Gerade jetzt nach Israel — warum westliche Juden trotz Krieg Alija machen
Eine Entscheidung gegen den Trend
Israel erlebt eine widersprüchliche Entwicklung. Während die Zahl der Neueinwanderer insgesamt zurückgeht, wächst ausgerechnet die Alija aus westlichen Ländern. Juden aus den USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada entscheiden sich in wachsender Zahl für Israel, obwohl das Land seit dem 7. Oktober in einer anhaltenden Sicherheitskrise steht.
Nach Angaben des Alija- und Integrationsministeriums kamen 2025 insgesamt 22.522 neue Einwanderer nach Israel, rund 10.000 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang geht vor allem auf die Alija aus Russland zurück, die um etwa 57 Prozent auf rund 8.300 einbrach. Die Zahl der Olim aus westlichen Ländern stieg dagegen um 25 Prozent auf 8.499. Ihr Anteil an der gesamten Alija wuchs von 21 auf 38 Prozent.
Das ist mehr als eine statistische Verschiebung. Es zeigt, dass Israel für viele Juden im Westen trotz Krieg, Raketenbedrohung und internationalem Druck nicht an Anziehungskraft verliert. Im Gegenteil: Für manche wird die Entscheidung gerade jetzt klarer.
Junge Menschen suchen Zukunft in Israel
Auffällig ist, dass viele der neuen Einwanderer jung sind. Rund ein Drittel aller Olim war zwischen 18 und 35 Jahre alt, unter denen aus westlichen Ländern ist der Anteil junger Erwachsener besonders hoch. Viele kommen zum Studium, andere mit beruflicher Qualifikation oder als junge Familien. Israel zieht damit nicht nur Menschen an, die Schutz suchen, sondern auch solche, die sich langfristig ein Leben im Land aufbauen wollen.
Auch für den Arbeitsmarkt ist das bedeutsam. Unter den Neueinwanderern sind Ärzte, Akademiker, Studierende und Fachkräfte. Allein 541 Ärzte wanderten 2025 über das Integrationsprogramm des Ministeriums ein, hinzu kamen mehr als 2.000 Fachkräfte aus Technologie und Ingenieurwesen. Viele finden schnell Arbeit. Gerade in Medizin, Forschung, Technologie und Bildung kann Israel von dieser Gruppe profitieren.
Hinzu kommen junge Olim, die in der IDF dienen. 3.165 neue Einwanderer wurden 2025 eingezogen, darunter zahlreiche Lone Soldiers, also Soldaten ohne direkte Familie im Land.
Alija als Antwort auf Unsicherheit
Die Gründe sind vielschichtig. In westlichen Ländern erleben viele jüdische Gemeinden seit dem 7. Oktober eine neue Welle von Antisemitismus, besonders an Universitäten und im öffentlichen Raum. Am stärksten schlägt sich das in Frankreich nieder, von wo die Alija um 51 Prozent zunahm. Für manche wird Israel dadurch nicht weniger, sondern mehr zur Heimatoption.
Zugleich kommen diese Menschen nicht in ein problemloses Land. Israel steht unter militärischem Druck, die Lebenshaltungskosten sind hoch, die Gesellschaft ist politisch gespalten. Hinzu kommt, dass im zweiten Jahr in Folge mehr Menschen Israel verließen, als einwanderten. Wer jetzt Alija macht, entscheidet sich also nicht für Bequemlichkeit, sondern für Zugehörigkeit.
Gerade deshalb ist die Entwicklung bemerkenswert. Während Israel selbst mit Abwanderung, Erschöpfung und inneren Konflikten ringt, kommen Juden aus dem Westen und sagen mit ihrem Schritt: Unsere Zukunft liegt hier.
Die Alija aus westlichen Ländern ist damit auch ein Signal in schwieriger Zeit. Sie zeigt, dass Israel trotz Krieg nicht nur als gefährdeter Ort wahrgenommen wird, sondern als Mittelpunkt jüdischen Lebens.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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