Raketen auf die eigenen Vermittler: Der Iran überzieht den Golf mit Angriffen, die USA treffen 140 Ziele
Die Konfrontation am Golf hat in der Nacht zum Sonntag eine neue Dimension erreicht. Nach der größten amerikanischen Angriffswelle der Woche mit 140 getroffenen Zielen im Iran antwortete Teheran mit gleichzeitigen Raketen- und Drohnenangriffen auf sechs Länder. Getroffen oder anvisiert wurden US-Einrichtungen in Jordanien, Kuwait, Bahrain, Katar, den Emiraten und Oman. Nur Saudi-Arabien blieb verschont.
Die bittere Pointe: Unter den Zielen sind ausgerechnet die Staaten, die zwischen Washington und Teheran vermitteln. Über Doha jagten in zwei Angriffswellen Abfangraketen ballistische Geschosse, die Bewohner erhielten Warnungen auf ihre Telefone, Katar hob die nationale Bedrohungsstufe an. Die Revolutionsgarden reklamierten Treffer auf den Stützpunkt Al Udeid, das wichtigste US-Drehkreuz der Region. Und in Oman, dem geduldigsten aller Vermittler, wollen sie im Hafen von Duqm amerikanische Logistikzentren und Betankungsanlagen zerstört haben. Wer den Boten beschießt, sagt etwas über sein Interesse an der Botschaft.
300 Ziele in einer Woche
Das US-Militär zog seinerseits Bilanz: Mit Präzisionswaffen aus der Luft und von See trafen die Streitkräfte in der Nacht Raketen- und Drohnenstartplätze, Marineeinrichtungen, Munitionsdepots sowie Kommunikations- und Überwachungsanlagen. Seit Wochenbeginn summieren sich die Schläge auf mehr als 300 Ziele. Der Iran meldete Angriffe auf sieben Militärbasen in Bushehr, fünf in Deyr und vier in Asaluyeh. Verteidigungsminister Pete Hegseth blieb bei seiner Formel: Der Iran habe eine schlechte Wahl getroffen und zahle nun den Preis.
Zugleich untermauerte Washington seinen Anspruch auf die Meerenge mit Zahlen: Rund 800 Schiffe mit insgesamt 400 Millionen Barrel Öl haben die Straße von Hormus seit Mai unter amerikanischem Geleit passiert. Der Iran hält dagegen, meldete den Beschuss eines zweiten Schiffs binnen 24 Stunden und erklärt die Meerenge weiter für geschlossen, bis die „amerikanische Einmischung“ ende.
Ghalibaf: „Die Ära einseitiger Abkommen ist vorbei“
Wie Teheran die Lage deutet, machte Parlamentspräsident Mohammad Baqer Ghalibaf klar. Er veröffentlichte Artikel 5 des Memorandums und schrieb dazu: Die Ära einseitiger Abkommen sei vorbei. „Wir haben euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis. Die Realität klopft an die Tür.“
Das Memorandum sollte 60 Tage Zeit für ein endgültiges Abkommen schaffen. Die Kernfragen, Irans Nuklearprogramm, das angereicherte Uran, die Sanktionen und die Kontrolle über Hormus, sind allesamt ungelöst. Nach dieser Nacht stellt sich weniger die Frage, ob das Papier noch zu retten ist, als vielmehr, wer es überhaupt noch retten will.
Karte: Die Grafik zeigt die Länder, in denen der Iran mit Raketen und Drohnen angegriffen hat.
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