1.000 Tage nach dem Massaker: Israel hält inne, erinnert und protestiert
Israel hat am Donnerstag mit Gedenkveranstaltungen, Märschen und Protesten im ganzen Land an den 7. Oktober 2023 erinnert. Genau 1.000 Tage sind seit dem Hamas-Massaker vergangen, bei dem Terroristen 1.200 Menschen ermordeten, überwiegend Zivilisten, und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten.
Den Tag gestaltete maßgeblich der Oktober-Rat, ein Zusammenschluss von mehr als 1.500 trauernden Familien, Überlebenden des Massakers und ehemaligen Geiseln. Die Organisation kritisiert die Regierung scharf: Sie habe die Invasion nicht verhindert und verweigere bis heute eine staatliche Untersuchungskommission. Die ersten Protestaktionen begannen um 6.29 Uhr, exakt zu der Minute, in der der Angriff vor 1.000 Tagen begann.
Schweigeminute und Konvoi durch die zerstörten Orte
Um 10 Uhr rief der Oktober-Rat das ganze Land zu einer Schweigeminute auf. Die Uhrzeit trägt symbolisches Gewicht: Zur selben Stunde heulen an Israels Holocaust-Gedenktag landesweit die Sirenen. Ein Fahrzeugkonvoi steuerte die am schwersten getroffenen Orte an, vom Gelände des Nova-Festivals bei Re’im über Nir Oz, Kissufim, Be’eri, Nachal Oz und Kfar Aza bis zu einer Gedenkstätte bei Sderot.
In Tel Aviv trug der frühere Geiselplatz für einen Tag den Namen „Platz der Erinnerung“. Dort eröffneten die Veranstalter die Ausstellung „Tausend Erinnerungen“ mit 1.000 persönlichen Gegenständen von Ermordeten, gefallenen Soldaten und Geiseln. Am Abend fand auf dem Platz die zentrale Kundgebung statt. Dort sprach auch Rom Braslavski, der 737 Tage Geiselhaft im Gazastreifen überlebte. Er lud die Öffentlichkeit ein, zu kommen und den Gefallenen die Ehre zu erweisen.
Generalstabschef: Angriff auf die Existenz des jüdischen Volkes
Generalstabschef Eyal Zamir erklärte im Vorfeld, der 7. Oktober sei ein Angriff auf die Existenz des jüdischen Volkes gewesen. Diese Erinnerung verpflichte die IDF, sich weiter zu verändern und Lehren zu ziehen. Die Armee stehe an einem strategischen Scheideweg des Krieges.
Der Überfall der Hamas löste einen Mehrfrontenkrieg aus, mit der Hisbollah im Libanon, den Houthis im Jemen und schließlich mit dem Iran. Die Kämpfe ruhen weitgehend, doch an keiner Front besteht ein dauerhaft gesicherter Waffenstillstand. Alle Geiseln kehrten nach Israel zurück, viele von ihnen nicht mehr am Leben. Vor dem dritten Jahrestag im Herbst zeichnen sich erneut getrennte Gedenkfeiern ab: Die Organisation Kumu plant eine eigene große Zeremonie im Tel Aviver Yarkon-Park, unabhängig von der staatlichen Feier.
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