Der Konflikt rückt näher: Sirenen in Jordanien, Einschläge am Rand des Atomkraftwerks Bushehr
Die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hat am Donnerstag eine neue geografische Dimension erreicht. Erstmals seit Langem heulten in Jordanien die Sirenen: Die jordanische Armee fing nach eigenen Angaben acht iranische Raketen ab, die auf das Königreich zusteuerten. Ziel war nach iranischen Berichten der Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti, auf dem US-Kräfte stationiert sind. Die amerikanische Botschaft in Amman wies ihr Personal an, sofort Schutz zu suchen: In Jordaniens Luftraum befänden sich „Raketen, Drohnen oder Flugkörper“.
Und die Warnungen machten an der Grenze nicht halt: Auch in einigen Ortschaften im Jordantal waren nach übereinstimmenden Berichten Alarme zu hören. Noch vor den Sirenen in Jordanien hatte ein israelischer Sicherheitsvertreter gegenüber Ynet die Einschätzung bekräftigt, die Konfrontation werde nicht auf Israel übergreifen. Die Ereignisse des Nachmittags stellen diese Annahme auf die Probe.
Einschläge im Umfeld des Atomkraftwerks
Brisant ist eine zweite Entwicklung: Nach Angaben des Vizegouverneurs der Provinz Bushehr trafen amerikanische Geschosse mehrere Orte in der Provinz, darunter das Umfeld des Atomkraftwerks Bushehr, eine Militärbasis in Choghadak und einen Fischerei-Anleger. Der Gouverneur beteuerte, das Kraftwerk selbst sei sicher und nicht angegriffen worden. Das mit russischer Hilfe gebaute Bushehr ist Irans einziges ziviles Atomkraftwerk. Die Internationale Atomenergiebehörde hatte schon im April gewarnt, Angriffe in der Nähe der Anlage seien eine „sehr reale Gefahr für die nukleare Sicherheit“.
Die Bilanz zweier Nächte
Mehr als 170 iranische Ziele haben die USA binnen zwei Nächten attackiert, 80 in der ersten, 90 in der zweiten. Teheran meldet 14 Tote und 78 Verletzte. Unter den zerstörten Zielen sticht eine Brücke heraus: Die Aq-Tappeh-Khan-Eisenbahnbrücke liegt auf dem Korridor China-Turkmenistan-Iran. Über diese Route wickelte Russland seit November Warentransporte ab, der chinesische Güterverkehr hatte sich nach der US-Seeblockade verdreifacht. Der Schlag traf also nicht nur Schienen, sondern Teherans Handelsader zu seinen strategischen Partnern.
Der Iran weitet seine Gegenschläge aus: Drohnen beschädigten nach iranischen Angaben Patriot-Systeme in Kuwait, Treibstofflager der US-Armee in Bahrain und Frühwarnanlagen in Katar. Letzteres hat Gewicht, denn Katar vermittelt in den Verhandlungen. Die Revolutionsgarden kündigten an, mit voller Kraft weiterzumachen, bis zum „endgültigen Sieg“ der Islamischen Revolution.
Die Eskalationsspirale dreht sich damit über den Golf hinaus. Mit Jordanien ist sie an Israels Grenze angekommen.
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