen. Zwar…
